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Versorgungswerke: Die vorgezogene Altersrente lohnt sich

26.7.2022 – In Deutschland gibt es etwa 90 Versorgungswerke, die insgesamt mehr als eine Millionen Mitglieder betreuen. Sie bieten eine vorgezogene Altersrente an. Wie sich diese gestaltet, erklärt der Versicherungsmakler und Nucleus-Vorstand Ralf Seidenstücker.

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Versorgungswerke bieten ihren Mitgliedern die Möglichkeit, den Beginn der Altersrente vorzuziehen – teilweise sogar bis zum 57. Lebensjahr. In der Regel besteht die Möglichkeit, die Rente ab dem 60. Lebensjahr zu beziehen. Bei Mitgliedern, die erst nach 2012 in das Versorgungswerk eingetreten sind, liegt die Eintrittsgrenze beim 62. Lebensjahr.

Lohnt sich der Bezug einer vorgezogenen Altersrente?

Ein Beispiel: Ein Arzt aus Bayern, geboren im November 1961 (Mitglied in der bayerischen Ärzteversorgung), erhält im Mai 2028 im Alter von 66 Jahren und sechs Monaten 2.500,00 Euro reguläre Altersrente.

Er überlegt, seine Altersrente mit dem 60. Lebensjahr beginnen zu lassen. Das würde für ihn einen Abschlag von 28,32 Prozent (für 78 Monate), das heißt, 708,00 Euro bedeuten. Die Rente reduziert sich demnach auf 1.792,00 Euro.

Erheblicher Liquiditätseffekt wird realisiert

Der Mann ist als Arzt in freier Praxis tätig und möchte ganz normal weiterarbeiten. Sein durchschnittlicher Steuersatz liegt bei 40 Prozent. Der Beitrag für das Versorgungswerk beträgt 18.948,00 Euro (17 Prozent bis zur Beitragsbemessungs-Grenze, 7,25 Prozent für darüber hinausgehende Einkommensteile).

Durch die vorgezogene Altersrente realisiert er einen erheblichen Liquiditätseffekt, da er die Beiträge zum Versorgungswerk spart und gleichzeitig vorab in den Genuss der Rente kommt. Aber: Beiträge können abgesetzt werden, Renten müssen versteuert werden.

Der steuerlich absetzbare Anteil der gezahlten Beiträge steigt jährlich um zwei Prozent an, bis im Jahr 2025 100 Prozent absetzbar sind. Im Jahr 2022 sind 94 Prozent der Beiträge absetzbar.

Zur Steuerpflicht

Die Rente ist zu versteuern. Auch hier steigt der prozentuale Anteil jährlich an, allerdings nur um ein Prozent bis zum Jahr 2040. Dann sind 100 Prozent zu versteuern. Im Jahr 2022 beträgt der steuerpflichtige Anteil 82 Prozent.

Im vollen ersten Rentenbezugsjahr wird ein Freibetrag (Rente abzüglich steuerpflichtiger Anteil) gebildet. Zukünftige Rentenerhöhungen sind zu 100 Prozent steuerpflichtig.

Je früher die Rente in Anspruch genommen wird, desto geringer ist der steuerpflichtige Anteil. Das gilt auch bei Bezug einer Teilrente, die von einigen Versorgungswerken angeboten wird. Der Netto-Liquiditätseffekt der vorgezogenen Altersrente liegt für den Arzt demnach für die einzelnen Jahre wie in der nachfolgenden Tabelle aufgeführt.

Netto-Liqiditätseffekt (Bild: VersicherungsJournal)
*in Euro; Quelle: eigene Berechnungen. Hinweis: Um es zu vereinfachen, wird hier von keiner Renten- und Beitragssteigerung ausgegangen.
(Bild: VersicherungsJournal)

Kapitalentwicklung und Auszahlungsplan

Im Jahr 2028 steht also ein Betrag von 168.534,14 Euro aus angesparten Renten und ersparten Beiträgen zur Verfügung. Dies ist der Barwert für einen monatlichen Auszahlplan.

Wie lange reicht dieser Barwert nun aus, um die entstandene Rentenlücke zur Regelaltersrente auszugleichen? Der Steuersatz im Rentenalter beträgt angenommene 33 Prozent. Die vorgezogene Netto-Altersrente beläuft sich dann auf 1.174,63, die Regelaltersrente auf 1.650,00 Euro, so dass die Differenz 475,37 Euro monatlich beziehungsweise 5.704,44 Euro jährlich beträgt.

Bei einer unterstellten Verzinsung von drei Prozent nach Steuern und einer jährlichen Steigerung von 0,5 Prozent des Auszahlungsbetrags reicht der Betrag somit über 53 Jahre aus. Wie sich das in der Kapitalentwicklung niederschlagen würde, zeigt die nachfolgende Übersicht.

Kapitalverlauf (Bild: VersicherungsJournal)
*in Euro (Bild: VersicherungsJournal)

Das hier tabellarisch gezeigte Beispiel ist selbstverständlich unrealistisch. Wenn der Arzt von einem Alter von 90 Jahren ausgeht, so erhöht sich der monatliche Auszahlungsplan auf 789,55 Euro und beträgt somit 314,18 Euro mehr, als wenn er die Regelaltersrente mit 66 Jahren und sechs Monaten nimmt. Fazit: Die vorgezogene Regelaltersrente lohnt sich!

Lesetipp: „Ruhestandsplanung für freie Berufe“
Buchcover (Bild: VersicherungsJournal)

Der vorstehende Text ist ein Auszug aus dem Buch „Ruhestandsplanung für freie Berufe – Inflationsgeschützt für das Alter vorsorgen mit dem richtigen Beratungskonzept“. Geschrieben hat es der Vermittler und Nucleus-Vorstand Ralf Seidenstücker.

In seinem Buch berichtet er über Rahmenbedingungen, Strategien und Lösungen für eine effiziente private Altersversorgung. Dazu gehören die Bestimmung von Einkommen und Ausgaben sowie die Klärung der Versorgungslage. Der Autor zeigt, wie die Zielrente errechnet wird und welche Einkommensquellen es im Ruhestand gibt. Besonderes Augenmerk wird auf den Einfluss von Inflation und Zinsentwicklung gelegt.

Im Mittelpunkt stehen anschließend die drei Optionen private Rentenversicherung, Immobilien und Aktien. Die Vor- und Nachteile dieser Instrumente werden genau beschrieben, so dass der Leser erfährt, wie er diese Produktklaviatur erfolgreich bespielen kann. Die Darstellung wird ergänzt durch zahlreiche Grafiken, Tabellen, Beispielrechnungen und Praxistipps.

Ralf Seidenstücker

Der Autor ist Versicherungsmakler, Betriebswirt und Vorstand der Nucleus Finanz- und Versicherungsmakler AG.

Gastautor

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