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PKV-Vollversicherung: Debeka holt ein Viertel des Neugeschäfts

27.11.2019 – Weit mehr als ein Viertel des gesamten Bruttoneuzugangs in der Krankenvollversicherung geht an die Debeka. Zusammen mit Hansemerkur, Signal Iduna und Continentale entfällt über die Hälfte des Neugeschäfts auf nur vier Anbieter. Dies zeigt die Analyse „Die PKV im Jahre 2018“ in Heft 19/2019 der Zeitschrift für Versicherungswesen (ZfV).

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Zwischen 2011 und 2018 ist die Zahl der Krankenvollversicherten kontinuierlich auf zuletzt nur noch 8.753.600 zurückgegangen. Das Minus belief sich in diesem Zeitraum nach Daten des Verbandes der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband) auf rund 240.000 Personen. Das entspricht einem Rückgang um 2,7 Prozent (VersicherungsJournal 18.7.2019).

Bruttoneuzugang versus Versicherungspflicht-Grenze

Innerhalb dieser sieben Jahre hat sich der Bruttoneuzugang um mehr als die Hälfte auf zuletzt 285.000 Personen vermindert (14.6.2019). Hierzu zählt der PKV-Verband alle Personen, die eine Krankenvollversicherung neu abgeschlossen haben.

Im Gegensatz zur Wanderungsbewegung seien dort deshalb auch die Zugänge durch Geburten und Wechsel aus anderen PKV-Unternehmen enthalten. Nicht berücksichtigt würden jedoch die Abgänge durch Kündigung des Versicherungsschutzes oder Tod.

Auch wenn es in den vergangenen drei Jahren wieder leicht aufwärts ging, so ist die Reduzierung alles in allem insbesondere der jährlich gestiegenen Versicherungspflicht-Grenze geschuldet. Diese erhöhte sich im Betrachtungszeitraum um annähernd 10.000 Euro beziehungsweise ein Fünftel auf 59.400 Euro. Für das kommende Jahr liegt sie bereits bei 62.550 Euro (10.10.2019).

Das Neugeschäft ist keine Pflichtangabe

Wie sich das Bruttoneugeschäft auf Ebene der einzelnen Anbieter entwickelt hat, ist nirgendwo offiziell nachzulesen. Denn dies müssen die privaten Krankenversicherer in ihren Geschäftsberichten nicht ausweisen. Und die große Mehrheit der Marktteilnehmer tut dies auch nicht.

An dieser Stelle kann ein Blick in die Zeitschrift für Versicherungswesen (ZfV) weiterhelfen. (14.6.2019). Für die Analyse „Die PKV im Jahre 2018“ in Heft 19/2019 der Publikation haben immerhin 24 in der Vollversicherung tätige Unternehmen Zahlen gemeldet. Das entspricht rund drei Vierteln des Gesamtmarktes.

Keine Daten lieferten neben der in Sachen Geschäftszahlen generell wenig mitteilsamen Ottonova Krankenversicherung AG (Medienspiegel 20.11.2019) auch

„Transparenz sieht anders aus“

„Aus der Entwicklung ihres Neugeschäftes machen einige Versicherer noch immer ein Geheimnis und melden die entsprechenden Zahlen für diese Untersuchung nicht“, merkt ZfV-Chefredakteur Dr. Marc Surminski in der Analyse an.

Transparenz sieht anders aus, und jeder externe Beobachter kann sich hier seinen Teil denken, wenn er die schrumpfenden Bestandszahlen betrachtet.

ZfV-Chefredakteur Dr. Marc Surminski im ZfV-Heft 19/2019

Man könne davon ausgehen, dass sie unterdurchschnittlich sind. Nach seiner Meinung sieht Transparenz anders aus. Jeder externe Beobachter könne sich seinen Teil denken, wenn er die schrumpfenden Bestandszahlen betrachtet.

Sehr heterogene Entwicklung

Die Entwicklung des Neuzugangs beschreibt Surminski als „noch heterogener als die Beitrags- (5.8.2019) und Bestandsentwicklung. Seit Jahren dominieren eine Handvoll von Versicherern mit kräftigen Wachstumszahlen in der Vollversicherung den Markt.“

PKV Vollversicherung Neugeschäft 2018 - Teil 1 (Bild: Wichert)

An erster Stelle liegt mit fast 80.900 neu akquirierten Vollversicherten der Debeka Krankenversicherungs-Verein a.G. Dahinter folgen die die Hansemerkur Krankenversicherung AG, die Signal Iduna Krankenversicherung a.G. und die Continentale Krankenversicherung a.G. mit zwischen knapp 25.000 und gut 17.000 Neueintritten in die Vollversicherung.

Einen so gerade eben fünfstelligen Neuzugang verzeichneten ferner die Huk-Coburg-Krankenversicherung AG und die Allianz Private Krankenversicherungs-AG. Knapp darunter blieben die DKV Deutsche Krankenversicherung AG und die Barmenia Krankenversicherung AG.

PKV Vollversicherung Neugeschäft 2018 - Teil 2 (Bild: Wichert)

„Keine gesunde Entwicklung“

Allein auf die Debeka entfällt somit weit über ein Viertel des gesamten Neuzugangs. Rechnet man noch die drei ärgsten Verfolger der Koblenzer – Hansemerkur, Signal Iduna und Continentale – hinzu, so liegt der Anteil sogar bei über der Hälfte. Und das auf gerade einmal vier Gesellschaften verteilt.

Für Surminski steht fest: „Das ist keine gesunde Entwicklung für eine Branche. Ausblutende Bestände auf der einen Seite und stark steigendes Neugeschäft auf der anderen Seite werfen Fragen auf, ob die PKV als Branche ihre Balance verloren hat.“

Wer seit Jahren nur unterdurchschnittlich wachse, müsse sich zudem fragen lassen, wie seine Zukunft aussieht. Denn bei Betrachtung der Top-Gesellschaft zeige sich, dass starkes Wachstum in der Vollversicherung möglich sei.

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