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Chemiebranche will Nahles-Rente noch 2022 einführen

22.9.2022 – Nach vier Jahren wird das erste Sozialpartnermodell umgesetzt. Vorreiter sind hier die Tarifpartner der Chemiebranche. Vorbereitung und Durchführung übernimmt der zur R+V gehörende Chemie Pensionsfonds. Die Bafin muss die Vereinbarung noch abnicken.

Die Tarifparteien des Industriezweigs Chemie haben sich auf ein Branchen-Sozialpartnermodell (SPM) geeinigt. Der Startschuss soll nach Genehmigung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) noch in diesem Jahr fallen. Mit Vorbereitung und Durchführung ist die zu den R+V Versicherungen gehörende Chemie Pensionsfonds AG betraut.

Das erste Branchen-Sozialpartnermodell basiert auf einem Flächentarifvertrag, den der Bundesarbeitgeberverband Chemie e.V. (BAVC) und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) vereinbart haben.

Beschäftigte verzichten auf Garantien

Die Tarifpartner einigten sich im April auf das SPM für ihren Wirtschaftszweig (VersicherungsJournal Medienspiegel 13.4.2022, Medienspiegel 6.4.2022). Dieser auch als „Nahles-Rente“ bekannte Durchführungsweg der betrieblichen Altersversorgung (bAV) war im Rahmen des Betriebsrenten-Stärkungsgesetzes entstanden (24.11.2017).

Die von der Chemiebranche vereinbarte Betriebsrente basiert auf einer reinen Beitragszusage. Sie soll den Beschäftigten durch den Verzicht auf Garantien höhere Renditechancen ermöglichen. Profitieren werden zuerst neue Mitarbeiter in den Unternehmen der chemischen Industrie, die sich für den Pensionsfonds entscheiden.

Für die Bestandskunden der R+V-Tochter soll sich an „bestehenden Verträgen und Versorgungen“ nichts ändern, wie der genossenschaftliche Versicherer in einer Mitteilung erklärt.

Neuer Schub für das Sozialpartnermodell?

Claudia Andersch (Bild: R+V)
Claudia Andersch (Bild: R+V)

Der BAVC wertet den Abschluss als wichtigen Schritt für Arbeitgeber und Gewerkschaft, „weil wir den Chancen Vorfahrt geben vor den Garantien“, so Hauptgeschäftsführer Klaus-Peter Stiller.

„Wir gehen fest davon aus, dass die Idee des Sozialpartnermodells in Deutschland nun neuen Schub erfährt“, lässt sich Claudia Andersch, Vorstandsvorsitzende der R+V Lebensversicherung AG, zitieren.

Der Chemie Pensionsfonds ist laut Angaben der Gesellschaft mit über 120.000 Versicherten einer der großen Pensionsfonds in Deutschland. Das aktuelle Vermögen beträgt rund 1,1 Milliarden Euro. Die jährlichen Beitragseinnahmen beziffert die R+V auf circa 90 Millionen Euro.

Die Einrichtung hatte im April 2002 ihre Zulassung erhalten. Er entstand auf Initiative von IGBCE und BAVC und befindet sich seit Ende 2007 unter dem Dach der R+V (20.12.2007). Heute ist der Pensionsfonds Bestandteil des 2008 gegründeten Chemie-Versorgungswerks.

Talanx und Zurich warten bis heute auf das Okay der Bafin

Die Chemiebranche dürfte der erste Wirtschaftszweig sein, der diesen Durchführungsweg in die Praxis umsetzt. Der Talanx-Konzern versucht seit 2019 als erster Arbeitgeber in Deutschland das Sozialpartner-Modell für die eigene Belegschaft zu starten.

Produktgeber ist hier „Die Deutsche Betriebsrente“, eine Konsortiallösung der Zurich Gruppe Deutschland und der Gesellschaft in Hannover (22.2.2018). Die Zurich will ihren Mitarbeitern hierzulande ebenfalls ein Angebot unterbreiten. Das mit der Vereinten Dienstleistungs-Gewerkschaft (Verdi) ausgehandelte SPM hängt aber noch im Genehmigungsverfahren der Bafin fest (22.6.2022).

„Ich kann keinen seriösen Zeitpunkt nennen, wann wir unser Sozialpartnermodell umsetzen“, erklärte Fabian von Löbbecke, Vorstandsvorsitzender der HDI Pensionsmanagement AG und Vorstand der HDI Lebensversicherung AG, im Juni zum Stand der Dinge.

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