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Kaskoversicherer will Mehrkosten auf Kunden abwälzen

9.10.2020 – Kommt es bei der Reparatur eines Kaskoschadens in der Werkstatt zu einer Panne, ist es Sache des Versicherers und nicht des Versicherten, für dadurch entstandene Mehrkosten aufzukommen. Dies entschied das Amtsgericht Hagen in einem Urteil vom 29. Mai 2020 (11 C 141/19).

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Der Kläger hatte für seinen Personenkraftwagen unter anderem eine Teilkaskoversicherung abgeschlossen.

Nach einem Marderbiss brachte er sein Auto in eine Fachwerkstatt. Repariert werden musste zwar nur der Unterdruckschlauch des Fahrzeugs. Doch weil der während der Arbeiten vom Zylinderkopfdeckel abriss, musste die komplette Einheit einschließlich des Zylinderkopfdeckels erneuert werden.

Kfz-Versicherer will nicht für Mehraufwendungen aufkommen

Dadurch entstanden Mehrkosten in Höhe von knapp 400 Euro, für die der Kaskoversicherer des Klägers nicht aufkommen wollte. Er behauptete, dass diese durch einen Fehler der Werkstatt entstanden seien. Es sei daher Sache des Versicherten, sich bei deren Betriebshaftpflicht-Versicherer schadlos zu halten.

Zu Unrecht, urteilte das Hagener Amtsgericht. Es gab der Klage des Geschädigten auf Erstattung der gesamten Reparaturkosten durch seinen Kfz-Versicherer statt.

Werkstattrisiko trägt der Kaskoversicherer

Nach Ansicht des Gerichts kann offen bleiben, ob der Werkstatt tatsächlich ein Fehler unterlaufen ist. Entscheidend sei vielmehr, welche Kosten dem Kläger nach sorgfältiger Auswahl der Werkstatt entstanden sind. Das Werkstattrisiko für eine nicht sachgerechte Reparatur trage nämlich der Kaskoversicherer.

Denn sobald ein Fahrzeughalter sein Auto zur Reparatur gegeben habe, seien seine Einflussmöglichkeiten auf die Werkstatt eng begrenzt. Es würde daher dem Sinn der Kaskoversicherung widersprechen, wenn er im Rahmen der Schadenbeseitigung mit Mehraufwendungen belastet würde, deren Entstehung er nicht beeinflussen kann.

Kein Auswahlverschulden

Etwas anderes ergebe sich nur, wenn dem Versicherten bei der Entscheidung für eine Werkstatt ein Auswahlverschulden angelastet werden kann. Dies sei in dem entschiedenen Fall jedoch nicht ersichtlich.

Es sei daher Sache des Versicherers, gegebenenfalls die Werkstatt beziehungsweise deren Haftpflichtversicherer wegen des von ihm behaupteten Reparaturfehlers in Höhe der Mehrkosten in Anspruch zu nehmen.

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