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Wo die Autoversicherung teurer wird

14.9.2022 – Mit der Veröffentlichung der aktuellen Regionalklassen-Statistik hat der Versichererverband bekannt gegeben, welche regionalen Tarifumstellungen auf die Autofahrer zukommen. Da die Klassengrenzen angepasst wurden, werden deutlich mehr Bezirke umgestuft als in den Vorjahren. In der Kfz-Haftpflicht hat weiterhin Berlin die schlechteste Schadenbilanz, in der Vollkasko erneut Garmisch-Patenkirchen und in der Teilkasko ein weiteres Mal Ostallgäu. Die beste Bilanz verzeichnen erneut die Zulassungsbezirke Wesermarsch (Vollkasko) und Bamberg (Teilkasko) sowie neuerdings Elbe-Elster (Kfz-Haftpflicht).

Am Dienstag hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) – wie jedes Jahr im Spätsommer – seine neue Regionalklassen-Statistik veröffentlicht. Basis für die Einstufung ist ein versicherungs-mathematisch berechneter Indexwert, der die Schadenbilanzen für die 412 Zulassungsbezirke in Deutschland wiedergibt.

Regionalklassen-Einteilung

Ein unabhängiger Treuhänder überprüft jedes Jahr die Schadenverläufe der regionalen Zulassungsbezirke. Auf dieser Basis wird eine Neueinstufung in die Regionalklassen vorgenommen, die für die Versicherungs-Unternehmen unverbindlich ist und ab sofort für Neuverträge und für bestehende Verträge zur Hauptfälligkeit angewendet werden kann. In der Regel ist dies der 1. Januar 2023, so der GDV.

Die Regionalklassen werden unter anderem beeinflusst vom Fahrverhalten der Autofahrer, von der Anzahl der zugelassenen Fahrzeuge und den örtlichen Straßenverhältnissen.

Dabei sind im Bereich Kfz-Haftpflicht nach Verbandsangaben die Versicherungsleistungen für geschädigte Dritte nach Verkehrsunfällen maßgeblich.

Im Bereich Kasko werden darüber hinaus örtliche Besonderheiten (wie etwa Diebstahlhäufigkeit, Sturm- und Hagelschäden oder die Anzahl der Wildunfälle) berücksichtigt. Entscheidend ist dabei laut GDV nicht, wo ein Schaden entstanden ist, sondern in welchem Zulassungsbezirk der Fahrzeughalter seinen Wohnsitz hat.

Zwölf Regionalklassen gibt es für die Kfz-Haftpflicht-, 16 für die Teilkasko- und neun für die Vollkaskoversicherung.

Anpassung der Klassengrenzen

Wie der GDV mitteilte, haben die Verbandsstatistiker aktuell auch die Regionalklassen neu sortiert. Zum Hintergrund erläutert GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen: „Die Regionalklassen sollen das Risiko jedes Bezirks gerecht abbilden, also Gleiches gleich und Ungleiches ungleich behandeln“.

Um in den Regionalklassen Bezirke mit möglichst ähnlichen Schadenbilanzen zu bündeln, werden die Klassengrenzen nach Verbandsangaben regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst. Dies sei nun nötig geworden, „weil zuletzt viele Bezirke mit unterschiedlichen Schadenbilanzen in die niedrigsten und höchsten Regionalklassen eingestuft waren“.

Änderungen bei der Einstufung

Am einem Beispiel erläutert der GDV das Vorgehen folgendermaßen: „Für die niedrigste Regionalklasse der Kfz-Haftpflichtversicherung muss die Schadenbilanz eines Bezirks jetzt fast 22 Prozent statt rund 15 Prozent unter dem bundesweiten Durchschnitt liegen – dadurch erreichen nur noch 24 statt 55 Bezirke die niedrigste Regionalklasse.

Am anderen Ende der Skala beginnt die höchste Einstufung nicht mehr ab 20 Prozent, sondern erst ab rund 30 Prozent über dem Schnitt – dadurch werden nicht mehr 19 Bezirke, sondern nur noch Offenbach und Berlin in die höchste Regionalklasse eingestuft. Bezirke mit einer durchschnittlichen Schadenbilanz haben in der Kfz-Haftpflichtversicherung weiterhin die Regionalklasse 6.“

Kfz-Haftpflicht (Bild: GDV)

GDV kommuniziert relative Indexveränderungen

Im Rahmen der Veröffentlichung der Regionalklassen-Statistik kommunizierte der Versichererverband – anders als in den Vorjahren (26.8.2021, 26.8.2020) – nicht die konkreten Umstufungen der Zulassungsbezirke. Der GDV informierte vielmehr darüber, dass die Risikobewertung in der Kfz-Haftpflicht für 244 Bezirke mit 26,8 Millionen Kfz-Haftpflichtversicherten nahezu unverändert geblieben sei.

Gemeint ist damit, dass sich die oben erwähnte Schadenbilanz (Schadenindex) nicht um mehr als 2,5 Prozent nach oben oder unten verändert hat. Abweichungen um mehr als 2,5 Prozent beim Schadenindex gab es somit für 168 der bundesweit 412 Bezirke.

In 101 Zulassungsbezirken mit etwa 10,1 Millionen Fahrern stieg der Indexwert nach Verbandsangaben um mehr als 2,5 Prozent an. In 67 Bezirken mit circa 5,5 Millionen Autofahrern sank der Schadenindex um mehr als 2,5 Prozent.

Dies ist allerdings nicht mit der Umstufung in eine höhere oder niedrigere Regionalklasse gleichzusetzen. Beispiel Wolfsburg: Der Schadenindex sank von 97,36 auf 94,06 Zähler (minus 3,4 Prozent) – dennoch bleibt es bei der Einstufung in Regionalklasse 5. Weiteres Beispiel: In Kitzingen sank der Index von auf 93,40 auf 90,82 (minus 2,8 Prozent). Der Bezirk wird künftig aber mit Regionalklasse vier eine Stufe schlechter eingruppiert.

