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Finanztest: Enorme Preisunterschiede bei Hausratpolicen

15.6.2022 – In der Juli-Ausgabe 2022 der Zeitschrift Finanztest werden 247 Hausrattarife von 98 Anbietern unter die Lupe genommen. Dabei hat die Verbraucherzeitschrift riesige Preisunterschiede ausgemacht – und vertritt die Meinung, dass bei den meisten Kunden eine Basis-Version ausreiche. Insbesondere bei Altverträgen wird zu einem Tarifwechsel geraten – mit besonderem Augenmerk auf die Absicherung grob fahrlässig herbeigeführter Schäden.

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In der aktuellen Ausgabe 7/2022 ihrer Zeitschrift Finanztest hat die Stiftung Warentest 247 Hausrattarife von 98 Anbietern untersucht. Beim Test von vor zwei Jahren waren es 157 Offerten von 61 Gesellschaften (VersicherungsJournal 18.6.2020).

Finanztest Cover (Bild: Stiftung Warentest)

Nicht unter die Lupe genommen wurden Spezialtarife für den öffentlichen Dienst. Deckungskonzepte von Maklerpools beziehungsweise -verbünden oder von Assekuradeuren sucht man vergeblich – bis auf eine Ausnahme (Asspario Versicherungsdienst AG).

Modellannahmen für den Test

Für den Vergleich hat Finanztest folgenden Modellkunden beziehungsweise -haushalt angesetzt: 40-jähriger Angestellter, 100-Quadratmeter-Eigentumswohnung in der zweiten Etage eines Mehrfamilienhauses der Bauartklasse I mit sechs Wohnungen, Neuvertrag mit einjähriger Laufzeit und jährlicher Zahlungsweise, keine Vorschäden in den letzten fünf Jahren, Tarif mit Unterversicherungs-Verzicht (Versicherungssumme in der Regel 65.000 Euro).

Als Modellort wurde einerseits 07743 Jena gewählt – stellvertretend für einen „preisgünstigen Ort mit einem geringen Einbruchsrisiko. Hier gilt die günstige Zürs- und Erdbebenzone 1“, schreibt Finanztest. Andererseits fiel die Wahl auf 47798 Krefeld. Dies ist den Angaben zufolge ein teurer Ort mit einem hohen Einbruchsrisiko; das Haus liegt ebenfalls in Zürs-Zone 1.

Als „Grundschutz“ beziehungsweise „Standardschutz“ haben die Finanztester festgelegt, dass dieser bei „Brand, Blitzschlag, Explosion/ Implosion, Einbruch/ Vandalismus, Raub, Leitungswasser, Sturm/Hagel“ greift. Zudem wird bei Überspannungsschäden bis mindestens zehn Prozent der Versicherungssumme geleistet, für Wertsachen mindestens 20 Prozent und bei einfachem Fahrraddiebstahl mindestens 1.000 Euro.

Keine konkreten Noten

In der tabellarischen Übersicht im Heft wird pro Anbieter der günstigste Tarif aufgeführt. Voraussetzung für die Nennung ist, dass keine Kürzung bei grob fahrlässiger Herbeiführung des Schadens gibt. Dies war beim Test vor sechs Jahren noch nicht so, was zu scharfer Leserkritik geführt hatte (21.9.2016). Vor vier Jahren hatten die Finanztester dann nachgebessert (14.3.2018). Insgesamt sind 80 Angebote in der aktuellen Hefttabelle enthalten.

Auf eine Bewertung der Angebote haben die Tester auch bei der aktuellen Untersuchung verzichtet. Demzufolge gibt es auch keine Testurteile beziehungsweise Noten für die einzelnen Produkte. Dafür werden in der Tabelle die konkreten Entschädigungsgrenzen für die Bereiche Wertsachen, Überspannung, Fahrrad und Vorsorgeversicherung aufgelistet.

Zudem werden folgende weitere, ohne Aufpreis versicherte Risiken aufgeführt: Außenversicherung, Hotelkosten, Lagerkosten, Einbruchdiebstahl aus Kfz beziehungsweise Schiffskabine, Diebstahl Gartenmöbel, Rauch- und Rußschäden, berufsbedingte Zweitwohnung und „Guter Nacht-Schutz für Fahrräder“.

Anhand eines Punktesystems wird hier für jeden Testkandidaten grob dargestellt, in welchem Umfang die jeweiligen Gefahren mitversichert sind. Beispiel Rauch- und Rußschäden ohne Feuer: Vier schwarz ausgefüllte Punkte werden, wenn bis zur Versicherungssumme beziehungsweise bei Wohnflächentarifen bis zur Entschädigungshöhe geleitet wird. Für bis zu 13.000 (5.000) Euro Leistung gibt es drei (zwei) schwarz ausgefüllte Punkte, für bis zu 1.000 Euro einen Punkt.

