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Private Pflege-Zusatzversicherung wird zweistellig teurer

9.10.2020 – Mit dem bevorstehenden Beitragsanstieg wächst das Kündigungsrisiko. Vor allem, wenn die Anpassungen extremer Natur sind. Zwar braucht man die private Versicherung auch künftig, weil man das hohe Risiko der Pflegebedürftigkeit nicht aus eigener Tasche finanzieren oder ansparen kann. Doch gute Lösungen, wie man Kunden von dem Produkt überzeugt, gibt es scheinbar noch nicht. Das wurde bei einer Veranstaltung des PKV-Verbandes deutlich.

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Kunden und Vermittler müssen sich auf deutliche Beitragssteigerungen in der privaten Pflege-Zusatzversicherung einstellen.

„Viele Versicherer werden ihre Beiträge für die Pflegezusatz-Versicherung zweistellig erhöhen müssen.“ Das sagte Gerhard Reichl, Fachkoordinator Krankenversicherung bei der Assekurata Assekuranz Rating Agentur GmbH am Donnerstag anlässlich eines Webinars des Verbandes der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband).

Zinsniedergang ist in vielen Pflegepolicen nicht eingepreist

Timm Genett (Archivbild: Brüss)
Timm Genett (Archivbild: Brüss)

In welcher Höhe die Anpassungen konkret kommen, konnte der Experte aber noch nicht sagen. Betroffen sei aber auch in großem Umfang der Bestand. Er ist aber überzeugt davon, dass es in diesem Jahr sehr unterschiedliche Anpassungen am Markt geben wird. „Es gibt Versicherer, die seit 2017 beitragsstabil waren, weil sie die Zinsentwicklung nicht berücksichtigt haben“, so Reichl.

Das müssen diese Unternehmen nun nachholen. Laut dem Verbandsgeschäftsführer Dr. Timm Genett, der den Geschäftsbereich Politik leitet, wurden Pflegepolicen aufgrund von Beitragserhöhungen in den letzten Jahren vermehrt gekündigt. Daher rät er den Kunden zu prüfen, ob sie eine Beitragserhöhung durch einen Verzicht auf höhere Leistungen abschwächen können.

„Das ist auf jeden Fall eine bessere Lösung als die Kündigung“, so Genett. Auf mehr Leistungen könnten beispielsweise Kunden verzichten, die ihren Vermögensaufbau verbessert hätten.

Auf Leistungen verzichten

Einig sind sich die Experten, dass auch die neue Reform, deren Eckpunkte aktuell Bundes-Gesundheitsminister Jens Spahn vorgestellt hat (VersicherungsJournal Medienspiegel 5.10.2020), Pflegebedürftige nicht ausreichend entlastet. Es gebe weiterhin ein hohes Risiko für den Mittelstand, dass Kinder und vor allem der Partner durch Pflegebedürftigkeit ihr Vermögen verlieren.

„Es besteht für die Menschen weiterhin Handlungsbedarf“, sagte Constantin Papaspyratos, Chefökonom beim Bund der Versicherten e.V. (BdV). Nach Meinung des Verbraucherschützers könnten die Differenzen bei der Altersvorsorge, wo es oft nur um 200 oder 300 Euro ging, auch angespart werden.

Bei der Pflege kommt man an einer Versicherungslösung nicht herum.

Constantin Papaspyratos, Chefökonom des Bundes der Versicherten

Pflegerisiko muss versichert werden

Constantin Papaspyratos (Archivbild: Pohl)
Constantin Papaspyratos (Archivbild: Pohl)

Das sei beim Risiko des Pflegefalls nicht möglich. „Hier muss ich auch weiter mit Ausgaben von 2.000 bis 3.000 Euro pro Monat rechnen“, so Papaspyratos. Das könne auch ein Gutverdiener in der Regel nicht stemmen. „Bei der Pflege kommt man an einer Versicherungslösung nicht herum“, so der BdV-Mann. Empfohlen wird aber vor allem die Pflege-Zusatzversicherung.

So waren sich Papaspyratos und Reichl einig, dass das flexiblere Produkt eine private Pflegetagegeld-Versicherung ist. Wichtigstes Produktkriterium ist für die Assekurata eine Dynamisierung, die auch im Pflegefall wirkt.

Der BdV-Experte forderte, dass die Kunden nur ein Produkt kaufen, dass auf Basis der Krankenversicherung kalkuliert ist, eine lebenslange Laufzeit vorsieht und Alterungsrückstellungen aufbaut.

Reichl machte nochmals klar, dass eine Pflegeversicherung deutlich günstiger ist, wenn sie in jungen Jahren abgeschlossen wird. So koste eine private Absicherung von monatlich 2.000 Euro über alle Pflegegrade derzeit im Schnitt einen 25-Jährigen lediglich 20 Euro pro Monat. Ein 35-Jähriger müsse schon 34 Euro, ein 45-Jähriger 55 Euro und ein 55-Jähriger schon 89 Euro Monatsbeitrag zahlen.

Die Wichtigkeit der Pflegeversicherung ist schwer vermittelbar

Unzufrieden ist der PKV-Verband weiterhin mit den Abschlusszahlen für die private Pflege-Zusatzversicherung.

Nach Einschätzung von Reichl ist aber das Wissen darüber, dass der gesetzliche Schutz nur eine Teilkaskoversicherung ist, in der Bevölkerung weitgehend verbreitet. Daher glaubt Verbraucherschützer Papaspyratos, dass die Leistung einer Pflegepolice viel zu weit in der Zukunft liegt und so scheinbar kaum vermittelt werden kann.

Demgegenüber würden Zahn-Zusatzversicherungen, die mittelfristig zu einem Leistungserlebnis führen würden und schöne Zähne als Ergebnis vorweisen könnten, viel positiver von den Kunden aufgenommen. Eine Lösung, wie man die Wichtigkeit der Pflegeversicherung den Menschen nahebringen könnte, blieben die Experten aber schuldig.

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