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Diese Kfz-Versicherer stecken teils tief in den roten Zahlen

16.11.2020 – In der Kraftfahrtversicherung lagen im vergangenen Jahr 21 der 50 größten Anbieter in der versicherungs-technischen Verlustzone. Acht Anbieter erzielten eine kombinierte Schaden-Kosten-Quote von über 105 Prozent. Auf den schlechtesten Wert kam die Nürnberger mit über 110 Prozent. Dies zeigt der „Branchenmonitor 2014-2019: Kraftfahrtversicherung“ von V.E.R.S. Leipzig.

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Die Ertragslage für die deutschen Autoversicherer hat sich 2019 etwas verschlechtert. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote (nach Abwicklung; in Relation zu den verdienten Bruttobeiträgen) ist um über zwei Prozentpunkte auf 98,4 Prozent gestiegen.

Dies ist dem „Statistischen Taschenbuch der Versicherungswirtschaft 2020“ vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) zu entnehmen. Damit blieb die Branche zum sechsten Mal in Folge in der Gewinnzone. Zwischen 2008 und 2013 hatte die Assekuranz noch teils deutlich im Minus gelegen.

Kfz-Versicherung Combined Ratio (Bild: Wichert)

21 Gesellschaften im roten Bereich

Die einzelnen Gesellschaften unterschieden sich hinsichtlich der Profitabilität laut dem „Branchenmonitor: Kraftfahrtversicherung 2014-2019“ auch im vergangenen Jahr wieder deutlich.

21 der 50 größten Gesellschaften verzeichneten 2019 eine Combined Ratio von über 100 Prozent. Im Jahr zuvor waren es nur 13 Unternehmen (VersicherungsJournal 20.11.2019). In den beiden Jahren davor traf dies auf jeweils rund 20 Anbieter zu (26.11.2018, 15.1.2018).

Die Untersuchung wird von der V.E.R.S. Leipzig GmbH und der Sirius Campus GmbH durchgeführt und erfasst zahlreiche Kennzahlen der 50 größten Marktteilnehmer mit einer Marktabdeckung von rund 88 Prozent.

13 Marktteilnehmer mit leichten Verlusten

Nur knapp an der Gewinnzone vorbei schrammten die Condor Versicherungs-AG und die neu gegründete Dialog Versicherung AG. In Letzterer hat die Generali Deutschland AG das Geschäft über Makler und unabhängige Vertriebe gebündelt (25.10.2018, 23.10.2018).

Auf kombinierte Schaden-Kosten-Quoten zwischen 101 und 104 Prozent kamen (Aufzählung in aufsteigender Reihenfolge)

Nürnberger Allgemeine mit der höchsten Combined Ratio

Die höchste Combined Ratio (CR) wird mit über 110 Prozent für die Nürnberger Allgemeine Versicherungs-AG ausgewiesen. Kombinierte Schaden-Kosten-Quoten von jeweils über 109 Prozent stehen für die Allianz Direct Versicherungs-AG und die R+V Direktversicherung AG (R+V24) zu Buche.

Vergleichsweise hohe Werte (zwischen 107 und 105 Prozent) werden ferner für die BGV-Versicherung AG, die Ergo Versicherung AG, die Provinzial Nord Brandkasse AG, die Alte Leipziger Versicherung AG und die Bayerischer Versicherungsverband Versicherung AG aufgelistet.

Kfz-Versicherung höchste Combined Ratio (Bild: Wichert)

Massiv verschlechtert hat sich die Combined Ratio bei der Provinzial Nord (plus fast 19 Prozentpunkte). Ebenfalls klar nach oben zeigt die Kurve bei der Allianz Direct, der Nürnberger und der R+V24. Deutlich verbessert hat sich andererseits nur die Ergo (minus knapp fünf Prozentpunkte).

Nürnberger musste mehr für Großschäden zahlen

Die höhere kombinierte Schaden-Kosten-Quote bei der Nürnberger resultiert allein aus der deutlich erhöhten Schadenquote. Die Betriebskostenquote nahm nämlich um einen Prozentpunkt auf unter 25 Prozent ab. Damit weist das Unternehmen allerdings immer noch den vierthöchsten Wert unter allen im Branchenmonitor aufgelisteten Anbietern aus.

Bei den Quoten werden die jeweiligen Aufwendungen (brutto direkt) ins Verhältnis zu den verdienten Bruttoprämien (direkt) gesetzt.

