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PKV-Verband kennt die Zahl der Pflege-Zusatzversicherten nicht

13.10.2020 – Nach Angaben der Organisation haben inzwischen 3,77 Millionen Menschen eine Pflege-Zusatzpolice. Jene Versicherte, die gleichzeitig eine ungeförderte und eine geförderte Versicherung besitzen, werden allerdings doppelt gezählt. Wie viele das sind, weiß der PKV-Verband nicht. Zudem werden Versicherungen und Versicherte gleichgesetzt. Je nach Vertragsform stieg die Zahl der Versicherten im vergangenen Jahr zwischen 2,5 und 4,5 Prozent und die Beiträge zwischen 5,5 und 6,4 Prozent.

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„Das Interesse der Deutschen an der privaten Pflegevorsorge ist auch 2019 gestiegen. Die Pflege-Zusatzversicherung verzeichnet einen moderaten Anstieg auf insgesamt 3,77 Millionen Versicherungen. Davon entfielen 917.500 Versicherungen auf die staatlich geförderte Pflege-Zusatzversicherung – den sogenannten Pflege-Bahr (plus 4,5 Prozent).

Die Zahl der ungeförderten Verträge stieg um 2,5 Prozent auf 2,85 Millionen.“ Die Gesamtzahl der geförderten und ungeförderten Verträge habe seit 2013 um über 70 Prozent zugelegt. Das schreibt der Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband) seit dem 6. Oktober auf seiner Internetseite.

Anzahl Versicherte (Bild: PKV-Verband)
Anzahl Versicherte (Bild: PKV-Verband)

Zudem rechnet der Verband vor, dass 3,77 Millionen Menschen eine Pflege-Zusatzversicherung abgeschlossen hätten, das wären 4,6 Prozent der 82 Millionen Pflege-Pflichtversicherten.

Versicherungen sind für den PKV-Verband keine Verträge

Nach diesen Angaben stimmen die Zahl der Versicherungen und die Zahl der Versicherten überein. Das ist verwunderlich, da in manchen Versicherungen mehrere Personen versichert sind.

Auf Nachfrage erklärt der PKV-Verband, dass mit Versicherungen nicht die Versicherungsverträge gemeint sind, sondern die versicherten Personen. Die Anzahl der Policen werde gar nicht erfasst und daher könnten keine Vertragszahlen genannt werden.

Dominik Heck, Teamleiter Newsroom, ergänzte: „Ob die meisten Menschen unter ‚Versicherung‘ tatsächlich einen ‚Versicherungsvertrag‘ verstehen, möchte ich nicht beurteilen. Mir fallen Beispiele ein, in denen dies nicht der Fall sein dürfte. Ihren Hinweis nehmen wir dennoch gerne auf. Natürlich wollen wir bei der Veröffentlichung unserer Branchenzahlen möglichst eindeutige Aussagen treffen und nicht für Verwirrung sorgen.“

Pflege-Bahr-Versicherte werden teilweise doppelt gezählt

Der Verband nannte dem VersicherungsJournal, welche Vertragsformen die Versicherten gewählt haben. Die 2.852.400 Personen mit ungeförderten Verträgen haben 2.643.800 Pflegetagegeld-Tarife und 366.800 Pflegekosten-Tarife abgeschlossen. Die Summe der Tagegelder und Kostentarife ist 3.010.600. Demnach haben sich 158.200 Personen für beide Versicherungsformen entschieden.

Beim Pflege-Bahr rechnet der PKV-Verband anders. Hier werden alle Versicherten separat gezählt, auch jene, die zudem eine ungeförderte Variante besitzen. Die von der Organisation genannte Zahl von 3,77 Millionen Pflegeversicherten stimmt also nicht, da die Mehrfach-Versicherten nicht berücksichtigt wurden. Demzufolge stimmt auch nicht, dass 4,6 Prozent der Pflege-Pflichtversicherten eine Zusatzpolice besitzen.

Dazu wird auf Nachfrage erläutert: „Der Verband hat keine Informationen darüber, ob und wie viele Versicherte mit einer geförderten Pflege-Zusatzversicherung zusätzlich noch eine ungeförderte Zusatzversicherung abgeschlossen haben.“ Der Sprecher bestätigte, dass diese Methode seit 2013 durchgängig so angewandt wurde.

Surminski beklagt Zahlennebel

Heck ergänzte: „Diese Unschärfe können wir nicht ändern. Wir denken jedoch darüber nach, zukünftig einen entsprechenden Hinweis als Fußnote in unsere Meldungen aufzunehmen.“

Die Informationspolitik der Organisation war kürzlich von Dr. Marc Surminski, Chefredakteur der Zeitschrift für Versicherungswesen (ZfV), kritisiert worden:

„2019 war […] ein Jahr des Zahlennebels. Es gibt bis Ende September noch keine Verbandszahlen zur Geschäftsentwicklung der PKV im Vorjahr. Stattdessen sind Kunden, Vermittler, Politiker und Medien auf die Hilfe von externen Rating-Agenturen, Analysten und Journalisten angewiesen. […] Die Branche liefert damit kein gutes Beispiel für Transparenz.“

Er selbst hat die Entwicklung der Pflege-Bahr-Versicherten bei den einzelnen Anbietern durch eine Umfrage erfasst (VersicherungsJournal 7.10.2020).

Beitragseinnahmen steigen

Auf Anforderung teilte der Verband auch die Entwicklung der Beitragseinnahmen in diesem Segment mit.

Die ungeförderte Pflegezusatz-Versicherung wuchs demnach in 2019 um 6,4 Prozent auf 1,176 Milliarden Euro. Die geförderte Pflegezusatz-Versicherung legte gleichzeitig um 5,5 Prozent auf 308 Millionen Euro zu.

Somit sind die Prämien stärker gestiegen als die Zahl der Versicherten. Experten rechnen mit einem zweistelligen Anstieg der Beiträge und einer Kündigungswelle (9.10.2020).

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