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Versicherungs-Innendienstler erhalten mehr Gehalt

2.12.2019 – Die Tarifparteien haben sich am Wochenende auf einen neuen Gehaltstarifvertrag für den Versicherungs-Innendienst geeinigt. Danach erhalten die Angestellten und die Auszubildenden ab April 2020 2,8 Prozent und ab Juni 2021 zwei Prozent mehr Geld. In diesem Dezember erhalten die Angestellten einmalig 225 Euro.

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Am Freitag haben sich der Arbeitgeberverband der Versicherungs-Unternehmen in Deutschland e.V. (AGV), die Vereinte Dienstleistungs-Gewerkschaft (Verdi), der DHV – Die Berufsgewerkschaft e.V., der Deutsche Bankangestellten-Verband e.V. (DBV) – Gewerkschaft der Finanzdienstleister in München zu Tarifverhandlungen getroffen.

In dieser dritten Gesprächsrunde konnten sich die Tarifparteien nach Angaben der Teilnehmer um 2.45 Uhr am Samstagmorgen auf einen Gehaltstarifvertrag für die 170.000 Mitarbeiter im Innendienst der privaten Versicherer einigen. Mit einem „langen Abend“ hatten beide Seiten bereits im Vorfeld übereinstimmend gerechnet (VersicherungsJournal 29.11.2019).

Eckpunkte des Tarifabschlusses

Der Tarifabschluss umfasst unter anderem folgende Eckpunkte:

  • Die Laufzeit beträgt 29 Monate, von 1. September 2019 bis 31. Januar 2022.
  • Die Gehälter (einschließlich Tätigkeits- und Verantwortungszulagen) bleiben bis 31. März 2020 auf dem Stand der Vereinbarung vom 30. August 2017 (30.8.2017). Ab 1. April 2020 werden sie um 2,8 Prozent und ab 1. Juni 2021 um weitere zwei Prozent linear erhöht.
  • Die Auszubildenden erhalten zu den gleichen Terminen Erhöhungen in Höhe von 68 Euro und 30 Euro je Ausbildungsjahr.
  • Alle Angestellten erhalten mit dem Dezember-Gehalt 2019 eine einmalige zusätzliche Zahlung in Höhe von 225 Euro. Teilzeitbeschäftigte bekommen die Einmalzahlung anteilig. Für Auszubildende gilt die Vereinbarung nicht.
  • Die Verlängerung der Höchstüberlassungs-Dauer bei Arbeitnehmerüberlassung steigt von 18 auf 48 Monate.
  • Die Tarifpartner vereinbarten eine Verhandlungs-Verpflichtung über die Wahlmöglichkeit der Beschäftigten, die Tariferhöhung in freie Tage umzuwandeln (maximal fünf Arbeitstage bei Fünf-Tage-Woche).

Kein Jubel bei den Tarifpartnern

Das Ergebnis des Tarifabschlusses bewertete keine Partei euphorisch. Das Ergebnis sei aus Arbeitgebersicht vertretbar, so der stellvertretende AGV-Hauptgeschäftsführer Dr. Sebastian Hopfner.

„Anlass zum Jubel besteht für keine der beiden Seiten. Für die Arbeitgeberseite ist die mit der langen Laufzeit des Abschlusses erreichte Planungssicherheit besonders wichtig. Denn unser Geschäftsmodell setzt auf Nachhaltigkeit und braucht daher eine solide Planung“, erklärte Hopfner gegenüber dem VersicherungsJournal.

„Der Abschluss sichert den Beschäftigten eine Reallohn-Steigerung und sorgt dafür, dass die Versicherungs-Beschäftigten nicht von anderen Branchen abgekoppelt werden", ließ sich Verdi-Verhandlungsführerin Martina Grundler in einer Mitteilung zitieren.

Das vorliegende Ergebnis sei nur zustande gekommen, weil sich die Arbeitnehmer „für ihre Forderungen stark gemacht und sehr engagiert Streiks durchgeführt haben“, so Grundler weiter.

Zähe Verhandlungen

Die Verhandlungen liefen seit September. Das erste Treffen blieb ohne Ergebnis (20.9.2019). Beim zweiten Termin hatte der AGV ein Angebot vorgelegt. Das wurde von Verdi als „nicht verhandlungsfähig“ zurückgewiesen (31.10.2019).

Anschließend hatten die Arbeitnehmervertreter mit Warnstreiks in verschiedenen deutschen Städten Druck gemacht (20.11.2019).

Im Vergleich zu anderen Branchen hatte die Versicherungswirtschaft bei der Lohnentwicklung zuletzt die „rote Laterne“ (2.12.2019).

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