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Schwierige Beweislage nach Sturmschaden

20.11.2020 – Kann eine Versicherte nicht schlüssig nachweisen, dass ihr Gebäude bei einem Sturm im Sinne der Versicherungs-Bedingungen beschädigt wurde, ist ihr Versicherer nicht zur Leistung verpflichtet. Das hat das Saarländische Oberlandesgericht mit Urteil vom 9. Oktober 2020 entschieden (5 U 61/19).

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Eine Hausbesitzerin hatte für ihr Wohnhaus unter anderem eine Sturmschaden-Versicherung abgeschlossen. Wie üblich, waren bedingungsgemäß Schäden versichert, die durch einen Sturm mit einer Mindestwindstärke von acht Beaufort verursacht wurden.

Angefaulte Spanplatten – Kein Sturmschaden

Die Frau behauptete, dass sich anlässlich eines Sturms vom 29. Oktober 2017 die Verkleidung an drei Kaminen auf dem Dach ihres Gebäudes gelöst habe. Ihrem Gebäudeversicherer reichte sie einen Kostenvoranschlag für „ein Bauvorhaben Sturmschaden über auszuführende Dachdecker- und Klempner-Arbeiten“ in Höhe von mehr als 4.000 Euro ein. Der beauftragte daraufhin einen Sachverständigen mit der Besichtigung des Schadens.

Dieser kam zu dem Ergebnis, dass die Kaminplatten auf den stark angefaulten Spanplatten der Unterkonstruktion letztlich keinen Halt mehr gefunden hätten. Dieser Zustand habe schon länger angehalten. Von einem Sturmschaden könne daher nicht ausgegangen werden.

Gegengutachten, aber fehlender Beweis

Die Klägerin beauftragte daraufhin einen Gutachter, der zu einem gegenteiligen Ergebnis kam. Das Problem war nur, dass der zwar behauptete, regelmäßig „Architektur-, Immobilien und Sachverständigen-Gutachten“ zu erstellen, als Sachverständiger jedoch nicht anerkannt war. Der Versicherer lehnte es daher ab, den Schaden zu regulieren.

Zur Begründung berief der Versicherer sich unter anderem darauf, dass selbst dann, wenn sich die Verkleidung anlässlich eines bedingungsgemäßen Sturms gelöst haben sollte, kein Versicherungsschutz bestehe. Denn der Schaden wäre nach Angabe des von ihm beauftragten Gutachters selbst bei einer deutlich geringeren Windstärke eingetreten. Das Gegenteil habe die Versicherte nicht beweisen können.

Kein Nachweis für Sturm

Dieser Argumentation schloss sich, ebenso wie zuvor das mit dem Fall befasste Landgericht Saarbrücken, auch das Saarländische Oberlandesgericht an. Es wies die Berufung der Versicherten gegen das ihre Klage abweisende Urteil der Vorinstanz als unbegründet zurück.

Nach Ansicht der Richter ist die Hausbesitzerin den Nachweis dafür schuldig geblieben, dass ihr Gebäude anlässlich eines Sturms von mindestens Windstärke acht Beaufort beschädigt wurde. Sie habe nicht beweisen können, dass an dem von ihr behaupteten Tag der Beschädigung am Ort des Geschehens ein derartiger Sturm gewütet habe.

Keine Entschädigung trotz Beweiserleichterung

Weil ein derartiger Nachweis von den Versicherten in der Praxis nicht immer mit der erforderlichen Gewissheit geführt werden könne, würden die Versicherungs-Bedingungen Beweiserleichterungen vorsehen. Danach könne laut dem Saarländischen Oberlandesgericht ein Sturmschadenereignis unterstellt werden:

„wenn der Versicherungsnehmer nachweist, dass entweder (a) die Luftbewegung in der Umgebung des Versicherungsgrundstücks Schäden an Gebäuden in einwandfreiem Zustand oder an ebenso widerstandsfähigen anderen Sachen angerichtet hat oder dass (b) der Schaden wegen des einwandfreien Zustands des versicherten Gebäudes oder des Gebäudes, in dem sich die versicherten Sachen befunden haben oder mit dem versicherten Gebäude baulich verbunden sind, nur durch Sturm entstanden sein kann“.

Gebäude in der Nachbarschaft nicht beschädigt

Doch auch vom Deutschen Wetterdienst eingeholte Informationen hätten keinen Hinweis darauf ergeben, dass am Tag des Schadenereignisses in der Umgebung des versicherten Gebäudes ein Sturm von mindestens acht Beaufort geherrscht habe. Eine Beschädigung von Gebäuden in ihrer Nachbarschaft habe die Klägerin ebenfalls nicht nachweisen können.

Ihr Gebäudeversicherer sei daher nicht zur Leistung verpflichtet. Die Richter sahen keine Veranlassung, eine Revision gegen ihre Entscheidung zuzulassen.

Wegen angeblicher Sturmschäden kommt es regelmäßig zum Streit zwischen Gebäudebesitzern und ihren Versicherern. Dabei gehen die Versicherten oftmals leer aus (VersicherungsJournal 23.3.2020, 20.10.2020).

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