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Persönliche Beratung bleibt relevanter Teil des Geschäfts

2.7.2019 – Nach Internationalisierung und Globalisierung heißt das Schlagwort nun Digitalisierung. Und wie bereits bei der Gründung der ersten Direktversicherer, prognostizieren viele Kenner den Untergang der persönlichen Beratung nicht nur in der Versicherungsbranche. Auf welche Veränderungen stellt sich ein traditionsreicher Konzern ein? Anlässlich des 200. Geburtstags der Sachversicherung im Alte Leipziger – Hallesche Konzern sprach das VersicherungsJournal mit Kai Waldmann und Sven Waldschmidt, Vorstände der Alte Leipziger Versicherung AG, über aktuelle Trends.

VersicherungsJournal: Dass ein Unternehmen wie die Alte Leipziger Versicherung AG seinen 200. Geburtstag feiern kann, kommt eher selten vor. Herzlichen Glückwunsch. Welche Erkenntnisse aus der Beschäftigung mit der Geschichte der Alte Leipziger nehmen Sie für die Gegenwart und Zukunft mit?

Kai Waldmann: Ja, erst gestern habe ich gelesen, dass Unternehmen im Durchschnitt lediglich 16 Jahre bestehen. Wir dagegen denken und handeln langfristig. Vom Gründer der Leipziger Feuer-Versicherungs-Anstalt ist unter anderem überliefert, dass er erkannte, dass in Sachsen ein funktionierender Feuerversicherungs-Schutz fehlte. Heute würde man sagen, Carl Friedrich Ernst Weiße ist nach einer intensiven Kunden- und Konkurrenzanalyse aktiv geworden. So halten wir es bis heute: die Kunden im Mittelpunkt, ihre Wünsche analysieren und dann passende Angebote entwickeln.

Sven Waldschmidt: Für uns ist Kundenorientierung keine Modeerscheinung, sondern eine permanente Herausforderung. In den letzten Jahren hat sich vor allem das Verhalten vor dem Beratungsgespräch und vor dem Abschluss verändert. Die Mehrzahl der Kunden informiert sich inzwischen vorab im Internet.

Kai Waldmann (li.) und Sven Waldschmidt (re.) (Bild: Ullrich)
Kai Waldmann (li.) und Sven Waldschmidt (re.) (Bild: Ullrich)

VersicherungsJournal: Was bedeutet es konkret, zum Beispiel im Bereich Kraftfahrtversicherung, wenn Kunden sich vorab informieren?

Waldmann: Durch die digitalen Kanäle sind die Angebote auf den ersten Blick wieder vergleichbar gemacht worden. Oft steht der Preis im Mittelpunkt. Dabei wird vielleicht der eine oder andere Ausschluss übersehen und es besteht im schlimmsten Fall keine Deckung. Ein guter Berater kann hier Aufklärungsarbeit leisten – persönliche Beratung wird daher auch in Zukunft von Bedeutung sein.

VersicherungsJournal: Wie schätzen Sie den Trend zum Versicherungsabschluss per Internet ein?

Waldmann: Wir gehen davon aus, dass vermeintlich einfaches Geschäft vermehrt über digitale Kanäle abgeschlossen wird. Komplexere Risiken, bei denen Ja-Nein-Fragen nicht ausreichen, erfordern aber unverändert eine persönliche, individuelle Beratung.

VersicherungsJournal: Gilt dies für das Privat- wie für das Gewerbegeschäft?

Waldschmidt: Ja. Die persönliche Beratung, gegebenenfalls mit modernen Hilfsmitteln wie Skype und Co., ist und bleibt ein relevanter Teil unseres Geschäfts. Möglicherweise wird dieser Teil zukünftig sogar wieder wachsen, wenn Risiken komplexer werden und/oder wir den Kunden zusätzliche Serviceangebote offerieren.

VersicherungsJournal: An welchen Serviceangeboten arbeiten Sie aktuell?

Waldmann: Oben auf unserer Prioritätenliste stehen zwei Projekte im Zusammenhang mit dem unserer Meinung nach anhaltenden Trend „Smart Home“. So möchten wir unseren Kunden insbesondere eine Lösung zur Vermeidung von Leitungswasserschäden bieten, zu vergünstigten Preisen und mit einem Prämiennachlass.

VersicherungsJournal: Wie realisieren Sie solche technischen Lösungen?

Waldmann: Mit externen Partnern. Bei deren Auswahl spielen die Erfahrungen unserer Schadenbearbeiter, das Feedback unseres Außendienstes und der mit uns langjährig verbundenen Makler eine wichtige Rolle. Und auch hier orientieren wir uns an den Kundenwünschen.

Waldschmidt: Wir betrachten Versicherungsschutz und technische Lösungen zusammen. Trotz vermehrter Serviceangebote versteht sich die Alte Leipziger Versicherung aber weiterhin als klassischer Versicherer. Versicherung und Service werden einfach noch enger zusammenrücken.

VersicherungsJournal: Stichwort „klassisch“. Ihre Muttergesellschaften Alte Leipziger Leben und Hallesche sind Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit. Ist diese Rechtsform für einen solch? großen Konzern noch zeitgemäß?

Waldmann: Selbstverständlich. Ähnlich wie bei familien- oder stiftungsgeführten Unternehmen müssen wir nicht auf den Börsenkurs schielen. Es gibt keine Aktionäre, die eine Dividende erwarten. Diese Mittel können zum Beispiel für notwendige Investitionen in die Anforderungen der Zukunft genutzt werden. Mögliche Nachteile im Hinblick auf externe Kapitalbeschaffung waren in den letzten Jahrzehnten theoretischer Natur. Mit Solvabilitätsquoten von über 300 Prozent ohne jegliche Hilfsmittel dürfte das so bleiben.

Waldschmidt: Unabhängigkeit und Langfristigkeit zeichnen uns in vielerlei Hinsicht aus: Wir legen größten Wert auf die dauerhafte und intensive Zusammenarbeit mit Maklern. Sie sollen bis hin zum einzelnen Sachbearbeiter ihre Ansprechpartner kennen. Alte-Leipziger-Kunden sind treu. Wir werden weiterempfohlen, nicht zuletzt von unseren Mitarbeitern als attraktiver Arbeitgeber.

VersicherungsJournal: Was werden Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für die Branche in den nächsten zehn, 20 Jahren sein?

Waldmann: Effizienzverbesserungen, kürzere Durchlaufzeiten, Reagieren auf neue Wettbewerber und Produkte – selbstverständlich. Für uns gehören zwei weitere wichtige Faktoren dazu, über die weniger zu hören und zu lesen ist. Faktor 1: Die Mitarbeiter auf die vielen Veränderungen vorbereiten und mitnehmen. Faktor 2: Den mit der Digitalisierung verknüpften Trend zur Individualisierung permanent kritisch hinterfragen. Denn wenn der Ausgleich im Kollektiv nur noch eine Nebenrolle spielt, wird Versicherungsschutz für einige Gruppen noch teurer bis unerschwinglich. Die Folgen wären aus meiner Sicht schwierig beziehungsweise sehr bedenklich.

Die Fragen stellte

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