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BU-Schadenregulierung im Praxistest

13.8.2019 – Der Schadenregulierung der Assekuranz wird von Verbrauchern nicht vertraut. Das Analysehaus Franke und Bornberg stellt eine Stichprobe der Leistungspraxis von sechs Lebensversicherern dagegen. Diese haben die Quote der anerkannten Ansprüche erhöht. Für ein Drittel der ohne Zahlung geschlossenen Akten sind die Kunden selbst verantwortlich.

Verbraucher haben wenig Vertrauen in die Schadenregulierung der Versicherer bei Berufsunfähigkeits-Policen (BU). Das hat die Untersuchung „Erfolgsfaktoren für Kundenberatungen zur Berufsunfähigkeits-Versicherung“ der Sirius Campus GmbH gezeigt (VersicherungsJournal 18.7.2019).

Sechs Versicherer lassen ihre Schadenakten auswerten

Wie kundenorientiert die Branche tatsächlich mit Leistungsansprüchen umgeht, untersucht die Franke und Bornberg GmbH jährlich. Für die Ausgabe 2019 der „Analyse der Regulierungspraxis Berufsunfähigkeits-Versicherungen“ wurden im November 2018 die Schadenakten mit Stand 2017 dieser Gesellschaften ausgewertet:

Die sechs Unternehmen repräsentierten mit ihren 6,8 Millionen BU-Versicherten und einem Leistungsbestand von 142.000 Fällen mehr als der Hälfte des BU-Gesamtmarktes.

Die Allianz ist in diesem Jahr erstmals dabei. Die im Vorjahr (25.4.2018) noch untersuchten Stuttgarter Lebensversicherung a.G. und Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung AG nehmen nicht mehr teil.

Über 32.000 Leistungsfälle pro Jahr

Die Teilnehmer hatten für die Untersuchung „umfangreiche Daten“ bereitstellen müssen. Zudem wurde eine Stichprobe von 750 („je Gesellschaft mindestens 125“) anonymisierte Leistungsakten ausgewertet. Davon waren 60 Prozent Ablehnungen und 40 Prozent Anerkenntnisse.

Beim Zusammenstellen der Daten wurden die Angaben der sechs Versicherer gleich gewichtet. Veröffentlicht werden nur die Gesamtergebnisse aller Teilnehmer, nicht jedoch die Unterschiede zwischen den Gesellschaften.

Die meisten Betroffenen waren Anfang 50

Nach Angaben des Analysehauses wurden bei den sechs Versicherern in 2017 etwa 32.800 BU-Leistungsfälle angemeldet.

Von fast 11.000 Betroffenen, denen eine Leistung bewilligt wurde, haben die Analysten das Alter ausgewertet. Stärkster Jahrgang sind die 52-Jährigen; sie nehmen die Versicherung mehr als fünf Mal so stark wie die 26-Jährigen und doppelt so häufig wie die 39-Jährigen in Anspruch.

Dazu merken Franke und Bornberg an, dass auch bei jungen Versicherten eine relevante Zahl von Leistungsfällen anerkannt würde. „Dies unterstreicht die Notwendigkeit eines BU-Schutzes ganz generell und insbesondere schon frühzeitig zu Beginn des Arbeitslebens.“

Bis zur Altersgruppe 59 halbiert sich die Wahrscheinlichkeit, eine BU-Rente zu erhalten, und sinkt danach weiter rapide ab. Hierbei dürfte eine Rolle spielen, dass bei dieser Altersgruppe der BU-Schutz häufig bereits nicht mehr besteht.

BU-Leistungspraxis, Alter Bei Anspruchstellung (Bild: Franke und Bornberg)

83 Prozent der Leistungsansprüche wurden anerkannt

Von den insgesamt gemeldeten Leistungsansprüchen seien rund 83 (Vorjahr 76) Prozent anerkannt und 17 Prozent abgelehnt worden, gaben die Analysten an. Bei Policen mit Rentenhöhen ab 300 Euro lag die Anerkenntnisquote bei 78 Prozent.

