WERBUNG
Titel

Die Lebensversicherer mit den höchsten Stornoquoten

7.11.2022 – Die Bestandsstornoquote (Hauptversicherungen, in Relation zu den Verträgen) der deutschen Lebensversicherer ist 2021 von 2,56 auf 2,59 Prozent gestiegen. Die WGV schnitt laut dem Map-Report 926 am besten ab, die Targo am schlechtesten. Die deutlichste Verbesserung schaffte die Süddeutsche. Am stärksten verschlechterte sich die Athora.

WERBUNG

Im vergangenen Jahr ist die Bestandsstornoquote der deutschen Lebensversicherer (Hauptversicherungen, Rückkäufe und Umwandlungen in beitragsfreie Versicherungen zuzüglich sonstiger vorzeitiger Abgänge in Prozent des mittleren Vertragsbestandes des Geschäftsjahres) von 2,56 auf 2,59 gestiegen.

Der Anstieg stellt allerdings immer noch den zweitniedrigsten Wert in diesem Jahrtausend nach dem absoluten Tiefststand im Jahr zuvor dar (VersicherungsJournal 23.11.2021). Dies ist dem Mitte November erschienenen Map-Report Nummer 926 – „Bilanzrating deutscher Lebensversicherer 2021“ (2.11.2022) zu entnehmen.

Stornoquote

Bei der Stornoquote werden Rückkäufe und vorzeitige Abgänge in Beziehung zum mittleren Jahresbestand gesetzt. Diese Quote ist für den Map-Report-Chefredakteur Reinhard Klages ein wichtiger Indikator für die Qualität eines Lebensversicherers. Der „misst, wie viele Verträge, in Prozent des Bestandes, vorzeitig gekündigt werden“.

Durch die Quote werden junge, schnell wachsende Unternehmen möglicherweise benachteiligt. Denn der Nenner sei klein und in den ersten Jahren passierten viele Storni.

„Neben schlechter Beratung ist diese Kennzahl häufig auch ein Indiz für eine Strategie, die stark auf Finanzierungen oder Geldanlagen setzt. Ändern sich dann steuerliche Rahmenbedingungen oder fällt der Investitionszweck weg, wird schnell storniert“, erläutert Klages.

Der vorzeitige Abgang von Verträgen hänge allerdings auch von externen Faktoren ab, die sich dem Einflussbereich des Versicherers entzögen – so beispielsweise von der wirtschaftlichen und persönlichen Situation des Versicherungsnehmers. In der Regel nehme die Stornohäufigkeit mit zunehmender Bestandszugehörigkeit ab.

Direkt auf die Unternehmensqualität schließen lässt die Stornoquote allerdings nicht. Dies hat der Diplom-Mathematiker und Aktuar (DAV) Peter Schramm vor einiger Zeit in einem Leserbrief im VersicherungsJournal dargelegt.

Damit hat sich die Quote im Vergleich zum Höchststand im Jahr 2004 um weit über ein Drittel vermindert. Seitdem hat es nur zwei weitere Male eine Steigerung gegeben, unter anderem im Vorvorjahr (2.12.2020).

Entwicklung Stornoquote (Bild: Wichert)

Keine signifikanten Auswirkungen durch Corona

Der Map-Report hebt hervor: „Anders als vereinzelt befürchtet, hatte die Corona-Pandemie bisher scheinbar keine signifikanten Auswirkungen auf die Stornoquoten. Nach steigenden Tendenzen im Jahr 2019 – also vor Covid – waren die Stornoentwicklungen in den einzelnen Sparten wie im Vorjahr wieder fast durchweg positiv.“

Einzige Ausnahme waren die Kollektivversicherungen, bei denen die Quote um über ein Viertel auf 2,63 Prozent zunahm. In den Segmenten Fondsgebundene, Renten und Risikoleben gab es jeweils leichte Verbesserungen und im Bereich Kapitalleben eine deutliche.

Storno Sparten (Bild: Wichert)

Die Gesellschaften mit den höchsten Stornoquoten

Die 76 im Map-Report analysierten Lebensversicherungs-Gesellschaften weisen Stornoquoten zwischen 0,59 Prozent und 9,41 Prozent aus. Auf den höchsten Wert kommt die erst vor wenigen Jahren gegründete Dortmunder Lebensversicherung AG (30.6.2017) – mit einer um fast einen Prozentpunkt gestiegenen Quote.

Das Unternehmen gehört mit einem Vertragsbestand von 23.000 (plus 11,2 Prozent) und verdienten Bruttobeiträgen von 22,3 Millionen Euro (plus 16,8 Prozent) zu den kleinsten Marktteilnehmern.

Dahinter folgt die Targo Lebensversicherung AG, im Jahr zuvor das „Schlusslicht“ der Branche, mit einer erneut leicht gesunkenen Stornoquote von 8,4 Prozent.

Vergleichsweise hohe Werte zwischen sechs und vier Prozent werden für die PB Lebensversicherung AG, die Neue Leben Lebensversicherung AG, die Provinzial Rheinland Lebensversicherung AG, die Credit Life AG, die Mylife Lebensversicherung AG und die Bayern-Versicherung Lebensversicherung AG ausgewiesen.

Hohe Stornoquoten (Bild: Wichert)

Sonderfaktoren

Zur Bayern-Versicherung wird im Map-Report angemerkt: „Im Hinblick auf die Interpretation der Kennzahl bitten wir zu beachten, dass der Grund für die vergleichsweise hohe Quote des Unternehmens in einem Sondereffekt des Restkreditversicherungs-Geschäfts liegt.

