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Flieger verpasst: Wenn 90 Minuten zu wenig sind

12.11.2019 – Ein Fluggast hatte sich nicht an die Empfehlungen in den Reiseunterlagen gehalten und war deswegen zu spät am Check-in-Schalter erschienen. Ihm steht deshalb keine Entschädigung wegen eines verpassten Fluges zu. Das geht aus einem am vergangenen Freitag veröffentlichten Urteil des Landgerichts Koblenz vom 18. Oktober 2019 hervor (13 S 38/19).

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Ein Mann hatte für sich und seine Ehefrau bei einem Reiseunternehmen eine Pauschalreise nach Indonesien gebucht. Dafür hatte er knapp 3.000 Euro bezahlt.

Verweigerter Flug

Der Hinflug sollte um 17.35 Uhr stattfinden. Nachdem das Pärchen sein Gepäck abgegeben hatte, begab es sich gut 90 Minuten vor Abflug zur Passkontrolle. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich dort jedoch schon etwa 400 Passagiere eingefunden, die von lediglich zwei Bundespolizisten kontrolliert wurden.

Das hatte zur Folge, dass der Reisende und seine Frau den Flugsteig erst gegen 17.30 Uhr erreichten. Dort wurde ihnen der Zustieg in das Flugzeug verweigert, da das Check-in bereits abgeschlossen sei. Gleichzeitig wurde ihr Gepäck aus dem Flieger wieder ausgeladen.

Der Reiseveranstalter bot den Eheleuten gegen Zuzahlung eines Betrages von 1.640 Euro einen Ersatzflug an. Dieses Angebot lehnte der Urlauber aus Kostengründen ab. Ihm wurde in der Folgezeit daher ein Stornobetrag von 560 Euro erstattet.

Niederlage in zweiter Instanz

Den restlichen für die Reise bezahlten Betrag machte der Mann gerichtlich gegenüber dem Reiseunternehmen geltend. Denn weil schon der Hinflug nicht erbracht worden sei, sei die gesamte Reiseleistung mangelhaft gewesen.

Dieser Argumentation schloss sich das in erster Instanz mit dem Fall befasste Amtsgericht Westerburg an. Die Unterbesetzung der Bundespolizei sei der Firma zuzurechnen. Auf dessen Verschulden komme es nicht an. Das Amtsgericht gab der Klage daher in vollem Umfang statt.

Zu Unrecht, urteilte das in zweiter Instanz mit dem Fall befasste Koblenzer Landgericht. Es gab der Berufung des Reiseunternehmens statt.

Sache des Klägers

Die Richter stimmten zwar mit dem Amtsgericht darin überein, dass ein Veranstalter in Fällen wie dem des Klägers auch ohne eigenes Verschulden für Reisemängel hafte. Das gelte allerdings nicht, wenn sich ein allgemeines Lebensrisiko verwirklicht oder ein Reisender einen Mangel selbst verschuldet habe.

Von Letzterem ging das Gericht aus. Das Unternehmen hatte dem Urlauber in den Reiseunterlagen nämlich empfohlen, spätestens zwei Stunden vor Abflug am Check-in-Schalter zu erscheinen.

Der Mann hatte zwar behauptet, diese Information nicht erhalten zu haben. Trotzdem wäre er nach Meinung der Richter dazu verpflichtet gewesen, sich zum Beispiel bei dem Betreiber des Flughafens über die Abflugformalitäten zu informieren. Dieser wiederum hatte die Empfehlung ausgesprochen, dass sich die Passagiere mindestens zwei bis drei Stunden vor Abflug am Check-in-Schalter einfinden sollten.

Dieser Empfehlung sei der Kläger nicht gefolgt. Er habe damit das Risiko in Kauf genommen, dass nicht ausreichend Zeit für die Abflugformalitäten blieb. Ihm stehe folglich kein Anspruch auf Zahlung von Schadenersatz durch den Reiseveranstalter zu. Das Urteil ist mittlerweile rechtskräftig.

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