Große Preisunterschiede zwischen den Hausrat-Tarifen

„Die Preisunterschiede sind enorm“, hebt die Stiftung in der Pressemitteilung zum aktuellen Finanztest-Heft hervor. So sei das günstigste Angebot für den Modellhaushalt Jena für 52 Euro Jahresbeitrag (Docura VVaG, Tarif „Start“) erhältlich. In Krefeld ist das Angebot „Basis“ der Huk24 AG am günstigsten. Teure Verträge kosteten viermal so viel, so die Finanztester.

Laut der vollständigen Testtabelle wird der höchste Beitrag für die Offerte „Premium“ der Arag Allgemeine Versicherungs-AG fällig. Für Jena werden 258 Euro und für Krefeld 373 Euro ausgewiesen.

In der vorigen Testauflage hatten die Autoren erläutert, dass es sich bei letztgenanntem Angebot zwar um einen Premiumtarif mit mehr Leistungen handele. Diese bräuchten die meisten Versicherten aber nicht, weshalb ein Wechsel vielen Personen eine große Ersparnis bringen würde.

Tarife für Jena (Bild: Wichert)

Inklusive erweiterte Naturgefahren

Die vorgenannten Beiträge gelten für den Versicherungsschutz ohne erweiterte Naturgefahren wie etwa Starkregen, Hochwasser, Schneedruck, Erdrutsch, Vulkanausbruch oder Lawinen.

Inklusive dieser Deckung wird mit 96 Euro in Jena für den „Premium“-Schutz der Waldenburger Versicherung AG die niedrigste Prämie ausgewiesen. In Krefeld ist inklusive erweiterter Elementarschadendeckung die Police „Premium“ der Medien-Versicherung a.G. Karlsruhe (MVK) am günstigsten zu haben (98 Euro).

Tarife für Krefeld (Bild: Wichert)

Ratschläge der Finanztester

In der Testtabelle sind die jeweils fünf günstigsten Offerten farblich hervorgehoben. Im Text mit dem Titel „Schaden melden, Police behalten“ werden zudem über mehrere Seiten diverse versicherte Sachen, Gefahren und Kosten mit kurzen Erklärungen aufgelistet. Ein weiterer Abschnitt ist der Absicherung von Fahrrädern über die Hausratversicherung gewidmet.

Die Finanztester raten ferner dazu, Altverträge zu überprüfen. Zwar deckten diese die meisten Schäden ab. Allerdings seien viele neue Policen in Details besser. So seien etwa Überspannungsschäden mitversichert und die Entschädigungsgrenzen für Bargeld und Wertpapiere seien höher.

„Vor allem sehen viele neue Verträge vor, dass der Versicherer Leistungen nicht kürzt, wenn ein Kunde einen Schaden zumindest teilweise mit verursacht hat“, wird herausgestellt. Weiter erläutern die Autoren, dass viele Versicherer mehrere Tarifvarianten böten: „oft einen Basistarif mit dem Grundschutz, einen Komforttarif und einen Premiumtarif mit erweiterten Leistungen“.

Beispielhaft werden höhere Erstattungen für Hotelkosten genannt. „Für viele Kunden reicht die Basisvariante“, so die explizite Empfehlung in der Verbraucherzeitschrift.

Vermittler helfen beim nötigen Durchblick

Der Durchschnittsverbraucher dürfte sich hier aufgrund der zahlreichen (weit über 50) Fußnoten mit Einschränkungen ohne fachkundigen Rat eines Vermittlers nicht wirklich zurechtfinden und Schwierigkeiten dabei haben, einen dem individuellen Risikoprofil entsprechenden Versicherungsschutz abzuschließen.

Denn auch die im Beitrag enthaltenen Leistungen sind – wie oben erwähnt – in unterschiedlichem Umfang und bis zu unterschiedlichen Sublimits in die einzelnen Angebote eingeschlossen. Die konkreten Beträge werden durch die Verwendung des Punktesystems nicht ersichtlich. Dies dürfte auf Verbraucherseite nicht zu mehr Klarheit oder Durchblick führen.

Die Ausgabe 7/2022 von Finanztest ist für 6,50 Euro im Handel erhältlich oder kann als PDF-Datei für 5,99 Euro online erworben werden. Die elektronische Version des Artikels kann für 5,00 Euro online abgerufen werden.

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