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Gefion: Dramatische Regulierungsprobleme in Deutschland

8.11.2019 – Wer einen unverschuldeten Unfall mit einem Autofahrer hat, der bei der dänischen Gefion Insurance A/S haftpflichtversichert ist, muss sich auf eine lange Wartezeit einrichten. Die Bearbeitung von Schäden in Deutschland ist ins Stocken geraten. Die deutsche Versicherungsaufsicht ist bereits in den Fall involviert. Die dänische Aufsicht hatte bei einer Prüfung eine Unterdeckung festgestellt.

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Über drei Monate wartet die Familie Modjesch auf ihr Geld. Nach einem unverschuldeten Autounfall wenden sich die Geschädigten an den für die dänische Gefion Insurance A/S zuständigen Schadenregulierer A-I-S Wild Assekuranzmakler GmbH. Der Assekuradeur reagiert nicht – auch nicht auf Anrufe.

Günther Modjesch ist vom Fach. Er arbeitet im bayerischen Forstern als unabhängiger Finanz- und Versicherungsvermittler. „Im März haben wir endlich das Geld auf Basis des Gutachtens erhalten. Nun ist nur noch die Unkostenpauschale offen“, sagt Modjesch. Auf dieses Geld dürfte er wohl noch lange warten.

Assekuradeur stellt Regulierung ein

Wie aus einem von Modjesch übermittelten Schreiben des Versicherers hervorgeht, hat A-I-S-Wild die Schadenregulierung eingestellt. Im Schreiben werden schwere Vorwürfe gegen den Makler erhoben. So habe er einseitig entschieden, dass Gefion in seiner Zentrale künftig die Schadenregulierung übernehmen soll.

„Und dies obwohl AIS WILD bewusst ist, dass im Büro Kopenhagen niemand Deutsch spricht, noch entsprechend Kapazitäten vorhanden sind, um Schäden zu regulieren“, so der Versicherer. Der Geschäftsführer des Assekuradeurs, Marco Wild, war auf Anfrage des VersicherungsJournals nicht zu einer Stellungnahme bereit.

Weiterhin Werbung für Gefion

Aus dem Unternehmen teilte man uns jedoch mit, dass der Brief von Gefion bekannt ist und die Vorwürfe nicht berechtigt seien. Dennoch wirbt Wild auf seiner Homepage weiterhin mit dem Hinweis: „A-I-S Gefion – Kfz-Versicherungen neu definiert! Clever, gut und günstig versichern? Dann sind Sie bei uns genau richtig!“

Angeboten werden individuelle Lösungen vom privaten bis zum gewerblichen Kraftfahrt-Geschäft. Nach Einschätzung des Versicherungsmaklers Modjesch sind solche scheinbaren Billigangebote nun die Ursache für das Regulierungsdilemma.

Aus dem Schreiben des Versicherers geht hervor, dass nun die Crawford & Company Deutschland GmbH für die Regulierung der Schäden für ihn tätig ist. Auf mehrfache Anfrage des VersicherungsJournals reagierte die für Deutschland zuständige Geschäftsführerin Andrea Fregona nicht.

Große Kfz-Selbstfahrer-Vermieter involviert

Unklar ist, wieviel Kfz-Versicherungsverträge für die Dänen in Deutschland abgeschlossen wurden. Der Versicherungsmakler A-I-S-Wild führt über 100 Websites im Netz. Im Bereich Versicherungen werden vor allem gewerbliche Flotten beworben, etwa mit den Adressen Firmen-pkw-versicherung.de oder Kfz-flotte.com.

Nach Aussage aus einer verlässlichen Quelle ist ein großer Selbstfahrervermieter Kunde von Gefion in Deutschland. Auf der Homepage des Fahrzeugvermieters werden allein für Deutschland über 150 Mietstationen angegeben.

Auf eine Anfrage des VersicherungsJournals reagierte das Unternehmen nicht. Laut der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) sind die Skandinavier im Wege des freien Dienstleistungsverkehrs in Deutschland tätig. Sie unterliegen dabei auch der Rechtsaufsicht durch die Bafin.

Deutsche kooperieren mit dänischer Aufsicht

„Die Situation der Gefion Insurance A/S beziehungsweise ihrer deutschen Kooperationspartner bei der Schadenregulierung ist uns bekannt“, erläuterte ein Sprecher auf Anfrage. Die Bafin stehe in diesem Zusammenhang in engem Kontakt mit der zuständigen dänischen Aufsichtsbehörde, um das Auftreten von Missständen zu klären und zu beheben.

Die Danish Financial Supervisory Authority hat nach einer Inspektion den Versicherer wegen Problemen bei der Führungsstruktur gerügt und Anordnungen getroffen, um die Solvenz des Versicherers wieder über die 100-Prozent-Marke zu bringen.

Dazu schreibt das Unternehmen auf seiner Homepage: „Gefion ist mit der Entscheidung über die Einführung einer Kapitalaufstockung nicht einverstanden und wird Schritte unternehmen, um gegen die Entscheidung Einspruch einzulegen.“