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Immer öfter wird „grüne“ Altersvorsorge verkauft

14.1.2022 – Um die Klimaziele zu erreichen, eignet sich das Thema Nachhaltigkeit nach Auffassung der Zurich-Deutschland-Gruppe nicht für den Wettbewerb und das Marketing. Auf einer Presseveranstaltung der Versicherungsforen Leipzig GmbH wurden viele Aspekte von Nachhaltigkeit beleuchtet: von Atomstrom bis Zusammenarbeit.

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„Wir sollten national und international als Versicherer, aber auch mit den Unternehmen auf allen Ebenen zusammenarbeiten“, sagte Björn Bohnhoff, Vorstand der Zurich Gruppe Deutschland, bei einer Presseveranstaltung der Versicherungsforen Leipzig GmbH am Donnerstag.

Beispielsweise lasse sich beim Impact Investing gemeinschaftlich mehr Druck auf die Unternehmen hinsichtlich deren ESG-Konformität ausüben, weil man zusammen über größere Kapitalmengen verfüge.

Einfach ein Häkchen machen

Björn Bohnhoff (Bild: Stefan Malzkorn)
Björn Bohnhoff (Bild: Stefan Malzkorn)

Dabei gehe es in der Kapitalanlage nicht nur um die Kapitalverknappung für „nicht-gute“ Unternehmen, sondern auch um die Begleitung der Unternehmen bei der Transformation. Hier werde sich die Zurich stärker in den Dialog, auch auf Hauptversammlungen, einbringen. Der Manager forderte auf, „best practises“ zu teilen, wenn es um Nachhaltigkeit gehe.

Weitere Ansatzpunkte für mehr Gemeinsamkeit sieht er bei „Umwelt- und Bildungsinitiativen“. Die Branche habe eine intrinsische Motivation den Klimaschutz nach vorne zu bringen – „vor allem die Kompositversicherer, die um die Versicherbarkeit von vielem fürchten müssen.“

Die Kunden zu mehr Nachhaltigkeit in der Altersvorsorge zu bewegen, nannte er „leicht“. Da gelte es für diese ja nur ein Häkchen zu machen und nicht um den Verzicht auf klimaschädlichen Konsum.

Atom-Diskussion sorgt für Bekanntheit

Mit den Änderungen der EU-Versicherungsvertriebs-Richtlinie IDD und der europäischen Finanzmarktrichtlinie Mifid ll zum 2. August 2022 erhalten Versicherungs-Unternehmen und -vermittler zusätzliche Informationspflichten und Wohlverhaltensregeln. So sind über die Transparenz-Verordnung nachhaltige Präferenzen abzufragen.

Mit ihrer Taxonomie will die EU Nachhaltigkeit messbar und vergleichbar machen. Diese Verordnung sei der Öffentlichkeit sicher erst durch die Diskussion um die Aufnahme von Atomenergie und Gas als nachhaltig bekannt geworden, sagte Professor Dr. Christian Klein, Professor für Sustainable Finance an der Universität Kassel.

Bei der Stuttgarter gilt für Atomenergie ein „harter“ Ausschluss, berichtete Ralf Berndt, Vorstand der Stuttgarter Lebensversicherung a.G.

Bohnhoff verweist darauf, dass die Aufnahme in die Taxonomie keine Investoren zum Atomstrom zwinge. Seines Wissens halte die Zurich noch RWE-Anteile.

Er betonte den Dialog mit den Unternehmen über deren Transformation. Die Zurich habe sich auch schon von Kunden, bei denen dieser „Prozess nicht schnell genug geht, getrennt“.

Die einzelnen Landesgesellschaften der Zurich entschieden selbstständig, antwortete er auf die Frage, ob Atomstrom für seine französischen Kollegen „grün“ sein könne.

Woran es noch hakt

Für Klein ist die Taxonomie „der Game-Changer“, der die Unternehmen in der EU radikal verändern und fokussieren wird. „Die Auswirkungen auf die Geschäftspolitik und die Berichterstattung werden gewaltig sein“, erwartet er. Im Handeln ist die Nachhaltigkeit indes noch nicht richtig angekommen.