Kfz-Haftpflicht: 274 Bezirke werden umgestuft

Tatsächlich in eine neue Regionalklasse (Kfz-Haftpflicht) eingestuft wurde – vor allem wegen der neuen Klassengrenzen – mit 274 die große Mehrheit der Zulassungsbezirke. Nur für 138 Bezirke bleibt alles beim Alten.

Dies geht aus zusätzlichem Datenmaterial hervor, dass der GDV der VersicherungsJournal-Redaktion zur Verfügung gestellt hat. Dabei ging es für 171 Zulassungsbezirke in eine schlechtere (höhere) Regionalklasse und für 103 Bezirke in eine bessere (niedrigere) Regionalklasse.

Um jeweils zwei Klassen besser eingruppiert sind Düsseldorf, Frankfurt/Main, Fürth und Kempten/Allgäu (künftig jeweils Regionalklasse 10), Ulm (Regionalklasse 9), Erding, Fürstenfeldbruck, Neumarkt/Oberpfalz und Wetzlar (jeweils Regionalklasse 8), Baden-Baden (Regionalklasse 7) sowie Kelheim (Regionalklasse 6).

Um drei Klassen schlechter eingestuft wurde Holzminden (künftig Regionalklasse 5). Um jeweils zwei Stufen schlechter eingruppiert werden insgesamt 32 Zulassungsbezirke.

Kfz-Haftpflicht: Die Bezirke mit den höchsten/ niedrigsten Indexwerten

In der Top Fünf mit den niedrigsten Indexwerten finden sich die gleichen Zulassungsbezirke wieder wie für 2022 – allerdings in anderer Reihenfolge. An der Spitze liegt nun der Kreis Elbe-Elster (von vier auf eins).

Dahinter folgen Ludwigslust-Parchim (weiterhin an zweiter Stelle) und Prignitz (von eins auf drei). An vierter (2022: dritter) Position folgt der Bezirk Mecklenburgische Seenplatte vor Ostprignitz-Ruppin (erneut auf Platz fünf).

Der höchste Indexwert steht nach wie vor für Berlin zu Buche. Dahinter folgen erneut Offenbach, Kassel und Wiesbaden vor neuerdings der Hansestadt Hamburg. Die drei letztgenannten Bezirke finden sich künftig in Regionalklasse elf wieder.

Kfz-Haftpflicht (Bild: Wichert)

Kaum Verbesserungen in Vollkasko

In Vollkasko gibt es für mehr als die Hälfte der Zulassungsbezirke (246) keine Umstufungen. 159 Bezirke werden schlechter eingruppiert, wobei sich nur Euskirchen (künftig in Regionalklasse 5) und Rosenheim (Regionalklasse 8) um zwei Stufen verschlechterten.

Sieben Bezirke verbesserten sich um jeweils eine Klasse. Zu dieser Gruppe gehören die Zulassungsbezirke Lippe, Mainz-Bingen, Oberspreewald-Lausitz und Wilhelmshaven (künftig jeweils Regionalklasse 1), Kaiserslautern (Regionalklasse 2) sowie Neustadt/Weinstraße und Wetzlar (jeweils Regionalklasse 4).

Die höchste Schadenbilanz in Vollkasko erreicht laut den GDV-Daten erneut Garmisch-Patenkirchen. Ebenfalls weiterhin in die höchste Vollkasko-Regionalklasse neun eingruppiert werden die Bezirke Ostallgäu und Berlin.

Auf den niedrigsten Indexwert in Vollkasko kommt ein weiteres Mal Wesermarsch in Brake. Dahinter folgen Emden (von fünf auf zwei), Ammerland (von zwei auf drei), Leer (von drei auf vier) und als Neueinsteiger in die Top Fünf Paderborn. 29 weitere Bezirke werden in die niedrigste Regionalklasse 1 eingestuft.

Vollkasko (Bild: Wichert)

Vergleichsweise viele Verschlechterungen in Teilkasko

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in Teilkasko. Hier bleibt für 202 Zulassungsbezirke alles beim Alten. 30 Bezirke werden um eine Klasse besser eingruppiert. Für die verbleibenden 180 Zulassungsbezirke verschlechtert sich die Regionalklasse, wobei 57 Bezirke um zwei Stufen und 15 Bezirke sogar um drei Klassen höher eingestuft werden.

Unter den neun Bezirken mit Teilkasko-Regionalklasse 1 kommt erneut Bamberg vor Erlangen auf den niedrigsten Indexwert. Von fünf auf drei nach oben geht es für Göttingen, von drei auf vier nach unten für Münster/ Westfalen. Dahinter folgt Frankenthal/ Pfalz als neues Mitglied der Top Fünf.

Am schlechtesten schneiden die Zulassungsbezirke Ostallgäu, Garmisch-Partenkirchen, Rottal/ Inn und Passau (Land) ab. Alle vier finden sich in der höchsten Regionalklasse 16 wieder.

Teilkasko (Bild: Wichert)

Regionalklassenabfrage im Internet

Die Einstufungen aller Bezirke in die Regionalklassen können auf dieser Internetseite abgefragt werden.

Wie der GDV weiter erläutert, „lässt sich über eine Veränderung bei der Regionalklasse keine Aussage über die Entwicklung des gesamten Kfz-Versicherungsbeitrages treffen“, da es noch diverse weitere Tarifmerkmale gibt. Diese können sich von Versicherer zu Versicherer zum Teil erheblich unterscheiden.

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