Leserbrief

Mindestens einen Tod wird man als Anleger sterben müssen

16.11.2021 – Die Aussagen erinnern mich an ein Bonmot von Bert Brecht: „Unsichtbar wird der Wahnsinn, wenn er genügend große Ausmaße angenommen hat.“ Da Privatanleger nicht „too big to fail sind“, ist es doch in einer Zeit, in der es an allen Ecken lichterloh brennt, naiv, darauf zu hoffen, dass man im Zuge der Löscharbeiten nicht auch seinen Beitrag leisten muss.

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Hat das Feuer erst eine kritische Größe erreicht, lassen sich sämtliche Kollateralschäden begründen. Das Weltfinanzsystem und damit die Welt, wie wir sie kennen, stand zuletzt im Herbst 2019 vor dem technischen K.O. Man hat einen Weg gefunden, den angeschlagenen Boxer noch in eine letzte zwölfte Runde zu schicken, mit vollständig zugeschwollenen Augen, die Hose in den Kniekehlen und ohne die Kraft, die Fäuste auch nur einen Zentimeter zu heben.

Was sagt denn die Stimme der Vernunft? Aktien-ETF im Greater-Fool-Spiel? Bonds unter „Covenant-Light“-Bedingungen? Immobilienfonds mit Verfügungs-Beschränkungen und Realisierung der Verluste durch Zwangsauflösung über mehrere Jahre? Das KAGB (seit 2020) und die globalen Pendants sehen doch längst Rückgabefristen, Rücknahmebeschränkungen und Swing-Pricing-Regeln für sämtliche Investmentfonds vor.

Natürlich Diversifikation „the only free lunch“, aber mindestens einen Tod wird man als Anleger sterben (müssen).

Rene Nawrot

rene.nawrot@t-online.de

zum Leserbrief: „Es gibt für alles ein erstes Mal”.

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