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Versicherer: Ab Oktober deutlich mehr Firmenpleiten

30.9.2020 – Offiziell sind die Insolvenzen in Deutschland rückläufig. Doch tatsächlich dürften sie bald deutlich steigen, weil Corona-Sonderregeln für die Unternehmen auslaufen. Dann werden auch die Schäden bei den D&O-Versicherern steigen, denn 20 Prozent aller Aufwendungen entstehen aus Insolvenzen. Gleichzeitig schaffen es aber die Anwälte der Versicherer, die ursprünglichen Forderungen der Insolvenzverwalter auf ein Minimum zu reduzieren. Das geht aus einer Sondererhebung der Branche hervor.

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Die deutschen Haftpflichtversicherer rechnen mit einem deutlichen Anstieg der Insolvenzen ab Oktober 2020 und Januar 2021. Dann laufen wichtige Corona-Sonderregelungen für Firmen aus.

„Für zahlungsunfähige Unternehmen gilt ab Oktober wieder die Insolvenzantragspflicht“, erläuterte Daniel Messmer, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Directors-and-Officers-Versicherung (D&O) im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV).

20 Prozent D&O-Aufwand durch Insolvenzen

Auf Schäden aus Insolvenzen entfallen rund 20 Prozent aller Aufwendungen für die Manager-Haftpflichtversicherung (D&O). Diese Policen dürften somit wohl bald teurer werden. Die Versicherer müssen ab 2021 auch die um zehn Prozent höheren Kosten für Rechtsanwälte und Gerichte zahlen.

Geschäftsleiter haben die gesetzliche Pflicht, bei eingetretener Insolvenzreife einen Insolvenzantrag zu stellen. „Wir gehen davon aus, dass künftig deutlich mehr Insolvenzen gemeldet werden“, so Messmer. Die derzeit noch rückläufigen Zahlen seien auf die von der Bundesregierung verfügte Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für Unternehmen zurückzuführen.

Laut dem Statistischen Bundesamt wurden im 1. Halbjahr 2020 insgesamt 9.006 Firmenpleiten gemeldet. Das waren 6,2 Prozent weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Zahlungsunfähige müssen sofort reagieren

Wolfram Desch (Screenshot: Schmidt-Kasparek)
Wolfram Desch (Screenshot: Schmidt-Kasparek)

„Unternehmer, die nicht mehr liquide sind, also kein Cash mehr auf dem Konto haben, müssen ab dem 1. Oktober wieder innerhalb von drei Wochen Insolvenz anmelden“, erläuterte Dr. Wolfram Desch, Fachanwalt für Insolvenzrecht von der GvW Graf von Westphalen Rechtsanwälte Steuerberater Partnerschaft mbB auf der Video-Pressekonferenz des GDV.

Zahlungsunfähig ist ein Unternehmen, wenn es mit den ihm zur Verfügung stehenden liquiden und liquidierbaren Mitteln nicht mindestens 90 Prozent seiner fälligen und fällig werdenden Verbindlichkeiten in einem Zeitraum von drei Wochen begleichen kann.

„Dabei ist allerdings zu beachten, dass der Dreiwochenzeitraum keine grundsätzliche Frist ist. Das Gesetz sieht vor, dass unverzüglich, also ohne schuldhaftes Zögern, Insolvenzantrag gestellt werden muss“, so Desch.

Die Frist könne daher nur dann ausgenutzt werden, wenn „begründete Aussichten“ bestehen, dass die Zahlungsunfähigkeit in dieser Zeit beseitigt wird. Der Fachanwalt rät Geschäftsführern, die in einem Liquiditätsengpass stecken, die Zahlungen der Firma auf ein Mindestmaß zurückzufahren. Damit würden Geschäftsleiter ihre zivilrechtlichen Haftungsrisiken reduzieren.

Überschuldete Firmen müssen ab 2021 melden

Für überschuldete Unternehmen bleibt die Insolvenzantragspflicht bis zum 31. Dezember 2020 ausgesetzt. Überschuldet ist ein Unternehmen, wenn es nicht mehr in der Lage ist, mit den Liquidationswerten ihrer Aktiva die Verbindlichkeiten und Rückstellungen zu decken und zudem keine positive Fortführungsprognose vorliegt.

Grundsätzlich müssten Geschäftsführer bei schuldhafter Insolvenzverschleppung mit ihrem gesamten persönlichen Vermögen haften.

Manager, für die eine Directors-and-Officers-Versicherung besteht, sind hingegen geschützt. Das gilt aber nicht für alle Manager-Haftpflichtpolicen. „Schutz gibt es nur, wenn § 64 GmbHG explizit als Leistung in den Bedingungen vereinbart wurde“, erläuterte GDV-Lobbyist Messmer.

Gefährliche Altpolicen

Daniel Messmer (Archivbild: Meyer)
Daniel Messmer (Archivbild: Meyer)

In den neueren Policen sei dies aber der Fall. Gerichtsurteile, die keinen Schutz festgestellt hätten, würden sich auf ältere Bedingungswerke beziehen. Versicherungsmakler hätten darauf gedrungen, dass diese Haftungslücke für GmbH-Geschäftsführer geschlossen werde.

Nach einer GDV-Sondererhebung aus 368 abgeschlossenen D&O-Schadenfällen sollen Geschäftsführer und Vorstände nach einer Insolvenz im Durchschnitt mit sieben Millionen Euro persönlich haften.

Diese Forderung werde von Insolvenzverwaltern gestellt, die immer professioneller auftreten würden. „Daher gibt es längst keine Waffenungleichheit zwischen Versicherern und Insolvenzverwalter mehr“, erläuterte Messmer. In zwei Drittel der Schadenfälle können die D&O-Versicherer laut der GDV-Studie die Forderung ganz abwehren.

In den Haftungsfällen müssen die Versicherer im Schnitt 140.000 Euro zahlen, also nur zwei Prozent der ursprünglichen Forderung. Denn der Nachweis von Managerfehler ist oft juristisch schwierig. In der Regel würden die Verhandlungen um die Ansprüche zwei Jahre dauern.

D&O immer in roten Zahlen

Dabei fallen im Schnitt zusätzlich 30.000 Euro Anwalts- und Prozesskosten an. Nach einer Schätzung von Messmer befindet sich die D&O-Versicherung kräftig in den roten Zahlen. So würden für den Vertrieb der Managerversicherung und interne Aufwendungen Kosten von 30 bis 40 Prozent anfallen.

Kennzahlen des GDV zur Manager-Haftpflichtversicherung (D&O)

Jahr

Brutto-Beiträge *

+/- in %

Schäden **

+/- in %

Schaden-Quote

Schaden-Kosten-Quote ****

2016

259

3,3

281

3,4

99,1

129,1 bis 139,1

2017

233

-10,2

203

-27,7

85,3

115,3 bis 125,3

2018

247

5,6

252

25,0

112,9

142,9 bis 152,9

2019

262

10,1

233

-2,2

85,3

115,3 bis 125,3

Damit liegt die Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) für 2019 zwischen 115 und 125 Prozent. In den Vorjahren lag sie teilweise noch höher. Die Daten basieren auf den Meldungen von 33 Versicherungs-Unternehmen. Es bieten aber viel mehr Assekuranzen eine D&O-Versicherung an. Daher schätzt der Verband, dass die Einnahmen sich insgesamt auf 500 Millionen Euro belaufen.

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