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Wann eine Wertminderung erstattet werden muss

29.11.2019 – Die Ersatzfähigkeit eines merkantilen Minderwerts setzt nicht voraus, dass das betroffene Fahrzeug vollständig und fachgerecht repariert wird, so das Landgericht Memmingen in einem Urteil vom 8. Januar 2019 (33 O 1276/17).

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Bei einer Kollision auf einer Autobahn war der Personenkraftwagen des Klägers erheblich beschädigt worden. Ein von ihm beauftragter Gutachter ermittelte untere anderem eine merkantile Wertminderung.

Keine Reparatur, keine Wertminderung?

Die wollte ihm der gegnerische Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherer jedoch nicht ersetzen. Denn das setze eine vollständige und fachgerechte Reparatur voraus. Der Fahrer wolle den Schaden jedoch auf Basis des Gutachtens abrechnen, ohne eine Instandsetzung seines Autos nachzuweisen.

Nicht zuletzt wegen dieses Einwandes landete der Fall schließlich vor dem Memminger Landgericht. Das schloss sich der Forderung des Geschädigten an und sprach ihm den Ersatz der von dem Sachverständigen ermittelten Wertminderung zu. Dabei wurde sein Verschuldensanteil an dem Schadenereignis berücksichtigt.

Unzulässige Mischkalkulation

Folge man der Auffassung des Versicherers, so würde eine Schadenregulierung auf Basis eines Gutachtens nach Meinung der Richter grundsätzlich auf eine unzulässige Mischkalkulation hinauslaufen. Denn dann würden die Reparaturkosten an sich fiktiv abgerechnet, der merkantile Minderwert jedoch nur nach dem Nachweis einer vollständigen und fachgerechten Instandsetzung.

Ein Geschädigter sei grundsätzlich nicht dazu verpflichtet, die Reparatur eines beschädigten Fahrzeugs durchzuführen. Dies sei maßgeblich für eine Abrechnung auf Gutachtenbasis.

Eine merkantile Wertminderung ergebe sich jedoch daraus, dass dieses Auto mit dem Makel eines Unfallwagens behaftet sei. Dieser Makel trete allerdings schon unmittelbar zum Zeitpunkt der Schädigung ein. Aus diesem Grund werde ein Anspruch auf Ersatz des merkantilen Minderwerts auch bereits zu diesem Zeitpunkt fällig.

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