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One: „Wir sind nicht auf das Direktgeschäft angewiesen“

14.8.2019 – Die One Versicherung legt nach zwei Jahren am deutschen Markt erste Ergebnisse auf den Tisch: Bisher haben knapp 100.000 Kunden über das Insurtech 130.000 Verträge abgeschlossen. Bis zum Jahresende will das Unternehmen die Verkaufszahl fast verdoppeln und dafür seine Vermittlerbasis ausbauen.

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Die junge One Versicherung AG (VersicherungsJournal 2.2.2018, 19.9.2017) zog jetzt ein erstes Fazit zu ihrer Geschäftstätigkeit. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen in Deutschland bisher über 130.000 Policen verkauft (Stand: Ende Juli 2019). Die aktuelle Kundenzahl gibt die Gesellschaft mit knapp 100.000 an.

Oliver Lang (Bild: One)
Oliver Lang (Bild: One)

„52 Prozent der verkauften Versicherungen entfallen auf die Sparte Haftpflicht und 48 Prozent sind Hausrat-Verträge“, erklärt Oliver Lang gegenüber dem VersicherungsJournal. Der Manager ist seit Juni neuer CEO der Gesellschaft und Nachfolger von Gründer und Vorstandschef Stephan Ommerborn (22.5.2019),

Das Unternehmen beschäftigt derzeit 45 Mitarbeiter und gehört zur unter der Marke Wefox Group auftretenden Financeapp AG.

Ziel 2019: Verkauf von 250.000 Policen

2019 will der digitale Sachversicherer insgesamt 250.000 verkaufte Versicherungen vorweisen. Monatlich kommen derzeit über 30.000 Vertragsabschlüsse dazu, so One.

Noch in diesem Jahr sollen neue Tarife in den deutschen Markt gebracht werden. „Wir haben mehrere Lizenzen bei der Finanzaufsicht beantragt. Das heißt, wir werden in diesem Jahr noch drei weitere Produkt-Kategorien in Deutschland einführen“, erklärt Lang.

Situative Tarife im Aufbau

Im April testete der Anbieter mit einer Auslands-Diebstahl-Versicherung ein erstes situatives Produkt bei seinen Bestandskunden. 15.000 von ihnen konnte der Versicherer für den speziellen Reisezeitraum der Klientel erreichen.

Das soll aber erst der Anfang für Kurzzeit-Tarife unter dem Namen „Travel Light“ sein. Eine Versicherungs-App auf Basis von Geodaten soll den Ausbau dieser Policen vorantreiben. Hinter dem Projekt steht die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG (11.3.2019).

Derzeit führe One auch Gespräche mit der Deutschen Bahn AG zu diesem Angebot.

One will 1.000 Vermittler ins Boot holen

Als „stärksten Wachstumstreiber“ für das Unternehmen sieht Lang die Zusammenarbeit mit Maklern. Derzeit arbeite der Versicherer mit „mehreren hundert Vermittlern“ zusammen. „Ende des Jahres würden wir gerne auf bis zu 1.000 Partner kommen“, so der Vorstandschef.

Den Vertrieb über Makler sieht Lang auch als Wettbewerbsvorteil: „90 Prozent der deutschen Verbraucher schließen Sachversicherungen nicht ohne kompetente Beratung durch einen Versicherungsexperten ab. Diese Zahl steht seit Jahren und gilt auch für junge Kunden.“

Seiner Ansicht nach werde das so bleiben. Der Knackpunkt für Vermittler in diesem Bereich sei der Verdienst. „Die Courtage in diesem Segment ist gering. Das heißt für uns, dass wir hier zwei Welten unter einen Hut bringen müssen: die Interessen der Makler und die der Verbraucher.“

Makler mit Privatkunden-Bestand im Visier

Für eine Kooperation will Lang „Makler mit einem ordentlichen Privatkunden-Bestand“ adressieren. Im Gegenzug biete One den Partnern „eine effiziente Bearbeitung mit wenig Aufwand für eine wiederkehrende Courtage“.

Als Beispiel nennt der Vorstandschef die Vereinfachung der Produkte. „Wir können heute schon 99,98 Prozent der Anträge automatisch bearbeiten und der Makler hat sofort die Police auf dem Bildschirm und kann sie per Knopfdruck an den Kunden versenden.“ Bei der Schadenmeldung durch den Kunden oder Vermittler würden über 60 Prozent der Anzeigen bereits am gleichen Tag bearbeitet.

White-Label-Angebot für Vermittler

Außerdem will der Versicherer bald eine White-Label-Lösung exklusiv für Makler anbieten. One-Produkte könnten dann mit individuellen Logos, Titeln und dem Design des Vermittlerbüros versehen werden. Risikoträger bleibt das Insurtech.

Dokumenteneinsicht, Änderung von Kundendaten sowie Up- und Cross-Selling seien sowohl für Makler als auch für Kunden im unternehmenseigenen Portal oder per App möglich.

„Sollte sich ein Bestandskunde für einen höherwertigen Tarif entscheiden, ein weiteres Produkt kaufen oder einen situativen Tarif abschließen, erhält der Makler die volle Provision von uns“, unterstreicht Lang.

Positionierung in der Branche

In der deutschen Versichererszene sieht sich One klar positioniert: „Wir unterscheiden hier zwischen Unternehmen nach Technologie und Vertrieb“, erklärt der Vorstandschef. Im Vertrieb und somit im Wettbewerb um Partner konkurriere das Insurtech mit Gesellschaften wie der Ammerländer Versicherung VVaG, der Haftpflichtkasse VVaG und der VHV Allgemeine Versicherung AG.

Technologisch habe man die Coya AG, die Versicherungs-Vertreterin Getsafe GmbH und Neueinsteiger Lemonade Insurance N.V. im Blick. Lemonade bietet seit Juni unter „Police 2.0“ Hausrat- und Privathaftpflicht-Versicherungen im Direktvertrieb an (12.6.2019).

„Die drei genannten digitalen Anbieter fischen alle im gleichen Teich, sprechen die gleichen Kunden an. Seit dem Markteintritt von Lemonade beobachten wir eine deutliche Steigerung der Kunden-Akquise-Kosten im Direktgeschäft. Unser Vorteil ist aber, dass wir nicht auf das Direktgeschäft angewiesen sind“, betont Lang.