Laut Geschäftsbericht 2019 (PDF, 2 MB) hatte die Nürnberger in Kfz-Haftpflicht „höhere Aufwendungen für Großschäden, aber auch einen allgemein schlechterern Schadenverlauf“ zu verzeichnen. Während die Einnahmen um etwa ein Fünftel auf 59,5 Millionen Euro zunahmen, stieg der Aufwand für Versicherungsfälle um weit über ein Viertel auf annähernd 50 Millionen Euro.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in der sonstigen Kraftfahrtversicherung. Dort sammelte das Unternehmen mit 48,6 Millionen Euro rund ein Siebtel mehr ein. Deutlich stärker wuchs der Schadenaufwand (plus annähernd ein Viertel auf 41,3 Millionen Euro. Dies führt die Gesellschaft auf gestiegene Elementarschaden-Aufwendungen sowie eine höhere Grundschadenlast zurück.

Provinzial Nord: Höherreservierung von Vorjahresschäden

Bei der Provinzial Nord geht der immense CR-Zuwachs bei einer nur leicht gestiegenen Betriebskostenquote fast ausschließlich auf die angewachsene Schadenquote zurück. Die Bruttoaufwendungen für Versicherungsfälle fielen mit 151,2 Millionen Euro um über ein Viertel höher aus als im Jahr zuvor. Dadurch erhöhte sich die Schadenquote von gut 69 auf fast 87 Prozent.

„Hauptgrund war die Höherreservierung von Vorjahresschäden“ in Kfz-Haftpflicht „aufgrund der Vereinheitlichung der Reservierungsstandards im PNW Konzern“ (26.2.2020, 17.7.2020, 5.10.2020), heißt es im Geschäftsbericht 2019 (PDF, 2,4 MB). Auch die Ausgaben für Geschäftsjahresschäden seien etwas höher ausgefallen.

Das Bruttoprämienvolumen wuchs moderat um circa ein Prozent auf 174 Millionen Euro.

Sonderfaktoren bei der Allianz Direct

Bei der Allianz Direct, die etwa 99,5 Prozent ihres Umsatzes mit Kfz-Policen einfährt, war die gestiegene Combined Ratio weniger stark auf die höhere Betriebskostenquote als auf die höhere Schadenquote zurückzuführen. Letztere wuchs um vier Prozentpunkte auf 89,4 Prozent (Position 46 von 50), Erstere nahm um drei Prozentpunkte auf über 20 Prozent (Rang 38) zu.

Bei dem Direktversicherer, der bis August 2019 noch als Allsecur Deutschland AG firmiert hatte (3.12.2018, 22.3.2019), schrumpfte das Prämienvolumen in der Sparte um etwa ein Siebtel auf 253,6 Millionen Euro. Hintergrund ist laut Geschäftsbericht 2019 (PDF, 827 KB) die Einstellung des Vertriebs über Vergleichsportale.

Die Betriebsaufwendungen nahmen um fast ein Zehntel auf annähernd 53 Millionen Euro zu. Der Anstieg dürfte in erster Linie auf Investitionen in den Aufbau eines europäischen Geschäftsmodells für die Direktversicherung im Zuge der Umfirmierung (13.8.2019) zurückzuführen sein.

R+V24 mit deutlich ausgebauten Vertriebsaktivitäten

Beitragsseitig genau andersherum verlief die Entwicklung bei der R+V24, die ebenfalls hauptsächlich im Autoversicherungs-Geschäft unterwegs ist. 99 Prozent der Bruttobeitragseinnahmen von fast 116 Millionen Euro stammen aus dieser Sparte.

„Primär“ infolge der „Wiederaufnahme der Geschäftsbeziehung zu einem Internetvergleichsportal“ hatte das Unternehmen laut Geschäftsbericht 2019 (3,6 MB) einen Beitragszuwachs um 37 Prozent zu verzeichnen.

Da der Schadenaufwand sich etwas stärker auf 104,4 Millionen Euro erhöhte, stieg die Schadenquote um knapp zwei Punkte auf 91 Prozent an. Dies entspricht dem zweithöchsten Wert unter den im Branchenmonitor aufgeführten Gesellschaften.

Die Betriebsaufwendungen wuchsen um fast zwei Drittel auf 20,6 Millionen Euro an. Dadurch erhöhte sich die Betriebskostenquote um drei Prozentpunkte auf 18 Prozent. Als Ursache hierfür nennt das Unternehmen im Geschäftsbericht den Ausbau der Vertriebsaktivitäten.

