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Gesetzliche Witwenrente im Schnitt unter 660 Euro

9.8.2019 – 2018 hatten fast 6,2 Millionen Bürger Anspruch auf eine gesetzliche Hinterbliebenenrente. Fast 30 Prozent der Witwen- und knapp 90 Prozent der Witwerrenten-Anspruchsberechtigten wurde wegen eigener Einkünfte die Rente ganz oder teilweise gekürzt. Mehr als eine halbe Millionen Hinterbliebene bekamen deswegen sogar gar keine ausbezahlt. Die durchschnittliche Höhe der gesetzlichen Witwenrente betrug knapp 660 Euro. Deutlich weniger bekamen Witwer sowie Halb- und Vollwaisen ausbezahlt. Dies geht aus einer aktuellen Statistik der Deutschen Rentenversicherung hervor.

Insgesamt gibt es von der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV), sofern die Voraussetzungen erfüllt werden, verschiedene Arten einer gesetzlichen Hinterbliebenenrente: die kleine und große Witwen/oder Witwerrente, die Erziehungsrente und die Voll- oder Halbwaisenrente.

Gut 590 Euro im Monat

Nach den Statistiken der Deutschen Rentenversicherung (DRV) hatten in 2018 nach dem Tod des Ehepartners oder eines Elternteils fast 6,19 Millionen Personen einen Anspruch auf eine solche gesetzliche Hinterbliebenenrente.

Rund 5,62 Millionen Hinterbliebene erhielten eine solche Rente in Höhe von durchschnittlich knapp 592 Euro im Monat vor Steuern – also ohne mögliche Abzüge für eine Einkommenssteuer – ausbezahlt.

Die restlichen 567.000 Hinterbliebenen erfüllten zwar die versicherungs-rechtlichen Voraussetzungen für eine Hinterbliebenenrente, ihnen wurde aber aufgrund der gesetzlichen Anrechnung ihrer sonstigen Einkünfte die Hinterbliebenenrente auf null gekürzt (Nullrente).

Rentenhöhe je Art der Hinterbliebenenrente

Je nach Art der Hinterbliebenenrente unterscheiden sich die Rentenhöhen deutlich.

Wenn man die Nullrenten unberücksichtigt lässt, erhielten im Schnitt rund 4,62 Millionen Frauen pro Monat eine Witwenrente in Höhe von 656 Euro ausbezahlt. Im Detail waren es 4,61 Millionen Bezieherinnen einer großen Witwenrente mit im Schnitt je 656 Euro und nicht ganz 2.300 Bezieher einer kleinen Witwenrente mit durchschnittlich je 217 Euro Rentenhöhe.

Knapp 687.800 Männer bekamen im Durchschnitt eine Witwerrente in Höhe von 335 Euro. Konkret waren es fast 678.500 Bezieher einer großen Witwerrente mit im Schnitt knapp 335 Euro und nicht ganz 300 Bezieher einer kleinen Witwerrente in Höhe von durchschnittlich 191 Euro. Zudem wurden 2018 über 8.000 Erziehungsrenten mit im Durchschnitt einer monatlichen Höhe von 858 Euro ausbezahlt.

Außerdem bekamen etwas mehr als 297.600 Halbwaisen eine Halbwaisenrente von im Schnitt 189 Euro Rentenhöhe pro Monat. Nicht ganz 6.300 Vollwaisen erhielten eine Vollwaisenrente von durchschnittlich knapp 400 Euro.

Voraussetzungen für eine Hinterbliebenenrente

Anspruch auf eine Witwen-/Witwerrente hat der verbliebene Ehe- oder eingetragene Lebenspartner, wenn der Verstorbene die allgemeine Wartezeit in der GRV von fünf Jahren erfüllt oder bereits eine gesetzliche Altersrente bezogen hat. In wenigen Ausnahmen wie bei einem tödlichen Arbeitsunfall gilt die geforderte Wartezeit auch als vorzeitig erfüllt. Außerdem muss die Ehe oder eingetragene Lebenspartnerschaft mindestens ein Jahr bestanden haben. Hierzu gibt es nur wenige Ausnahmen, etwa wenn der Ehepartner infolge eines Unfalls stirbt.

