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Stiftung Warentest warnt vor Indexpolicen

29.7.2022 – Falsche Werbeversprechen, intransparente Beteiligungs-Konstruktionen und undurchsichtige Indizes sind die zentralen Kritikpunkte der Verbraucherschützer an den Produkten zur Altersabsicherung. Untersucht wurden neun Tarife von acht Anbietern.

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„Indexpolicen sind nicht so gut, wie es das Marketing verspricht“, schreibt die Stiftung Warentest in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht auf Ihrer Internetseite. Die Verbraucherschützer stufen die Produkte als ungeeignet für die Altersvorsorge ein, sie raten davon ab.

Grundlage für diese Einschätzung ist eine Untersuchung von neun Tarifen, bei denen die für das nächste Versicherungsjahr festgelegte Überschussbeteiligung gegen eine Beteiligung an der Wertentwicklung eines Index eingetauscht werden kann. Produktgeber sind acht Anbieter.

Untersuchung beruht auf einer Modellkundin

Der Analyse liegt ein Modellfall zugrunde. Eine 37-jährige Beispielkundin schließt im Juni 2022 einen Vertrag ab und zahlt 30 Jahre lang jeden Monat 100 Euro ein. Die Rentengarantiezeit beträgt zehn Jahre, bei Ableben vor Rentenbeginn ist keine über die Auszahlung des Vertragsguthabens hinausgehende Todesfallleistung vereinbart.

Die Tester haben sich angesehen, ob die Policen für gängige Aktienindizes oder für hauseigene Aktien-, Misch- oder Strategieindizes angeboten werden. Ebenso, ob sich die Produkte an einem Kurs- oder Performance-Index orientieren und ob die Beteiligungs-Konstruktion eine Beschränkung („Cap“) vorsieht. Untersucht wurden außerdem die Partizipationsrate, die Mindestverzinsung und die Anzahl der Index-Stichtage.

Zudem wurden 100.000 zufällige Wertentwicklungen der Indizes über einen Zwölf-Monats-Zeitraum ermittelt, basierend auf den Entwicklungen der vergangenen 20 Jahre. Dadurch sind Aussagen möglich, in wie viel Prozent der 100.000 simulierten Zeiträume die Indexbeteiligung besser als die jeweilige Mindestverzinsung ausfiel.

Bei Indexpolicen sind auch Verluste möglich

Das Fazit: „Indexpolicen sind keine Alternative zu Indexfonds und ETF“, wird berichtet. Wer langfristig Vermögen mit Aktienfonds aufbauen möchte, sollte dies direkt mit einem ETF-Sparplan oder einer Fondspolice tun.

Indexpolicen würden sich eines möglicherweise einkalkulierten Missverständnisses bedienen: Denn die Anleger investierten nicht in die Aktien eines Index, sondern in ein Finanzkonstrukt. Außerdem sei es keineswegs so, dass es bei Indexpolicen keinen Verlust gebe. Die Beteiligung gleiche einer Wette.

Entweder der Kunde streiche in einem Jahr die sichere Verzinsung ein oder setze sie als Wetteinsatz für eine Indexbeteiligung ein. „Läuft die Indexbeteiligung […] schlecht, ist das eingesetzte Geld weg“, heißt es. Gerade zum Ende der Laufzeit könne dieser „Wetteinsatz“ recht hoch werden.

Kappungen und „Beteiligungsquoten“ dämpfen die Rendite

Der Erfolg einer Police hängt Stiftung Warentest zufolge vor allem von der Beteiligungs-Konstruktion ab, die zumeist auf Monatsbasis berechnet wird. Durch einen „Cap“ ist es möglich, dass eine Indexpolice mit Dax-Beteiligung auf Jahressicht eine Nullrendite einfährt, obwohl der Dax ein Plus von mehreren Prozent gemacht hat, schreiben die Tester.

