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Bloß nicht Economyclass: Entschädigung nach Flugausfall

7.11.2019 – Kann ein Flug wegen der Insolvenz der Fluggesellschaft nicht in der ursprünglich vorgesehenen Form durchgeführt werden, so kann ein Veranstalter einer Pauschalreise dazu verpflichtet sein, betroffenen Kunden eine Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit zu zahlen. Das geht aus einem Urteil des Landgerichts Köln vom 19. Juni 2018 hervor (30 O 107/18).

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Der Kläger hatte für sich und seine Lebensgefährtin bei einem Reiseveranstalter eine Pauschalreise in die Dominikanische Republik gebucht. Dafür hatte er etwas mehr als 9.000 Euro gezahlt. Zu dem Reisepaket gehörte ein Direktflug von Düsseldorf nach Punta Cana und zurück.

Gebucht wurde eine Beförderung in der Businessclass. Hierfür zahlte der Kläger einen Aufpreis von rund 2.500 Euro.

Ersatzbeförderung

Wenige Wochen vor dem vereinbarten Reisedatum musste die Fluggesellschaft, welche die Beförderung durchführen sollte, Insolvenz anmelden. Daraufhin wurden sämtliche Langstreckenflüge des Unternehmens annulliert. Der Reiseveranstalter bot dem Kläger daher eine Ersatzbeförderung durch eine andere Fluggesellschaft an.

Der Mann und seine Lebensgefährtin sollten demzufolge nicht wie ursprünglich vereinbart von Düsseldorf, sondern vom Flughafen Frankfurt am Main aus starten. Von dort sollten sie nach Amsterdam befördert werden.

Erst nach einer kostenpflichtigen Übernachtung in der niederländischen Stadt sollten die Reisenden zum Zielflughafen weiterbefördert werden. Damit aber nicht genug. Denn die neuen Pläne sahen keine Beförderung in der ursprünglich gebuchten Businessclass, sondern in der Economyclass vor.

Kein gleichwertiger Ersatz

Der Kläger hielt das Angebot für unzumutbar. Es handele sich um keinen gleichwertigen Ersatz für die ursprünglich gebuchte Reise. Er kündigte daher den Reisevertrag. Gleichzeitig verlangte er von dem Veranstalter eine Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit.

Zu Recht, urteilte das Kölner Landgericht. Es hielt die Forderung des verhinderten Urlaubers dem Grunde nach für berechtigt. Lediglich bezüglich der Höhe machten die Richter Abstriche.

Sache des Reiseveranstalters

Dem Argument des Reiseveranstalters, dass ihn kein Verschulden an der Insolvenz der Fluggesellschaft treffe und er folglich nicht zum Schadenersatz verpflichtet sei, wollten sich die Richter nicht anschließen.

Grundsätzlich, so das Gericht, steht jemandem, dessen Reise vereitelt oder beeinträchtigt wird, auch wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit eine angemessene Entschädigung in Geld zu. In dem entschiedenen Fall sei die geplante Reise auf jeden Fall mangelhaft gewesen. Denn das Ersatzangebot habe nicht jenen Leistungen entsprochen, die ursprünglich vereinbart worden waren.

Kein Fall höherer Gewalt

Zwar sei die Insolvenz der Fluggesellschaft bei Abschluss des Reisevertrages noch nicht absehbar gewesen. Es falle aber in den Gefahrenbereich des Reiseveranstalters, sich solcher Erfüllungs- und Leistungsgehilfen zu bedienen, die solvent seien und ihre Leistungspflicht erfüllen könnten.

Die Insolvenz des Luftverkehrs-Unternehmens stelle auch keinen Fall höherer Gewalt dar. Es sei nämlich Sache der Reiseveranstalter, laufend den Markt zu beobachten und – droht die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens – umgehend zu reagieren. Das habe der beklagte Anbieter ganz offenkundig unterlassen.

Nach all dem wurde dem Kläger und seiner Lebensgefährtin eine Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit in Höhe von 50 Prozent des Reisepreises (gefordert wurden 80 Prozent) zugesprochen.