Kommentar

BU-Tarif mit mehr Möglichkeiten bei Nachversicherungsgarantie

28.11.2019 – Die Continentale hat ihre selbstständige Berufsunfähigkeits-Versicherung erneuert. Der „Premium“-Tarif hat wörtlich den altersentsprechenden Kräfteverfall mitversichert. Positiv fallen die Definitionen zur Umorganisation bei Selbstständigen und Nachversicherungs-Garantie auf, schreibt der Biometrie-Experte Philip Wenzel. Letztere verbessern soll das „Karriere-Paket“, das es jetzt auch beim „Premium“-Tarif gibt. Dieser wird dadurch für Studenten und Berufseinsteiger besonders interessant.

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Die Neuerungen in der Berufsunfähigkeits- (BU-) Versicherung müssen auf den Verbraucher ähnlich unspektakulär wirken, wie es auch die Neuerungen bei den Zahnbürsten tun. Da ist, seitdem in Werbespots Tomaten mit Zahnbürsten traktiert und heil geblieben sind, nicht mehr viel passiert. Und auch in der BU-Versicherung sind die Verbesserungen für den Laien oft nur schwierig zu greifen – oder für den Fachmann kein echter Mehrwert.

Philip Wenzel (Bild: Doris Köhler)
Philip Wenzel (Bild: Doris Köhler)

Für die Neuauflage ihres Produkts hat die Continentale Lebensversicherung AG die Versicherungs-Bedingungen sowohl für den Vertrieb als auch für den peniblen Experten verbessert. Der Versicherer ist damit, wenn nicht in der Top Fünf am Markt, dann zumindest ein ernstzunehmender Kandidat dafür.

Altersentsprechender Kräfteverfall mitversichert

Die selbstständige „Premium“-BU-Versicherung ist einer der wenigen Tarife am Markt, die wörtlich den altersentsprechenden Kräfteverfall mitversichert haben. Nun müsste jeder Aktuar nicht recht bei Verstand sein, wenn er einen Tarif kalkulieren würde, in dem altersbedingt vor dem 67. Lebensjahr Leistungsfälle eintreten. Oder der Tarif wäre entsprechend teuer.

Hier geht es allerdings nur darum, dem Kunden zu ersparen, im Zweifelsfall beweisen zu müssen, dass der Kräfteverfall mehr als altersentsprechend ist. Dies zeigt sich vor allem daran, dass die gleiche Formulierung auch bei Berufsunfähigkeit durch Pflegebedürftigkeit gewählt wurde.

Und hier kann nun sicherlich jeder aus seiner Lebenserfahrung bestätigen, dass eine Pflegebedürftigkeit vor dem 67. Lebensjahr immer einen mehr als altersentsprechenden Kräfteverfall darstellt.

Umorganisation bei Selbstständigen

Was den Experten immer gut gefällt, sind Klarstellungen. Davon gibt es auch bei der Continentalen einige.

Besonders ansprechend ist der Hinweis des Versicherers darauf, dass er zwar auf die Umorganisation bei Selbstständigen verzichtet, wenn der Versicherte zu 90 Prozent kaufmännisch, planerisch, leitend oder organisatorisch tätig war – aber eben nicht, wenn die Umorganisation tatsächlich durchgeführt wurde. Bisher ist dem Autor kein Versicherer bekannt, der klarstellt, dass dieser Verzicht nur für die abstrakte Umorganisation gilt.

Die Continentale beteiligt sich an den Umorganisationskosten mit bis zu zwölf Monatsrenten, ohne diese nach oben zu begrenzen. Das ist durchaus zu begrüßen. Weniger angenehm ist, dass diese Beteiligung verrechnet wird, wenn innerhalb von 18 Monaten eine Berufsunfähigkeit eintritt.

Das mag bei einer Wiedereingliederungs-Hilfe gerecht sein, aber hier wurde das Geld ja, leider glücklos, investiert. Darüber sollte nochmal nachgedacht werden.

Nachversicherungs-Garantie

Sehr gut gefällt dem Autor auch die Reha-Hilfe bis zu 2.000 Euro und die Beratung und Hilfestellung im Leistungsfall. Das kann für den Versicherten hilfreich sein.

