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Versicherungswirtschaft lehnt „Laumann-Rente“ ab

6.11.2019 – Nach den Plänen der CDA sollen Arbeitnehmer zu einer ergänzenden Vorsorge verpflichtet und ihnen eine preiswerte aktienbasierte Anlage ohne Garantien in öffentlicher Trägerschaft angeboten werden. Die Verbände GDV und BVK sind gegen das Vorhaben. Auch die Zuschriften der VersicherungsJournal-Leser sind überwiegend ablehnend.

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Am Wochenende war ein Vorschlag der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) zur staatlich geförderten privaten Altersvorsorge in Deutschland bekannt geworden, der auf dem CDU-Parteitag Ende November zur Abstimmung gestellt werden soll.

Karl-Josef Laumann (Bild: Olaf Konsinsky, CC BA-SA 3.0)
Karl-Josef Laumann
(Bild: Olaf Konsinsky, CC BA-SA 3.0)

Demnach will der von NRW-Wirtschaftsminister Karl-Josef Laumann geführte Sozialflügel der Christdemokraten die Arbeitnehmer zu einer ergänzenden Vorsorge verpflichten und als zusätzlichen Durchführungsweg ein staatlich organisiertes Standard-Anlageprodukt etablieren.

Das hatte die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet (VersicherungsJournal 4.11.2019).

Diese „Laumann-Rente“ reiht sich in eine Reihe teils ähnlicher Ideen wie der „Deutschlandrente“ (30.4.2018) oder dem „Vorsorgekonto“ (17.1.2019) ein.

GDV lehnt den Vorschlag ab

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) hat sich gegen den CDA-Vorstoß ausgesprochen:

„Der Vorschlag einer spekulativen Staatsrente geht an den Bedürfnissen der Menschen vorbei. Alle Umfragen belegen, dass Sicherheit für die Deutschen das wichtigste Kriterium bei ihrer privaten Altersversorgung ist. Wer Bürger zwangsweise auf die Aktienanlage für die Altersvorsorge festlegt, muss ihnen nach dem nächsten Börsencrash erklären, was mit ihrem Ersparten passiert ist und was das für ihre Rente bedeutet.“

Dass die Bürger zur Aktienanlage gezwungen würden, lässt sich aus den Berichten über den Parteitagsantrag allerdings nicht ableiten. Darin wird nämlich ausdrücklich vorgesehen, andere Durchführungswege wählen zu können.

Die von der CDA angepeilten 0,2 Prozent Verwaltungskosten hält der GDV für „reines Wunschdenken“. Wer so rechne, blende den Aufwand für Beitragseinzug, Zulagenverwaltung, Kapitalanlage und spätere Auszahlung et cetera vollkommen aus.

Auch der BVK ist dagegen

Michael H. Heinz (Bild: Meyer)
Michael H. Heinz (Bild: Meyer)

Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute e.V. (BVK) kritisiert die „Laumann-Rente“ als „bevormundend und unangemessen“.

Wie der Versichererverband geht auch der BVK davon aus, dass entgegen der Berichterstattung in der FAZ die Arbeitnehmer zur Aktienanlage gezwungen werden sollen. Das zeigt die Stellungnahme von Michael H. Heinz, dem Präsidenten des Vermittlerverbandes:

„Wenn alle Arbeitnehmer von ihren Nettolöhnen noch Sparbeiträge in ein Standardprodukt ohne Wahlfreiheit einzahlen sollen, ist das ziemlich dirigistisch. Außerdem ist es nicht sachgerecht, die Altersvorsorge der Volatilität der Aktienmärkte zu überlassen.“

Ein staatlich verordnetes Standardprodukt ignoriere zudem die sozialpolitische Aufgabe der Versicherungsvermittler.

Leser überwiegend ablehnend

Auch die Kommentare aus der Leserschaft des VersicherungsJournals sind überwiegend ablehnend zu den CDA-Vorschlägen.

So schreibt Leserin Nicola Kerler in ihrem Leserbrief: „Eine staatlich verpflichtende Altersvorsorge würde bedeuten, dass die heute staatlich geförderten Altersvorsorge-Produkte dahinschmelzen, weil das dann nicht mehr nachgefragt wird, mit dem Ergebnis, dass Steuerausfälle vermieden und wieder mehr Steuereinnahmen generiert werden.“

Sie schlägt vor. „Wie wäre es denn damit, die Einkommensteuer um vier Prozent zu reduzieren und den eingesparten Teil als verpflichtende Altersvorsorge zu verwenden? Das wäre dann auch ein Indiz dafür, dass es dem Staat wirklich um die Alterssicherung geht.“

Leserin Gabriele Fenner kommentiert: „Anstatt die gesetzliche Rente zu stärken und eine breite Beitrags-Verbindlichkeit für alle Einkunftsarten zu schaffen, wird mal wieder nach Lösungen gesucht, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in die Verpflichtung nehmen.“

Spekulationen über die Erfolgsaussichten

Zu den Erfolgsaussichten der „Laumann-Rente“ erklärte BVK-Chef Heinz. „Ich kann mir daher derzeit nicht vorstellen, dass die CDU als Partei der Markwirtschaft und Freiheit das auf ihrem Parteitag beschließen wird.“

Nach Angaben der FAZ stößt der Vorschlag des Sozialflügels auch in anderen Gliederungen der Partei auf Sympathie. Der Wirtschaftsrat, eine Unternehmervereinigung, unterstütze den Ansatz, wenn auch mit erheblichen Einwänden im Detail.