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Steht die Politik dem Vermittler im Weg oder gibt sie Rückenwind?

17.1.2023 – Aus politischen Entscheidungen erwächst für die Versicherungsbranche selten etwas Gutes, hat man den Eindruck. Der BVK beklagt, dass bestehende Regulierungen zumindest eine Mitschuld am Schwund der Vermittler haben. Und auch beim heiß diskutierten Thema „Provisionsverbot“ geht der böse Blick zu den politischen Akteuren. Die FDP wiederum stellt sich hinter die Versicherer – und auch gegen EU-Bestrebungen.

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2.081 Versicherungsvermittler weniger als noch im Vorjahr finden sich seit Beginn dieses Jahres im Vermittlerregister (VersicherungsJournal 11.1.2023). 190.708 sind noch erfasst. Der Großteil von ihnen – 109.972 Registrierte – sind gebundene Versicherungsvertreter.

Die Daten von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) besorgen nicht nur die Unternehmen, die den Fachkräftemangel so bildlich vor Augen haben, sondern auch den Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute e.V. (BVK).

Vermittlerschwund als Folge von gesetzlicher Regulierung

Michael H. Heinz (Archivbild: Brüss)
Michael H. Heinz (Archivbild: Brüss)

Der Präsident des BVK, Michael H. Heinz, erkennt einen Trend, der sich seit Jahren fortsetzt. Die übers Jahr gerechnet mehr als zwei Prozent weniger registrierten Vermittler, seien „zwar nicht viele“, reihten sich jedoch „in der jahrelangen Kontinuität des Vermittlerschwunds seit 2011, als insgesamt noch über 263.000 Versicherungsvermittler registriert waren“ mit ein.

„Heute sind es ohne die produktakzessorischen Vertreter, Makler und Honorarberater gerade einmal 185.140. Das sind rund 30 Prozent weniger. Dieser Schwund ist eine Folge der immer weiter getriebenen Regulierung und überbordenden Bürokratie, die unseren Berufsstand einschnüren“, so der BVK-Präsident.

Der Verband plädiere dafür, bestehende Gesetze und Verordnungen auf den Prüfstand zu stellen.

Die Gefahr des Provisionsverbots befeuere Fortgang aus der Branche

Öl ins Feuer gieße laut BVK beim Thema „Vermittlerschwund“ auch die wieder aufgeflammte Diskussion zum Verbot der Provisionsberatung, welches aktuell in der EU-Kommission besprochen wird (12.1.2023).

„Würde dieses beschlossen, würde es für unseren Berufsstand den Garaus bedeuten. Und das wiederum hätte fatale Folgen für den sozialpolitischen Auftrag unseres Berufsstands zur Absicherung breiter Bevölkerungskreise“, warnt Heinz.

Der ehemalige geschäftsführende Vorstand des Bundesverbandes Deutscher Versicherungsmakler e.V. (BDVM), Dr. Hans-Georg Jenssen, hatte bei einem Provisionsverbot vor „Rosinen-Pickerei“ gewarnt, mahnte gleichzeitig an, dass so ein Verbot in Brüssel „hart in der Diskussion“ stünde (31.10.2022).

Position der FDP stützt Versicherungsbranche

Rückendeckung bekommt der BVK aus der Politik.

Anja Schulz (Bild: Felix Quittenbaum)
Anja Schulz
(Bild: Felix Quittenbaum)

„Einem Provisionsverbot in der Finanzberatung stehe nach wie vor ablehnend gegenüber. Auf nationaler Ebene herrscht seit dem Anlaufen der Bafin-Konsultation Klarheit – einen Provisionsdeckel bei Lebensversicherungen wird es so nicht geben. Das begrüße ich sehr“, sagt Anja Schulz, Mitglied des Bundestags für die FDP und Berichterstatterin für Versicherungen und Kapitalmarktthemen, auf Nachfrage des VersicherungsJournals.

Sorge bereite ihr jedoch der Blick nach Brüssel. „Solch ein Verbot führt unausweichlich zu einem Rückgang des Beratungsangebotes und damit zu einer Beratungslücke bei Retail-Kunden“, so Schulz. Wie der BVK befürchtet die Politikerin eine Erschwerung der privaten Altersvorsorge, gerade für „eine möglichst breite Bevölkerungsschicht“.

„Es braucht weiterhin einen niedrigschwelligen Zugang zu qualifizierter Beratung. Daher werde ich, gemeinsam mit meiner Fraktion, weiterhin auf die Bedeutung des provisionsbasierten Modells in Deutschland hinweisen, auch auf EU-Ebene“, erklärt Schulz.