Eine große Witwen- oder Witwerrente erhält nur der überlebende Ehepartner, der je nach Todesjahr des Versicherten entweder das 45. bis 47. Lebensjahr vollendet hat, vermindert erwerbsfähig ist oder ein Kind, das nicht älter als 18 Jahre oder behindert ist, erzieht. Alle anderen bekommen eine kleine Witwen- oder Witwerrente, die maximal für die Dauer von 24 Monaten nach dem Tod des Ehepartners gewährt wird.

Geschiedene, deren Ehe nach dem 30. Juni 1977 geschieden wurde und deren geschiedener Ehepartner verstorben ist, können Anspruch auf eine Erziehungsrente haben, sofern sie selbst gesetzlich rentenversichert sind und ein minderjähriges Kind erziehen. Außerdem muss der Hinterbliebene unverheiratet sein und zum Zeitpunkt des Todes des geschiedenen Ehepartners die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren in der GRV erfüllt haben.

Wenn ein gesetzlich rentenversichertes Elternteil stirbt, und die allgemeine Wartezeit der GRV von fünf Jahren erfüllt hat, steht seinem Kind eine Halbwaisenrente zu; sind beide Elternteile tot, ist es eine Vollwaisenrente.

Kinder, die noch in einer Schul- oder Berufsausbildung stehen, erhalten maximal eine Waisenrente bis zur Vollendung ihres 27. Lebensjahres. Kann ein volljähriges Kind aufgrund einer Behinderung nicht selbst für seinen Unterhalt aufkommen, hat es im Falle des Ablebens eines Elternteils ebenfalls Anspruch auf eine Waisenrente.

Niedrigere Hinterbliebenenrente für Erstbezieher

Zum Teil deutlich niedriger als bei den Bestandsrentnern waren die Hinterbliebenenrenten für die sogenannten Neurentner, also diejenigen, die 2018 erstmalig einen Anspruch auf eine solche Rente hatten. Insgesamt erhielten – ohne die Nullrenten – letztes Jahr erstmals fast 264.300 Frauen eine Witwenrente, rund 76.400 Männer eine Witwerrente, mehr als 55.600 hinterbliebene Kinder eine Halbwaisen- und über 700 eine Vollwaisenrente.

Nicht ganz 1.200 bekamen 2018 erstmals eine Erziehungsrente ausbezahlt.

Anzahl der der Hinterbliebenenrenten ohne Nullrenten im Jahr 2018

Leistungsart

Anzahl Bestandsrentner

Anzahl Neurentner

Kleine Witwenrente

2.297

985

Große Witwenrente

4.621.305

263.275

Kleine Witwerrente

284

166

Große Witwerrente

687.487

76.267

Halbwaisenrente

297.633

55.620

Vollwaisenrente

6.287

724

Erziehungsrente

8.016

1.153

Hinterbliebenenrente insgesamt

5.623.309

398.190

Durchschnittlich gut 520 Euro

Die durchschnittliche Hinterbliebenenrente – ohne Nullrenten – der Neurentner, betrug 522 Euro. Sie lag damit im Schnitt 70 Euro unter der Rentenhöhe der Hinterbliebenenrente der sogenannten Bestandsrentner, also der Rentenbezieher, die schon vor 2018 eine solche Rente erhalten haben.

Witwen, die erstmalig 2018 eine große Witwenrente bekamen, erhielten 655 Euro und damit ein Euro weniger als die Witwen, die schon länger eine solche Rente beziehen.

Die durchschnittliche Rentenhöhe der Neurentner, die eine große Witwerrente ausbezahlt bekamen, lag bei 312 Euro und damit 23 Euro unter der Rentenhöhe der Bestandsrentner. Bei den Erziehungsrenten hatten die Neurentner im Durchschnitt eine Rentenhöhe von 791 Euro und damit fast 67 Euro weniger als die Bestandsrentner.

