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GKV bei medizinischen Apps im Vorteil gegenüber der PKV?

1.8.2019 – Das Gesundheitswesen soll nach dem Willen der Bundesregierung für Kassenpatienten digitaler werden. Die PKV sieht sich hier immer noch im Vorteil, da sie den Vollversicherten bereits zusätzliche Leistungen biete und dafür auch Kosten übernehme. Ob Apps als Hilfsmittel anerkannt werden, ist allerdings noch unklar.

Das Kabinett hat im Juli einen Gesetzentwurf beschlossen, der das Gesundheitswesen digitaler machen soll. Dazu gehören Videosprechstunden, digitale Impfpässe und Apps auf Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) (VersicherungsJournal Medienspiegel 11.7.2019, Medienspiegel 16.5.2019).

Das Gesetz gilt für Privatversicherte nicht, denn für sie sind die Versicherungs-Bedingungen maßgeblich. In den je nach bisheriger Versicherungsdauer teilweise Jahrzehnte alten Tarifbestimmungen kommt der Begriff Gesundheits-Applikation jedoch nicht vor. Es stellt sich daher die Frage, wie diese Patienten in den Genuss der ärztlich verordneten digitalen Behandlungsmethoden kommen.

Kosten-Erstattung für Gesundheits-Apps in der PKV

Der Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband) hat sich bisher mit offiziellen Stellungnahmen zu dem Gesetzentwurf zurückgehalten.

Eine Erstattung der Ausgaben für ärztlich verordnete Gesundheits-Apps sei im Rahmen der vertraglich vereinbarten Leistungen für die PKV „grundsätzlich denkbar“, erklärte Dominik Heck, Sprecher des Verbandes.

Allerdings müssten dafür folgende Voraussetzungen erfüllt sein: Die Anwendung ist medizinisch notwendig und wird dementsprechend vom Arzt verordnet. Des Weiteren sollte die App eine CE-Kennzeichnung aufweisen.

App-Beispiele für privat Versicherte

Bereits heute würden im Rahmen von sogenannten „Selektiv-Verträgen“ zwischen einzelnen privaten Krankenversicherern und Software-Herstellern die Kosten übernommen, erklärt Heck weiter.

Als Beispiel nennt er das „Mysugr“-Paket. Das ist ein digitaler Diabetes-Manager, den die Bayerische Beamtenkrankenkasse AG und die UKV Union Krankenversicherung AG, anbieten (21.8.2017). Über das dazugehörige Blutzuckermessgerät werden die Patientenwerte direkt in die App übertragen. Zwischen den Arztbesuchen können die Patientendaten so durch zertifizierte Coaches überwacht werden.

Die Töchter der Versicherungskammer Bayern stellen ihren vollversicherten Kunden, die an Tinnitus leiden, außerdem einen digitalen Therapieansatz zur Verfügung. Die Vereinbarung läuft über den App-Anbieter Sonormed GmbH für die „Tinnitracks-App“ (7.10.2016).

Die PKV ist sogar im Vorteil, weil […] bereits heute eine Kostenerstattung für digitale Anwendungen möglich ist.

Dominik Heck, PKV-Verband

Tarifliche Leistung bestimmt Versicherer

Ob und in welchem Umfang die Kosten für die „Apps auf Rezept“ erstattet würden, hänge „vom individuellen Tarif des Versicherten“ ab, so Heck gegenüber dem VersicherungsJournal. Bisher seien die „medizinischen Apps in den PKV-Verträgen noch nicht verankert“.

Auch die Frage, ob die digitalen Anwendungen ihren Weg in die Hilfsmittel-Kataloge der Versicherer finden werden, sei noch unklar.

Sicher ist aber, dass der PKV-Verband sich hier zurückhalten wird. „Aus wettbewerbsrechtlichen Gründen dürfen wir dazu keine Empfehlung aussprechen“, erklärt Heck.

Einen Wettbewerbsnachteil gegenüber den gesetzlichen Kassen aufgrund des Gesetzentwurfs von Gesundheitsminister Spahn sieht der Sprecher des Verbands nicht: „Die PKV ist sogar im Vorteil, weil bei den privaten Krankenversicherern bereits heute eine Kostenerstattung für digitale Anwendungen möglich ist. In der GKV muss das erst noch auf den Weg gebracht werden.“

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