Nachricht

Bafin bremst DFV bei betrieblicher Pflege ab

7.1.2021 – Die Deutsche Familienversicherung ist aus dem mit Barmenia und R+V für die Pflege-Absicherung für die Chemie-Branche gebildeten Konsortiums ausgeschieden. Stattdessen wird nur noch eine Rückversicherung übernommen. Dadurch wird das Risiko reduziert.

WERBUNG

Die R+V Krankenversicherung AG und die Barmenia Krankenversicherung AG werden das Konsortium für die tarifliche, arbeitgeberfinanzierte Pflege-Absicherung für die Chemie-Branche („CareFlex Chemie“) paritätisch führen. Die Deutsche Familienversicherung AG scheidet nach einer „intensiven Kommunikation mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) zum Nachweis einer ausreichenden Sicherheit bei der Kalkulation des Rechnungszinses“ als Konsorte aus.

Familienversicherung als Rück- statt Erstversicherer

Geplanter Versicherungsbeginn von „CareFlex Chemie“ ist der 1. Juli 2021 (VersicherungsJournal 25.11.2019). Für die Kunden und Partner soll sich nach Unternehmensangaben durch die Änderung der Konsortialpartner nichts ändern. Die R+V Kranken bleibt geschäftsführender Konsortialführer, die Barmenia Kranken übernimmt die Konsortialführerschaft für Produkt und Bestandsführung.

Die bundesweit erste tarifliche Pflege-Absicherung für eine ganze Industriebranche beruht auf einer Idee der DFV. Sie war mit 35 Prozent am Konsortium beteiligt, muss sich aber nun aus risikotechnischen Gründen mit einer kleineren Aufgabe begnügen.

Man werde mit der Barmenia einen Rückversicherungs-Vertrag abschließen, wird mitgeteilt. Zudem wird die DFV nicht mehr für die IT-technische Umsetzung verantwortlich sein.

Die Gründe und Folgen

Stefan M. Knoll (Bild: DFV)
Stefan M. Knoll (Bild: DFV)

Die Erklärungen der DFV lassen den Schluss zu, dass man sich beim CareFlex-Tarif verrechnet hat – zumindest im Hinblick auf den pandemiebedingten Konjunkturabschwung. „Fachleute prognostizieren eine dritte Infektionswelle und eine „Herdenimmunität“ kann nicht vor 2022 erwartet werden“, teilt der Versicherer mit.

Vor diesem Hintergrund erscheine die überproportionale Steigerung des Kapitalanlagevolumens um jährlich 50 Millionen Euro für zu risikoreich und nicht mehr vertretbar für die Größe der DFV.

Als Rückversicherer trage man nicht mehr das Risiko der Kapitalanlage, sondern nur noch die versicherungs-technischen Risiken, die keinen Einflüssen durch Corona-Pandemie oder deren wirtschaftliche Folgen unterlägen.

DFV erwartet Verlust

Die DFV hatte das Konsortiums-Geschäft fest in ihren ehrgeizigen Wachstumsplänen einkalkuliert (VersicherungsJournal 20.3.2020). Der ursprünglich geplante Bestandszuwachs von brutto 70 Millionen Euro 2021 lasse sich nun nicht mehr realisieren.

Gerechnet wird jetzt in der Rolle des Rückversicherers mit 40 Millionen Euro – und mit einem Jahresfehlbetrag. Einen solchen hatte Firmenchef Dr. Stefan M. Knoll allerdings auch schon Ende März für möglich gehalten.

Nun heißt es, dass durch Abgeben der Verantwortung für die Abwicklung der dafür kalkulierte finanzielle Ausgleich entfalle, dem allerdings nun auch keine zusätzlichen Aufwendungen gegenüberstünden. Man werde sich auf das Kerngeschäft konzentrieren.

WERBUNG