Dieser ist im Wesentlichen technisch bedingt, da im Falle von Vertragsanpassungen ein stornorelevanter Geschäftsvorfall ausgelöst und ein neuer Vertrag errichtet wird. Bereinigt um das Restkreditversicherungs-Geschäft liegt die stückzahlbezogene Stornoquote zum Jahresende 2021 bei 2,0 Prozent.“

Eine ähnliche Begründung führt die Mylife für ihren vergleichsweise hohen Wert an, der sich allerdings von 7,4 über 6,6 und 5,5 auf 4,6 Prozent verminderte. Dieser wird laut Geschäftsbericht 2021 (PDF, 1,5 MB) „weiterhin wesentlich beeinflusst vom auslaufenden Bestand des Geschäftszweigs der Restschuld-Versicherungen“ (28.4.2016). Die Stornoquote im Nettogeschäft wird in dem Bericht mit 2,0 (2020: 2,6) Prozent angegeben.

14 Marktteilnehmer weisen Quoten zwischen drei und unter vier Prozent aus. 23 Anbieter liegen zwischen zwei und unter drei Prozent und 27 weitere zwischen einem und unter zwei Prozent.

Vier Akteure mit unter einem Prozent

Vier Lebensversicherer blieben unter der Marke von einem Prozent. Der niedrigste Wert wird mit knapp 0,6 Prozent für die WGV-Lebensversicherung AG ausgewiesen. Stornoquoten von unter einem Prozent hatten auch die Delta Direkt Lebensversicherung AG, die Europa Lebensversicherung AG und die Entis Lebensversicherung AG zu verzeichnen.

Dahinter folgen mit Werten von genau beziehungsweise knapp einem Prozent die Versicherer im Raum der Kirchen Lebensversicherung AG (VRK), die Bayerische Beamten Lebensversicherung a.G. und die Hannoversche Lebensversicherung AG.

Niedrige Stornoquoten (Bild: Wichert)

Bei der WGV, der Delta Direkt und der Europa hat sich die Quote leicht verbessert und bei der Entis leicht verschlechtert.

Die Akteure mit den deutlichsten Verbesserungen

Insgesamt gelang nur 18 der analysierten Lebensversicherer keine Verbesserung im Vergleich zu 2020. Die Stornoquote am stärksten gesenkt hat die Süddeutsche Lebensversicherung a.G. (minus über einen Prozentpunkt auf 3,2 Prozent).

Der Anbieter ist mit einem Umsatz von 31,8 Millionen Euro (minus 5,7 Prozent) der drittkleinste der aufgelisteten Marktteilnehmer. Ein Policenbestand von 46.100 (minus 5,5 Prozent) bedeutet Rang 73.

Ebenfalls deutliche Verminderungen schafften neben der Mylife auch die Deutsche Lebensversicherungs-AG (DLVAG) und die Provinzial Nordwest Lebensversicherung AG.

Athora mit dem stärksten Anstieg

Andererseits hatte die Run-off-Gesellschaft Athora Lebensversicherung AG die größte Steigerung zu verzeichnen (plus 2,1 Prozentpunkte auf 3,7 Prozent). Im Geschäftsbericht 2021 (PDF, 2,4 MB) gibt das Unternehmen an, dass die Stornoquote – gemessen als vorzeitiger Abgang gegen laufenden Beitrag – auf 2,91 Prozent zurückgegangen sei.

Dort wird auch ausgeführt, dass sich der gesamte Abgang um über ein Viertel auf 21.237 Versicherungsverträge erhöht hat. Ein Blick in die Auflistung „Bewegungen des Versicherungsbestandes im Geschäftsjahr 2021“ zeigt, dass sich die Anzahl der Rückkäufe und Umwandlungen in beitragsfreie Versicherungen auf 6.720 mehr als verdreifacht hat.

Die Zahl der regulären Abläufe nahm nur leicht um unter zwei Prozent auf 11.400 zu. Letztgenannter Posten bleibt damit der häufigste Abgangsgrund. Der Anteil reduzierte sich allerdings von zwei Dritteln im Jahr zuvor auf zuletzt etwas über die Hälfte. Der Anteil der Rückkäufe und Umwandlungen in beitragsfreie Versicherungen an den Abgängen insgesamt erhöhte sich hingegen von etwa einem Siebtel auf fast ein Drittel.

Vergleichsweise deutliche Steigerungen standen auch für die R+V Lebensversicherung AG (plus 1,6 Prozentpunkte auf 3,3 Prozent), die Dortmunder und die Credit Life AG (plus 0,8 Prozentpunkte auf 4,7 Prozent) zu Buche.

Veränderung (Bild: Wichert)

Bezugshinweis

Die Branchenschwergewichte gehören bis auf wenige Ausnahmen weder zu den Spitzenreitern noch zu den Schlusslichtern (7.11.2022).

Der Map-Report Nummer 926 – „Bilanzrating deutscher Lebensversicherer 2021“ ist bei der Franke und Bornberg Research GmbH erschienen. Er enthält auf 135 Seiten neben den detaillierten Ratingergebnissen auch Übersichten zu insgesamt rund zwei Dutzend Bilanzkennzahlen (Geschäftsjahr 2021) von 76 Anbietern.

Das Heft bietet auch Einzelübersichten mit acht ausgewählten Kennzahlen in der Zeitreihe von 2010 bis 2021. Es ist als E-Paper ab 305 Euro netto über die Bestellseite von Franke und Bornberg erhältlich.

WERBUNG