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Miserables Vermittler-Image erregt die Gemüter

15.9.2022 – Der Versicherungsvertreter ist laut der „Bürgerbefragung öffentlicher Dienst 2022“ des DBB das Berufsbild mit dem schlechtesten Ansehen. Die Umfrage hat ein großes Leserecho hervorgerufen.

Das Ansehen des Berufsstands der Versicherungsvertreter ist tief im Keller. Dies zeigt die jährlich seit 2007 vom DBB Beamtenbund und Tarifunion durchgeführte „Bürgerbefragung öffentlicher Dienst“. In dieser wird unter anderem auch das Ansehen bestimmter Berufsgruppen in der Bevölkerung ermittelt.

Traditionell liegen Versicherungsvertreter auf dem letzten Platz. Dies ist auch in der aktuellen Auflage nicht anders. Allerdings erzielte dieser Berufsstand das absolut schlechteste Ergebnis in der DBB-Erhebung. Nicht einmal jeder 14. der 2.013 befragten Bundesbürger bringt dem Versicherungsvertreter ein „(sehr) hohes“ Ansehen entgegen.

„Kopf hoch“

Der Artikel „Lieber Müllmann als Versicherungsvertreter“ (VersicherungsJournal 5.9.2022) hat unter den VersicherungsJournal-Lesern für großen Wirbel gesorgt und diese zu zahlreichen Zuschriften animiert. Unter anderem gab es auf der Facebook-Seite des VersicherungsJournals über ein Dutzend Kommentare. Diese decken ein breites Spektrum ab.

Eine Versicherungsagentur merkte an, dass trotzdem kein Auto ohne Versicherung fahre. „Und unsere soziale Verantwortung (Existenzsicherung) ist so hoch wie bei fast keinem anderen Beruf. Drum Kopf hoch, Kolleginnen und Kollegen“, so die Aufmunterung. Eine andere Agentur zeigte sich erschreckt, dass selbst Politiker besser angesehen seien.

Alle in einen Topf geworfen

Der Leser Max Opt stellte die Frage in den Raum: „Wieso werden wieder einmal alle Vermittler in einen Topf geworfen?“ und „Wann wird endlich angefangen, zu differenzieren?“. Er zeigte sich überzeugt, dass ein großer Teil der befragten Studienteilnehmer nicht einmal den Unterschied zwischen gebundenen und ungebundenen Versicherungsvertretern, -maklern sowie -beratern kenne, geschweige denn deren Vor- und Nachteile.

„Wahrscheinlich wird es den Initiatoren dieser Studie auch nicht besser gehen, sonst würde ja eine differenziertere Befragung entstehen. Alles in allem eine Studie mit null Wert, solange immer und immer wieder alle in einen Topf geworfen werden“, so Opt in seiner Zuschrift.

Problem mit der Ehrlichkeit

Hans-Jürgen Kaschak weist in seinem Kommentar darauf hin, dass die Beliebtheit des Versicherungs-Vermittlers seit vielen Jahrzenten am Ende derartiger Umfragen stehe. Nach seiner Ansicht geht es dabei „jedoch nicht um die Frage, ob dieser Beruf erforderlich ist oder nicht, sondern grundlegend um eine wahrgenommene und auch realisierte Unehrlichkeit der Branche insgesamt“.

So würden Berater für den Vertriebserfolg positive Schadenbilder aufbauen, die dann im Ernstfall häufig nicht so wie zuvor suggeriert erfüllt würden. Die Anbieter agierten nach den Bedingungen, wobei ein Kunde nicht verstehe, weshalb zum Beispiel bei einer Fahrzeugreparatur die Kosten einer Schraube um 50 Cent gekürzt würden. Ähnliches beobachte er auch in der privaten Krankenversicherung (PKV) immer häufiger.

Die Branche hat aus meiner Sicht ein Problem der Ehrlichkeit, welche tief verwurzelt ist und dafür sorgt, dass die Beliebtheit auf 0,0 steht.

Hans-Jürgen Kaschak

„In eine rosige Vertriebswelt gelockt“

Kaschak weist ferner darauf hin, dass die Sparer über Jahrzehnte „mit durchaus zu diskutierenden Vorsorgeprodukten“ dazu benutzt worden seien, die Aktionäre zufriedenzustellen, aber nicht die Rendite hochzuhalten.

