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PKV: Teilweise drastische Beitragssteigerungen

22.12.2020 – Zum Jahreswechsel müssen viele private Krankenversicherer ihre Bestandsbeiträge für die Vollversicherung erhöhen. Am größten sind die durchschnittlichen Sprünge bei Debeka, Barmenia, Bayerische Beamtenkrankenkasse und UKV. Dabei weisen die Anpassungen teilweise große Spannweiten auf.

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Privat Krankenversicherte müssen für ihre bestehenden Vollversicherungen ab 2021 deutlich tiefer in die Tasche greifen. Das zeigen erste Zahlen, die die privaten Krankenversicherer (PKV) veröffentlicht haben.

So wird der Debeka Krankenversicherungs-Verein a.G., Deutschlands größtes PKV-Unternehmen, die Beiträge im Schnitt um 17,6 Prozent anheben. Betroffen sind alle 2,4 Millionen Vollversicherten (VersicherungsJournal 27.10.2020).

Prämienerhöhungen in größerem Umfang

Bei der Barmenia Krankenversicherung AG (6.11.2020), der Bayerische Beamtenkrankenkasse AG (BBKK) und der UKV – Union Krankenversicherung AG liegen die durchschnittlichen Erhöhungen für PKV-Vollversicherte bei rund elf Prozent.

Bei der Barmenia sind Erwachsene in einem „größeren Umfang“ betroffen. Das Unternehmen hat rund 300.000 Privatpatienten. Bei UKV und BBKK müssen 45 Prozent der Kunden mit einer Beitragssteigerung rechnen.

Die Allianz Private Krankenversicherungs-AG erhöht die Prämien um sechs, die LVM Krankenversicherungs-AG um 6,6 und die Hallesche Krankenversicherung a.G. um 5,5 Prozent (14.12.2020).

Demgegenüber werden beispielsweise bei der Axa Krankenversicherung AG die Beiträge im neuen Jahr nur um 3,6 Prozent für rund ein Viertel der Kunden steigen. Betroffen sind so rund 200.000 Versicherte. Die DKV Deutsche Krankenversicherung AG und die Huk-Coburg Krankenversicherungs-AG passen ihre Beiträge erst im Frühjahr 2021 an und wollen noch keine Daten nennen.

Anpassungen 2021 Bestandsbeiträge Vollversicherung

Gesellschaft

durchschnittliche Erhöhung in Prozent

Debeka

17,6

Barmenia

11,0

Bayerische Beamtenkrankenkasse

11,0

UKV

11,0

LVM

6,6

Allianz

6,0

Hallesche

5,5

Generali Deutschland Krankenversicherung AG

4,8

Landeskrankenhilfe V.V.a.G. (LKH)

4,3

Inter Krankenversicherung AG

4,2

Nürnberger Krankenversicherung AG

4,0

Continentale Krankenversicherung a.G.

4,0

Signal Iduna Krankenversicherung a.G.

3,9

Axa

3,6

Hansemerkur Krankenversicherung AG

3,4

Gothaer Krankenversicherung AG

3,2

Huk-Coburg

erst ab 1.3.

Versicherer im Raum der Kirchen Krankenversicherung AG

erst ab 1.3.

DKV

erst ab 1.4.

Universa Krankenversicherung a.G.

keine Angabe

Markt steigt um über acht Prozent

Das Wissenschaftliche Institut der Privaten Krankenversicherung (WIP) rechnet damit, dass die Beitragssätze am 1. Januar im Schnitt marktweit um 8,1 Prozent steigen (30.10.2020).

Doch Durchschnittswerte zeigen kaum die echte Verteuerung an, die nun auf viele Privatpatienten zukommt. So müssen 2021 Millionen Debeka-Kunden mit Erhöhungen von deutlich über 20 Prozent rechnen.

