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Atradius: Keine Verträge aufgrund der Pandemie gekündigt

26.3.2020 – Kreditversicherung ist Schicksalsteilung mit den Versicherten: Denn bei der Warenkreditversicherung haben die Kunden einen nennenswerten Eigenanteil, wenn der Kredit ausfällt. Insofern ist auch die Bonitätsbeurteilung der Kreditversicherer für die Kunden eine wichtige Leistung. In der aktuellen Krise scheint sich die Branche besser zu verhalten als seinerzeit in der Finanzmarktkrise. Dort gingen die Risikoschirme relativ schnell zu. Im Interview mit dem VersicherungsJournal berichtet Dr. Thomas Langen, Senior Regional Director Deutschland, Mittel- und Osteuropa bei Atradius, wie mit der aktuell schwierigen und kaum vorhersehbaren Wirtschaftslage umgegangen wird.

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VersicherungsJournal: Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag e.V. (DIHK) beklagt in einer Meldung, dass sich in der aktuellen Coronakrise immer mehr Kreditversicherer aus der Deckung des internationalen Warenverkehrs zurückziehen. Fährt Ihr Haus, die Atradius Kreditversicherung, Niederlassung der Atradius Crédito y Caución S.A. de Seguros y Reaseguros, tatsächlich Limite zurück? Und welche?

Dr. Thomas Langen: Jeder Abnehmer wird bei uns immer individuell betrachtet. Dabei berücksichtigen wir die Umstände des Abnehmers und die Auswirkungen der Pandemie am Standort des Abnehmers sowie alle anderen relevanten Faktoren, die das Risiko beeinflussen können.

Wenn wir klare Hinweise dafür haben, dass ein Abnehmer bei einem zukünftigen Geschäft mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Zahlungsausfall verursachen wird, dann weisen wir unsere Kunden darauf hin, dass sie dem Käufer keine Kreditbedingungen gewähren sollen.

Wenn ein Abnehmer aber ein versicherbares Risiko darstellt, werden wir die Verkäufe an diesen Käufer weiterhin versichern.

VersicherungsJournal: Kündigen Sie auch Vertragsverbindungen auf?

Thomas Langen (Bild: Atradius)
Thomas Langen (Bild: Atradius)

Langen: Wir haben keine Verträge aufgrund der Pandemie gekündigt.

VersicherungsJournal: Gilt die Warnfrist von 30 Tagen noch?

Langen: Selbstverständlich stehen wir hier zu unseren vertraglichen Verpflichtungen. Darüber hinaus haben wir unsere Verträge mit sofortiger Wirkung und bis auf Weiteres in folgenden Punkten angepasst:

Die Meldefrist für die Anzeige der Überschreitung des maximalen Verlängerungszeitraums haben wir von 30 Tagen auf nunmehr 60 Tage verlängert. [Anmerkung der Redaktion: Auch bei der Kreditversicherungs-Gruppe Coface wurde die Meldefrist entsprechend verlängert (VersicherungsJournal 26.3.2020).]

Zudem können die Versicherungsnehmer verlängerte Zahlungsbedingungen mit ihren Abnehmern vereinbaren, solange sie innerhalb der zuvor genannten 60 Tagefrist bleiben.

VersicherungsJournal: Haben Sie bereits höhere Ausfälle durch die Coronakrise?

Langen: Zum jetzigen Zeitpunkt können wir noch nichts darüber zu sagen, wie sich das Coronavirus auf die Entwicklung der Schäden tatsächlich auswirken wird. Bisher sehen wir kein erhöhtes Aufkommen.

Wir gehen aber generell davon aus, dass diese Pandemie die Weltwirtschaft in diesem Jahr erheblich beeinträchtigen wird. Dadurch werden sich auch die Forderungsrisiken erhöhen. Die wirtschaftliche Tragweite wird weitgehend davon abhängen, wie schnell das Virus unter Kontrolle gebracht wird und wie die Unterstützung durch die Bundesregierung aussehen wird.

Generell kann man sagen, dass die Sektoren Einzelhandel und Dienstleistungen/ Unterhaltung, der Tourismus, die Schifffahrt, der Rohstoffhandel (hier Chemikalien und Metalle) sowie die Automobilbranche am stärksten betroffen sind. Besser gestellt sind die Sektoren Medizin, Pharmazeutika und Lebensmittel sowie andere Unternehmen, die lebensnotwendige Güter des täglichen Bedarfs liefern.

VersicherungsJournal: Wie sieht es aktuell mit Neuanbahnungen aus? Bei den Maklern fragen doch sicherlich vermehrt Unternehmen nach Kreditversicherung, die bislang keine hatten, oder?

Langen: Aktuell verzeichnen wir auch keine veränderte Nachfrage nach kurzfristiger Absicherung.

VersicherungsJournal: Kennt die Kreditversicherung eine „Pandemie-Klausel“ – also gibt es in der augenblicklichen Krise Sachverhalte, die nicht versichert sind?

Langen: Wir beginnen mit der Prüfung eines Schadens, sobald dieser von unserem Versicherungsnehmer gemäß den geltenden Bedingungen und Bestimmungen des Versicherungsvertrages eingereicht wird. Diese Prüfung berücksichtigt Umstände, die den Anspruch begründen, wie zum Beispiel den Vertrag zwischen dem Versicherungsnehmer und seinem Abnehmer oder die geltende Gerichtsbarkeit. Dieser Prozess bleibt unverändert. Es ist daher nicht möglich, im Voraus eine generelle Antwort auf die allgemeine Frage der Haftung und Deckung eines bestimmten zukünftigen Anspruchs eines Kunden zu geben.

VersicherungsJournal: Würde eine wie vom DIHK geforderte Ausweitung der staatlichen Absicherung aktuell etwas bringen?

Langen: Angesichts der aktuellen Coronakrise sehen wir die geforderte Ausweitung der staatlichen Deckungsmöglichkeiten im Kurzfristgeschäft auf bisher marktfähige Länder als eine sinnvolle Initiative, die allerdings einer regelmäßigen Überprüfung bedarf.

Die Fragen stellte

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