Weitere Kritikpunkt: „Vermittler werden und wurden verbal in eine rosige Vertriebswelt gelockt, um dann festzustellen, dass diese doch nicht so rosig ausfällt, da der Kunde bei der Konkurrenz, zum Beispiel über das Autohaus, eine noch preiswertere Police desselben Ladens abschließen kann.“

Kaschaks Schlussfolgerung: „Die Branche hat aus meiner Sicht ein Problem der Ehrlichkeit, welche tief verwurzelt ist und dafür sorgt, dass die Beliebtheit auf 0,0 steht.“

Eine Frage des limbischen Systems

Susanne Richter weist in ihrem Leserbrief darauf hin, dass man bei den in der Ansehens-Rangliste weit oben stehenden Berufsvertretern Gutes erlebe. So sorge ein Arzt für die Gesundheit und die Feuerwehr komme dann, wenn es brennt. „Ein Müllmann rettet Menschen vor dem Vermüllen. Ein Krankenpfleger sorgt für Linderung und Sauberkeit, wenn man sich nicht allein helfen kann“, nennt sie als Beispiele.

„Einem Versicherungsvertreter zahle ich dafür Geld, dass die Versicherung für mich da ist, wenn ich von einem Schicksalsschlag schwer getroffen werde und auf finanzielle Hilfe angewiesen bin. Medial ausgeschlachtet wird dann, wenn nicht gezahlt wird. Was gut läuft, ist keine Nachricht wert“, so Richter.

Das sei keine Frage des Berufsbildes, sondern eine Frage des limbischen Systems. „Das braucht Belohnung und keine komplexen ‚Was-wäre-wenn-Auseinandersetzungen‘ mit offenem Ausgang“, zeigt sich die Leserbriefschreiberin überzeugt.

Sie schließt ihre Ausführungen mit folgenden Fragen: „Was wäre eigentlich, wenn es keine Versicherungen gäbe? Könnten Ärzte, Erzieher, Müllmänner, Feuerwehren, Alten- und Krankenpfleger und Piloten dann ihrer Arbeit nachgehen? Was würde in Schadenfällen passieren? Wer würde/könnte die Auswirkungen bezahlen? Wer würde dann Krankenhäuser oder Flugzeuge bauen?“

Nicht die Versicherungen sind das Problem

Rüdiger Falken hält die Frage „Was wäre eigentlich, wenn es keine Versicherungen gäbe?“ für falsch gestellt. In seiner Replik auf Richters Zuschrift erläutert er, dass nicht Versicherungen das Problem seien. Vielmehr seien es die Art des Vertriebes und der Verkaufsdruck, dem die 100.000 Versicherungsvermittler ausgesetzt seien.

Versicherungen verbrauchten sich nicht und müssten auch nicht wie Lebensmittel immer wieder neu ge- beziehungsweise verkauft werden. „Weil der Markt, wie in Deutschland, zu einem großen Teil gesättigt ist, werden Verträge eines Fremdanbieters gekündigt, um den eigenen Anbieter beim Kunden unterzubringen“, führt er weiter aus.

„Nun muss der Vermittler des Fremdanbieters einem andren den Vertrag streitig machen. Und wenn das nicht mehr genügt, werden unsinnige Versicherungen verkauft. Ein krankes Vertriebssystem“, meint Falken. Nach seiner Ansicht lässt auch die Schadenregulierung sehr zu wünschen übrig, wenn unberechtigte Kürzungen vorgenommen würden. Dies wiederum sei aber kein Vertriebsproblem.

Arbeit an Zuverlässigkeit und Qualifikation

Joachim Schiffer weist in seinem Kommentar darauf hin, dass es dringend notwendig sei, an der Zuverlässigkeit und Qualifikation des Berufsstandes Versicherungsvertreter „konzentriert weiterzuarbeiten. Hier sind die Versicherungs-Gesellschaften gefordert, ihre Vertragspartner sorgsam auszuwählen“.

Andererseits geht er davon aus, dass nur wenige der Befragten persönliche Enttäuschungen in der Zusammenarbeit mit Versicherungsvertretern hätten erleben müssen. Vielmehr sei es so, dass der konkret Befragte bestätige, mit seinem Vertreter vertrauensvoll zusammenzuarbeiten.

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