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Wirtschaftskriminalität: GDV warnt vor Tabuthema Mitarbeiter

5.9.2019 – Nach Einschätzung des Versicherer-Verbandes werden jährlich etwa fünf bis zehn Prozent der Unternehmen Opfer krimineller Mitarbeiter. Die Vertrauensschaden-Versicherung führe ein eher unbeachtetes Dasein. Dennoch wurden im vergangenen Jahr rund 2.400 Schäden mit rund 225 Millionen Euro Volumen gemeldet. Fast zwei Drittel der Fälle seien von internen Mitarbeitern verursacht worden.

Die Vertrauensschaden-Versicherung führt ein eher unbeachtetes Dasein, obwohl jährlich nach Einschätzung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) etwa fünf bis zehn Prozent der Unternehmen Opfer krimineller Mitarbeiter werden.

Sichtbar sei nur die Spitze des Eisbergs, sagte Rüdiger Kirsch, Vorsitzender der GDV-Arbeitsgruppe Vertrauensschaden-Versicherung und Betrugsexperte bei Euler Hermes, am Mittwoch vor der Presse in Berlin.

Schäden Vertrauensschaden-Versicherung (Bild: GDV)

Im vergangenen Jahr wurden rund 2.400 Taten mit Schäden über rund 225 Millionen Euro gemeldet. Fast zwei Drittel der Fälle seien von internen Mitarbeitern verursacht worden, die für 75 Prozent der Schäden verantwortlich seien. Kriminelle Beschäftigte würden ihren Arbeitgeber im Durchschnitt um 115.000 Euro schädigen, sagte Kirsch.

Täter machen sich Vertrauensvorschuss zunutze

Rüdiger Kirsch (Bild: Brüss)
Rüdiger Kirsch (Bild: Brüss)

Der GDV wolle jetzt Licht in das „Tabuthema Innentäter“ bringen. Weil die Belegschaft in der Regel einen Vertrauensvorschuss genieße und die Sicherheitslücken im Betrieb kenne, könnten interne Täter ihre Arbeitgeber in aller Regel um hohe Beträge schädigen.

Von daher würde eine Vertrauensschaden-Versicherung für Unternehmen Sinn machen; das Prämienvolumen von rund 250 Millionen Euro im Jahr sei aber vergleichsweise gering, sagte Kirsch.

Das Markvolumen teilen sich im Wesentlichen fünf Versicherer. Euler Hermes selbst habe in den letzten vier Jahren 65 Fälle mit einem Schadenvolumen von über 165 Millionen Euro bearbeitet.

„Anfangs waren es noch Einzelfälle, inzwischen sind es durchschnittlich etwa 20 Fälle pro Jahr“, sagte der Experte.

Wenn grenzenloses Vertrauen kriminell ausgenutzt wird

Insbesondere mittelständische Unternehmen seien viel zu sorglos. Eigentlich sollte ein striktes Vier-Augen-Prinzip in jedem Unternehmen gelten. Wenn grenzenloses Vertrauen missbraucht werde, dann könne es für den Arbeitgeber teuer werden.

Kirsch verwies beispielhaft auf eine Co-Geschäftsführerin in einem mittelständischen Unternehmen der chemischen Industrie, die in alleiniger Verantwortung die Buchhaltung geführt habe. Um ihre „Kaufsucht“ befriedigen zu können, habe sie in zwölf Jahren 750.000 Euro für sich abgezweigt.

Ihre Vorgehendweise sei durch „blindes Vertrauen“ der Geschäftsleitung in die langjährige Mitarbeiterin begünstigt worden, sagte Kirsch. Auffällig sei gewesen, dass sie immer präsent gewesen sei und kaum Urlaub genommen habe. Aufgeflogen sei die Mitarbeiterin durch den Wechsel des Wirtschaftsprüfers und durch eine längere krankheitsbedingte Abwesenheit.

Gutes Compliance-Management bietet doppelten Schutz

Jesko Trahms (Bild: Brüss)

Für den auf Wirtschaftsstrafsachen spezialisierten Fachanwalt Jesko Trahms von der BDO Legal Rechtsanwaltsgesellschaft mbH wäre es für die Unternehmen geboten, effektive und wirksame Kontrollsysteme aufzubauen und sensible Bereiche doppelt abzusichern.

Auch er mahnte das Vier-Augen-Prinzip an. „Ein funktionierendes Compliance-Management bedeutet für Unternehmen doppelten Schutz“, sagte der Jurist.

Zum einen würden kriminelle Machenschaften erschwert und zum anderen würden Geschäftsführer und Vorstände von etwaigen Haftungsansprüchen entlastet.

Nach seinen Erfahrungen ist in der Regel bei kriminellen Mitarbeitern nach deren Entlarvung kein Geld mehr zu holen.

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