Bei den Beihilfeberechtigten sind es nach einer Studie der Iges Institut GmbH, welche die Debeka in Auftrag gegeben hat, rund 46 Prozent. Bei den Nicht-Beihilfeversicherten werden rund 13 Prozent der Debeka-Kunden von „sehr hohen“ Prämiensteigerungen von 20 und mehr Prozent betroffen sein.

Extreme Spannen

Wie groß die Spanne sein kann, hat die Inter veröffentlicht. „Die neugeschäftsrelevanten Unisex-Tarife werden bei Nichtbeamten zum 1.1.2021 durchschnittlich um 4,2 Prozent erhöht. Es sind rund 53 Prozent unseres Nichtbeamten-Bestandes in der Krankheitskosten-Vollversicherung von dieser Anpassung betroffen.

Insgesamt ergibt sich eine Spanne von rund 14 Prozent Beitragsreduzierung (zum Beispiel Kinder und Jugendliche im Tarif ‚JE U‘) bis zu einer maximalen Erhöhung von 23 Prozent beim Ausbildungstarif QMP300A“, so die Assekuranz.

Doch zu den Extremwerten schweigen fast alle anderen PKV-Unternehmen, weil die konkrete Anpassungshöhe vom jeweiligen Tarif und der individuellen Situation abhänge. „Es gibt beispielsweise Tarife, die zehn Jahre lang nicht angepasst wurden und deshalb jetzt eine relativ hohe Anpassung haben“, erläutert ein Sprecher der Signal Iduna.

Zinsen belasten die private Krankenversicherung

„Diese Schwankungen verdeutlichen einmal mehr die Notwendigkeit der Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für eine Beitragsanpassung hinsichtlich der Verstetigung der Beitragsentwicklung“, heißt es beim LVM.

Ob eine solche Änderung politisch nach der Bundestagswahl durchsetzbar ist, ist mehr als ungewiss. Extreme Beitragssprünge schädigen weiter das Image der Branche, schaffen aber für Makler ordentlichen Beratungsbedarf.

Ein Grund der Prämiensteigerungen sind die niedrigen Zinsen. So müssen die Assekuranzen, wenn die Kosten für Heilbehandlungen und Ärzte eines Tarifs die Schwelle von fünf oder zehn Prozent überschritten haben, ihre Rückstellungen anpassen. Verzinsen sich die für das Alter angesparten Reserven schlechter, müssen die Prämien erhöht werden.

„Die Niedrigzinspolitik der EZB beschert den Krankenversicherungs-Unternehmen Zinsverluste in zweistelliger Milliardenhöhe – Verluste, die von den Versicherten durch höhere Beiträge kompensiert werden müssen“, heißt es bei der Debeka. Laut der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV) belaufen sich die Zinsverluste branchenweit auf 12,9 Milliarden Euro.

Alternative: Tarifwechsel

Wehren können sich privat Versicherte gegen Beitragserhöhungen nicht. Sie können die Anpassungen oft nur durch den Umstieg in einen anderen Tarif beim selben Unternehmen abschwächen. Das ist gesetzlich verankert. Dabei bleiben im Gegensatz zum Anbieterwechsel die angesparten Rückstellungen für das Alter teilweise erhalten.

Beim Inhouse-Wechsel können oft auch Tarife mit abgespeckten Leistungen oder höheren Selbstbehalten gewählt werden. Doch dafür sollten sich Versicherte nicht leichtfertig entscheiden, mahnt Gerd Güssler, Geschäftsführer des Softwarehauses KVpro.de GmbH.

„Eine gute Beratung in der PKV setzt auf jeden Fall auf hochwertige Tarife“, sagt er. Mit hohen Beiträgen würden auch hohe Alterungsrückstellungen aufgebaut. Zudem könne man einen Top-Tarif später durch einen Tarifwechsel immer noch abspecken, wenn er tatsächlich einmal individuell nicht mehr bezahlbar sein sollte.

Umgekehrt – also Aufstocken – werde durch die Gesundheitsprüfung in der Regel richtig teuer. „Wer viel Gesundheitsleistung will, muss dafür auch bezahlen“, so Güssler.

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