Viele Umfragen bestätigten ein großes Interesse der Kunden an nachhaltigen Geldanlagen, so Berndt. „Das ganze Thema entwickelt sich in der Breite der Gesellschaft zu einem Trend.“ Rund ein Drittel des Neugeschäftes in der Altersvorsorge habe die Stuttgarter 2021 mit grünen Produkten gemacht. Bohnhoff sprach für Zurich von 40 Prozent.

Vermittler fragen Weiterbildung stark nach

Stark nachgefragt würden auch die eigenen Weiterbildungsangebote für Vermittler, die man inzwischen auch ausgeweitet habe, so Berndt. Er berichtete von Teilnehmerzahlen zwischen 800 und 1.000 Vermittler, die beim Online-Angebot auch dabeiblieben.

Natürlich habe sich durch die Regulierung mit der Transparenz- und sowie der Taxonomie-Verordnung die Dynamik erhöht, es gebe aber auch eine starke intrinsische Motivation in der Vermittlerschaft.

„Unsere Fans unter den Vermittlern werden immer mehr“ sagte Uwe Mahrt, Geschäftsführer der zur Versicherungsgruppe die Bayerische gehörenden Pangaea Life GmbH. Gleichwohl berichtete er auch von einer Unsicherheit gerade bei den Älteren, Grünes in das angestammte Produktportfolie aufzunehmen.

Offene Steuerfrage bei Fondspolicen

Ralf Berndt (Bild: Stuttgarter)
Ralf Berndt (Bild: Stuttgarter)

Die Pangaea bietet die nachhaltige Anlage seit Jahresbeginn auch für die Rentenphase.

Berndt wies daraufhin, dass bei Fondsanlagen im Rentenbezug noch offen sei, ob die Ertragsanteils-Besteuerung anzuwenden sei. Prinzipiell gehe es aber in die Richtung von nachhaltigen Anlagemöglichkeit im Rentenbezug.

Dass die Nachhaltigkeit im Verkauf bisher keinen höheren Stellenwert hat, führt Berndt auf die bisher fehlenden einheitlichen Maßstäbe für grünes Wirtschaften zurück. Er geht davon aus, dass sich dies mit der EU-Taxonomie ändern wird.

Klein berichtete von Untersuchungen, wonach die Kunden nicht grün anlegten, weil die Vermittler nichts anböten. „Der Vermittler fragt den Kunden aber nicht nach seinen grünen Präferenzen aus Angst, dass dieser mehr weiß.“ Vermittle man nur scheinbar „grüne“ Anlagen, gerate man schnell in den Verdacht des „Greenwashing“.

Top-Thema ESG-Konformität

Für Klein wird dies eines der „Top-5-Themen“ 2022. Der Grund liegt in missverständlichen Auffassungen über ESG-Konformität.

„Man wird dem Kunden erklären müssen, dass man nicht nur in Anlagen mit lauter Windkrafträder, einer 50-prozentigen Frauenquote und ohne Kinderarbeit investieren kann, weil es davon weltweit nur eine Handvoll Unternehmen gibt und man Probleme mit der Diversifikation bekommt.“

Die Transformation der Wirtschaft hin zur CO2-Neutralität sei ein Prozess und kein Zustand. Die Gefahr des Greenwashings liege in der hohen Sensibilität der Kapitalmärkte, die solches Handeln schnell mit Kursverlusten abstraften, so Klein.

Klimaneutrale Ziele von Bayerischer, Stuttgarter und Zurich

Die Bayerische will ab 2030 „aus eigener Kraft und mit allem (also auch Fahrwegen der Mitarbeitenden)“ klimaneutral sein, sagte Mahrt.

Die Stuttgarter will in ihrer Kapitalanlage und den Kernprozessen bis 2029 ohne den Zukauf von Zertifikaten klimaneutral sein, in den gesamten Kapitalanlagen bis 2045. „Das Tempo kann sich aber noch erhöhen“, so Berndt.

Die Zurich nennt als Ziel für ihre Kapitalanlage ebenfalls 2045. „Wichtig ist der Pfad“, so Bohnhoff. Es müsse rasch und stetig begonnen werden, damit zum Ende hin nicht drastische Absenkungen nötig seien.