Denn bei einem „Cap“ würden Monate mit Verlusten voll mitgenommen, Monate mit Gewinnen aber nur zum Teil. „Normale“ ETF-Anleger seien hingegen besser gestellt, sie profitierten voll von der Erholung.

Einige Anbieter würden statt einer Beschränkung auch eine „Beteiligungsquote“ nutzen, ein Akteur sogar beide „Renditedämpfer“. Der Nachteil: „Sinkt die Überschussbeteiligung, sinken auch Cap oder Quote. Die abnehmende Verzinsung der Lebensversicherungen trifft so auch die Indexpolicen-Sparer, die jedoch glauben könnten, vor allem vom Kapitalmarkt abhängig zu sein“, heißt es.

Tester errechneten magere Durchschnittrenditen

Die Tester wollten dennoch wissen, wie hoch die Chancen sind, bei Indexpolicen eine „ordentliche“ Rendite einzufahren. Das Ergebnis sei ernüchternd.

Betrachtet wurde unter anderem der Tarif „Allianz Index Select“ der Allianz Lebensversicherungs-AG. Hier wurde ermittelt, dass nur in 24 Prozent der Jahre – und damit im Schnitt in weniger als jedem vierten Jahr – eine positive Rendite herauskam.

Die Wahrscheinlichkeit für eine Jahresrendite über null Prozent liege dagegen beim Tarif „Klassik modern Index­Chance“ der Volkswohl Bund Lebensversicherung a.G. bei immerhin 35 Prozent, die Wahrscheinlichkeit für mehr als vier Prozent bei 25 Prozent. Dafür sei das Produkt aber vergleichsweise teuer und die garantierten Werte niedriger.

Die Simulationen ergaben für den Allianz-Vertrag eine durchschnittliche Verzinsung von 1,24 Prozent – deutlich weniger als die sichere Verzinsung von 2,6 Prozent. Beim Vertrag des Volkswohl Bund lag sie bei 3,3 Prozent – mehr als die sichere Verzinsung von 2,85 Prozent. Allerdings sei eine hohe Verzinsung auch hier keinesfalls sicher, so die Tester.

Anbieter setzen auf intransparente Indizes

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Berechnung der Indexbeteiligung auf Basis „selbst gestrickter“, hauseigener Indizes. Diese würden die Renditeentwicklung noch undurchschaubarer machen und die Möglichkeit nehmen, theoretische Renditen zu berechnen.

Für Kunden ist es den Verbraucherschützern zufolge zudem nachteilig, wenn nur Kursindizes für die Berechnung der Indexbeteiligung herangezogen werden. Hier fließen lediglich Kursbewegungen ein, nicht aber Gewinne aus Dividenden. Deshalb weisen sie eine deutlich schlechtere Wertentwicklung auf als Performance-Indizes.

Außerdem legen die Versicherer die konkrete Rentenhöhe erst fest, wenn die Rente ansteht, wird berichtet. Ein guter Vertragsverlauf bedeute also nicht unbedingt eine gute Rente.

Die Testergebnisse sind auf der Internetseite der Stiftung Warentest veröffentlicht. Hier sind allerdings Auswertungen zu 21 Produkten zu finden (Stand 28.7.2022).

Indexpolicen aus Sicht von Analysten

Während die Verbraucherschützer mit Modellen rechnen, haben sich verschiedene Analysten die zuletzt tatsächlich erzielten Vertragsverläufe angesehen.

Nach Angaben der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH schafften im vergangenen Jahr ein Viertel der Anbieter mehr als sechs Prozent Rendite (VersicherungsJournal 18.2.2022).

Die Institut für Vorsorge und Finanzplanung GmbH (IVFP) hat für 16 Gesellschaften die Performance zu allen Indexstichpunkten dokumentiert. Wegen der unterschiedlichen Stichtage seien die Ergebnisse nicht vergleichbar. Spitzenreiter waren Allianz, Lebensversicherung von 1871 a.G. München und Targo Lebensversicherung AG (9.2.2022).

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