Die Continentale verzichtet auf die Arztanordnungsklausel und die Meldepflicht bei gesundheitlicher Verbesserung im Leistungsfall. Ebenso wird auf die Risikoprüfung bei der Nachversicherungs-Garantie verzichtet. Es werden also die alten Vertragsgrundlagen inklusive Beruf verwendet. Und bei der neuen Kalkulation wird das alte Eintrittsalter aktuarisch berücksichtigt. Dadurch ist der Beitrag der Nachversicherung günstiger als ein Neuabschluss.

Ebenso positiv fällt auf, dass ein Vermittler zwölf Monate Zeit hat, um die Nachversicherungs-Garantie zu ziehen. Der Markt erlaubt hier nur sechs Monate. Bei dieser Frist kann man schon mal einen Anlass beziehungsweise ein entsprechendes Ereignis verpassen.

Bis zum fünften Jahr darf auch ohne ein aufkommendes Ereignis nachversichert werden, was bis zum 35. Lebensjahr, mit Ereignis bis zum 50. möglich ist. All das ist Marktspitze.

Auf 1.500 Euro begrenzt

Was wiederum gewöhnungsbedürftig erscheint, sind die Einschränkungen bei der Nachversicherung. Die versicherte Rente kann bis zu 25 Prozent pro Ereignis erhöht werden. Bei Schüler oder Studenten ist, wird das erste Mal ein Beruf ergriffen, eine Erhöhung von 50 Prozent möglich.

Die Nachversicherungs-Garantie ist insgesamt um 1.500 Euro begrenzt. Das bedeutet, wer einen Vertrag mit 5.000 Euro versicherter BU-Rente abschließt, kann auf 6.500 Euro erhöhen. Der größte Teil des Markts deckelt insgesamt auf 2.500 Euro. Also könnte man bei einer Rente von 5.000 Euro überhaupt nicht mehr erhöhen.

„Karriere-Paket“ mit aufgenommen

Um an dieser Stelle Verbesserungen zu bieten, hat der Versicherer sein „Karriere-Paket“ nun auch für die „Premium“-BU-Versicherung freigeschaltet. Bisher war das Zusatzpaket, mit dem die Leistung aufgestockt werden kann, nur für den „Starter“-Tarif zu haben (VersicherungsJournal 31.3.2016).

Im Wesentlichen kauft man mit dem „Karriere-Paket“ vier Verbesserungen. Wird der Versicherte innerhalb der ersten fünf Jahre einer beruflichen Tätigkeit zusätzlich zur Berufsunfähigkeit auch erwerbsunfähig, wird die Leistung um 50 Prozent, maximal 6.000 Euro jährlich, erhöht.

Außerdem darf der Kunde über die Nachversicherungs-Garantie beim erfolgreichen Abschluss einer Ausbildung oder eines Studiums die Leistung verdoppeln. Und wer öfter mal diese Garantie zieht, sollte genau rechnen. Denn mit dem „Karriere-Paket“ erhält der Versicherte auf jede Nachversicherung fünf Prozent Rabatt.

Zu guter Letzt gibt es über den „Qualifikationsbonus“ die Möglichkeit, nach einer Weiterbildung oder einem Berufswechsel innerhalb der ersten zehn Jahre nach Versicherungsbeginn die neue Berufseinstufung prüfen zu lassen und so gegebenenfalls günstigere Beiträge zahlen.

Zielgruppe Studenten und Berufseinsteiger

Unterm Strich betrachtet, ist die neue „Premium“-BU-Versicherung der Continentalen durch das „Karriere-Paket“ vor allem für Studenten und Berufseinsteiger ein interessanter Tarif. Aber auch für alle anderen Berufsgruppen kann der Tarif eine gute Lösung sein, da die Bedingungen sehr gut sind. Besonders interessant ist der Tarif für alle, die von Beginn an eine Rente von 2.500 Euro oder höher abschließen, da sie hier noch die Möglichkeit haben, um weitere 1.500 Euro zu erhöhen.

Der 39-jährige Bürokaufmann zahlt für 1.000 Euro bis zum Endalter 67 bei einem Prozent Leistungsdynamik inklusive Arbeitsunfähigkeits-Klausel 56,22 Euro im Monat (Brutto 93,70 Euro). Der Mechatroniker zahlt 87,03 Euro (Brutto 145,05 Euro).

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