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Covid-19: Wann Urlauber auf den Stornokosten sitzen bleiben

16.11.2020 – Eine Reisende war wegen der Corona-Pandemie von einem Pauschalreisevertrag zurückgetreten. Zu diesem Zeitpunkt stand noch nicht fest, dass die Fahrt tatsächlich nicht stattfinden konnte. In diesem Fall muss die Urlauberin die vertraglich vereinbarten Stornogebühren zahlen. Das hat das Amtsgericht München mit einem am Freitag veröffentlichten Urteil vom 27. Oktober 2020 entschieden (159 C 13380/20).

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Die Klägerin hatte für sich und ihre Familie Ende Februar 2020 bei einem Reiseveranstalter eine Ostseekreuzfahrt gebucht. Diese sollte in der Zeit vom 28. Juni bis 5. Juli stattfinden. Auf den Reisepreis zahlte sie 400 Euro an.

Die Sache mit den 80 Cent

Wegen der Entwicklung der Corona-Pandemie entschloss sich die Frau am 1. April dazu, von dem Reisevertrag zurückzutreten. Den Rücktritt verband sie mit der Aufforderung, ihr die Anzahlung zurückzuzahlen.

Denn es sei absehbar, dass die Kreuzfahrt nicht stattfinden könne. Bereits Ende März seien nämlich keine Einreisen nach Dänemark und Russland mehr möglich gewesen. Unter anderem in diesen Ländern hätten jedoch Häfen angelaufen werden sollen.

Der Reiseveranstalter bestand jedoch auf die Zahlung der vereinbarten Stornogebühren. Er argumentierte, dass die Reisewarnungen des Auswärtigen Amts zum Zeitpunkt des Rücktritts der Urlauberin nur bis Mitte Juni gegolten hätten. Die Gebühren entsprachen bis auf 80 Cent der von der Klägerin geleisteten Anzahlung.

Zu Recht, urteilte das Münchener Amtsgericht. Es wies die Klage der Frau bis auf jene 80 Cent als unbegründet zurück.

Frühzeitiger Rücktritt

Nach Ansicht der Richter reicht allein die Tatsache der Pandemie nicht aus, dass ein Reiseveranstalter nicht auf die Zahlung von Stornogebühren bestehen kann. Es komme vielmehr auf die Umstände des Einzelfalls an.

Am Tag des von der Urlauberin erklärten Reiserücktritts habe nachweislich keine Reisewarnung des Auswärtigen Amts für den geplanten Reisezeitraum vorgelegen.

Zwar habe es zu dieser Zeit bereits erste Erfahrungen mit Corona-Ausbrüchen auf Kreuzfahrtschiffen gegeben. Dennoch habe Anfang April nicht ausgeschlossen werden können, dass drei Monate später mit einem Hygienekonzept und Testungen der Passagiere die Durchführung der Kreuzfahrt möglich gewesen wäre.

Der frühzeitige Rücktritt der Frau spreche daher dafür, dass ihr bereits zu diesem Zeitpunkt klar gewesen sei, dass sie die Reise unter keinen Umständen antreten werde.

Was sagen andere Gerichte?

„Dies sind aber primär bloße Unwohl- und Angstgefühle, die für eine kostenlose Stornierung nicht ausreichen“, so die Richter. Ihre Klage sei folglich nur in Höhe der die Stornogebühr übersteigenden 80 Cent begründet gewesen.

Die Frage einer kostenlosen Stornierung wegen der Corona-Pandemie wird von den Gerichten unterschiedlich beurteilt. Sowohl das Amtsgericht Frankfurt am Main als auch das Amtsgericht Rostock hatten im August diesen Jahres zu Gunsten von verhinderten Reisenden entschieden (VersicherungsJournal 19.8.2020 und 6.11.2020).

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