Ergo: Einnahmen wuchsen, Ausgaben verminderten sich

Bei der Ergo sank die Kosten- wie auch die Schadenquote um über zwei Prozentpunkte. Dabei standen steigende Einnahmen gesunkenen Ausgaben gegenüber. Das Prämienvolumen in Kfz-Haftpflicht wuchs mit 1,5 Prozent (auf 393 Millionen Euro) nur halb so stark wie im Geschäftsfeld „Sonstige Kfz“ mit über drei Prozent (auf 287 Millionen Euro).

Dabei sammelte das Unternehmen in Vollkasko (87 Prozent Anteil an den „Sonstigen“) fünf Prozent mehr und in Teilkasko über sieben Prozent weniger an Beiträgen ein.

Die Betriebsaufwendungen verminderten sich um 5,5 Prozent auf 192,8 Millionen – in etwa gleichverteilt auf die Segmente „Haftpflicht“ und „Sonstige“. Die Aufwendungen für Versicherungsfälle nahmen in Kasko zwar um fast 19 Millionen Euro auf 221 Millionen Euro zu. In Kfz-Haftpflicht reduzierten sie sich dafür um rund 22,5 Millionen Euro auf 312 Millionen.

Bei der Schadenquote rangiert das Unternehmen mit 78 Prozent an 16. Stelle und schneidet damit besser ab als die sieben anderen Wettbewerber mit sehr hohen Combined Ratios. Ganz anders bei der Betriebskostenquote: Hier bildet die Ergo trotz der aktuellen Verminderung wie in den beiden Vorjahren das Schlusslicht.

Überdurchschnittliche Schaden- und Betriebskostenquoten

Bei einem Blick auf die Schadenquoten fällt auf, dass die acht Gesellschaften mit den höchsten Combined Ratios fast durch die Bank zum Teil deutlich überdurchschnittliche Werte ausweisen. Der Durchschnittswert der aufgeführten Anbieter liegt bei 81,6 Prozent.

Kfz-Versicherung Schadenquoten (Bild: Wichert)

Ähnlich ist es bei der Betriebskostenquote, deren Schnitt mit 17,7 Prozent angegeben wird. Die acht Unternehmen mit deutlich mehr Schäden und Kosten als Einnahmen kommen auf Werte zwischen 17 Prozent und über 28 Prozent.

Kfz-Versicherung Betriebskostenquoten (Bild: Wichert)

Bei beiden Quoten zeigt die Kurve der aufgelisteten Akteure mehrheitlich zum Teil deutlich oben.

Weitere Studiendetails und Bezugsmöglichkeiten

Der „Branchenmonitor 2014-2019: Kraftfahrtversicherung“ enthält zahlreiche weitere Kennzahlen zum Versicherungszweig sowie Daten zur Bestandskundenanalyse.

Für die rund 200-seitige Version Kfz (Haftpflicht, Sonstige und Gesamt) werden inklusive Mehrwertsteuer 1.316 Euro fällig. Sie kann beim Studienverantwortlichen Clemens Wilde per E-Mail oder per Telefon unter 0341 24659265 bestellt werden.

Lesetipp: Das K-Geschäft zwischen satten Gewinnen und Vertriebsdruck
VersicherungsJournal-Dossier Ein Super-Jahr für die Kfz-Versicherung? (Bild: VersicherungsJournal)

Zur Wechselsaison geht es in der Kraftfahrtversicherung turbulent zu. Die Pandemie, aber auch der Wettbewerb um den Bestand spielen dabei eine wichtige Rolle. Zugleich tun sich neue Abschlusschancen auf.

VersicherungsJournal-Dossier Mit der Autoversicherung Geld verdienen (Bild: VersicherungsJournal)

Über die Marktlage und -perspektiven berichtet das VersicherungsJournal-Dossier „Ein Super-Jahr für die Kfz-Versicherung? – Zwischen satten Gewinnen und Vertriebsdruck: Über Tarife, Prämien und den Wettbewerb im Wechselgeschäft 2020/21“.

Wenig Lohn, viel Arbeit. So lässt sich die Kfz-Versicherung aus Vertriebssicht zusammenfassen. Vermittler könnten die Autoversicherung „links“ liegen lassen. Doch jeder Kunde ist und bleibt wertvoll.

Praxisbeispiele, wie die Sparte gewinnbringend anzupacken ist, liefert das VersicherungsJournal-Dossier „Mit der Autoversicherung Geld verdienen – Was möglich ist und nötig wäre: aktuelle Trends und Entwicklungen für den Vertrieb von Kfz-Versicherungen“.

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