Im Schnitt belief sich die Höhe der Halbwaisenrente für alle, die in 2018 erstmalig eine solche Rente erhielten, auf 185 Euro und die der Vollwaisenrente auf 368 Euro. Letztere lag damit rund 31 Euro unter der durchschnittlichen Vollwaisenrente eines Bestandsrentners.

Durchschnittliche Höhe (Bild: Zwick)

So vielen wird die Hinterbliebenenrente gekürzt

Ein Hinterbliebener erhält nur dann eine gesetzliche Witwen-, Witwer- oder Erziehungsrente ohne Abzüge, wenn bestimmte sonstige Einkünfte, die er hat, unter einem gesetzlich festgelegten Freibetrag liegen. Sind die Einkünfte des Hinterbliebenen darüber, werden je nach Einkunftsart bestimmte Anteile unter Berücksichtigung des Freibetrages von der Rente abgezogen (VersicherungsJournal 2.7.2019).

Dies kann dazu führen, dass die Hinterbliebenenrente auf null Euro gekürzt wird (Nullrente), weil die Abzüge die Rentenhöhe übersteigen.

Seit 2015 gibt es für Waisen keine Einkommensanrechnung mehr – sie können unbegrenzt hinzuverdienen. Allerdings kann auch hier – zum Beispiel wegen des gleichzeitigen Bezugs einer gesetzlichen Unfallrente – die Rentenleistung gekürzt werden. Einen Überblick zu den Hinzuverdienst-Regelungen bieten das Webportal des DRV und die kostenlos downloadbare DRV-Broschüre „Hinterbliebenenrente: So viel können Sie hinzuverdienen“.

Hinterbliebenenrenten inklusive Nullrenten in 2018

Leistungsart

Rente wegen Todes ohne Einkommensanrechnung nach § 97 SGB VI

Rente wegen Todes mit Einkommensanrechnung nach § 97 SGB VI

Summe

Leistungsart

Anzahl

Durch-schnittlicher Renten-zahlbetrag (Euro)

Anzahl

Durch-schnittlicher Renten-zahlbetrag (Euro)

Anzahl

Durch-schnittlicher Renten-zahlbetrag (Euro)

Witwenrente

3.391.577

656

1.349.670

598

4.741.247

640

Witwerrente

143.201

378

986.884

178

1.130.085

204

Erziehungsrente

5.279

879

2.900

772

8.179

841

Waisenrente

310.454

190

-

-

310.454

190

Summe

3.850.511

608

2.339.454

421

6.189.965

538

Nullrente für knapp 570.000 Hinterbliebene

2018 wurden rund 28 Prozent der eigentlich wegen eines Todesfalles zustehenden Witwenrenten, 35 Prozent der Erziehungsrenten und sogar 87 Prozent der Witwerrenten aufgrund eines gleichzeitigen Einkommens neben der Rente ganz oder teilweise gekürzt.

566.700 Hinterbliebene hatten deswegen eine Nullrente, das macht neun Prozent aller Anspruchsberechtigten einer Hinterbliebenenrente. Während bei den Witwen-, Erziehungs- und Waisenrenten davon jeweils nur zwei Prozent betroffen waren, lag der Anteil der Nullrenten bei den Witwerrenten bei 39 Prozent.

Nullrenten – null Euro Hinterbliebenenrente aufgrund Einkommensanrechnung

Leistungsart

Anzahl

Durchschnittlicher Ruhensbetrag (nur Fälle mit statistisch auswertbaren Ruhensbetrag) in Euro

Kleine Witwenrente

2.981

204

Große Witwenrente

114.664

337

Kleine Witwerrente

2.978

225

Große Witwerrente

439.336

219

Erziehungsrente

163

610

Waisenrente*

6.534

-*

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