Tendenziell ist die Anerkenntnisquote umso höher, je älter der Versicherte bei Eintritt des Versicherungsfalls ist. Sie liegt bei Jugendlichen unter 40 Prozent und ist bei den 60-Jährigen mit über 90 Prozent am höchsten.

Franke und Bornberg verweist zur Einordnung darauf, dass Policen nur in den ersten zehn Jahren nach dem Abschluss wegen Anzeigepflicht-Verletzung angefochten werden können.

Wird ein Leistungsantrag bewilligt, so geschieht dies in 93 Prozent der Fälle durch die „bedingungsgemäße Form der Anerkennung“. Mit fünf Prozent der Versicherten werden nach Angaben der Analysten außergerichtliche Individual-Vereinbarungen getroffen und zwei Prozent vor Gericht verglichen.

BU-Leistungspraxis, Anerkenntniss und Ablehnungen (Bild: Franke und Bornberg)
Bild: Franke und Bornberg

Versicherter Grad der BU oft nicht erreicht

Der häufigste Grund für ein Ablehnen des Leistungsantrags ist, dass der versicherte Grad der Berufsunfähigkeit nicht erreicht wurde. Das galt für mehr als die Hälfte der Ablehnung (56 Prozent).

Zweihäufigste Ursache (24 Prozent) sind „Anfechtung, Rücktritt (kausal), Rücktritt und Anfechtung“ der Police durch den Versicherer wegen Verletzen der vorvertraglichen Anzeigepflicht durch den Versicherten. An dritter Stelle (13 Prozent) liegen Fälle, in denen der erforderliche Prognosezeitraum für die Dauer der Berufsunfähigkeit nicht erfüllt wurde.

BU-Leistungspraxis, Ablehnunggründe (Bild: Franke und Bornberg)

Mehr konkrete Verweisungen

Von den Ablehnungen entfielen 2,4 Prozent auf Verweisung und Umorganisation.

Die Verweisung auf einen anderen Beruf, um die Berufsunfähigkeit zu vermeiden, spielt in der Praxis mit 0,4 Prozent der Ablehnungen kaum noch eine Rolle. Das liegt nach den Beobachtungen der Analysten auch daran, dass zunehmend Policen ohne diese „abstrakte Verweisung“ in die Leistungsprüfung kämen.

Deutlich erhöht auf 3,1 (Vorjahr 1,4) Prozent hat sich dagegen die Quote der Ablehnungen wegen konkreter Verweisung auf einen Beruf, den der Versicherte tatsächlich noch ausübt.

Die Quote der Leistungsablehnung, weil Selbständige ihren Betrieb umorganisieren können, um weiter berufsfähig zu sein, lag schon im Vorjahr unter einem halben Prozent und hat weiter abgenommen.

Für ein Drittel der Nichtleistungen sind die Versicherten verantwortlich

In mehr als einem Drittel (34 Prozent) der Nichtleistungsfälle werden die Schadenakten auf Veranlassung der Kunden geschlossen. So zögen die Versicherten ihre Leistungsanträge beispielsweise heraus, wenn sich ihr Gesundheitszustand gebessert oder als nicht so gravierend herausgestellt habe, als ursprünglich vermutet.

Als weiteren Grund nennt Franke und Bornberg das fehlende Mitwirken der Kunden, indem Fragebögen nicht zurückgesendet würden. Dann fehle für eine Leistungsentscheidung die Grundlage.

Die „BU-Leistungspraxisstudie“ umfasst viele Aspekte mehr. Darunter die Anerkenntnisquoten bei bestimmten Diagnosen wie Krebs oder psychischen Erkrankungen sowie die Regulierungsdauer. Weitere Details wollen die Analysten in ihrem „fb>blog“ veröffentlichen.

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