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Aktuare sind besorgt über pandemiebedingte Verwerfungen

17.11.2020 – Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Assekuranz waren das Thema des ersten Tages der Herbsttagung der Deutschen Aktuarvereinigung. Gefordert wurde unter anderem staatliche Mithilfe bei der Betriebsschließungs-Versicherung.

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Die Covid-19-Pandemie wird nach Angaben der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV) vor allem für die Industrie- und Gewerbeversicherung sowie die Kapitalanlage zur Belastungsprobe. „Durch den staatlich verordneten Lockdown über ganze Branchen hinweg kam es in der Veranstaltungsausfall- und der Betriebsschließungs-Versicherung teilweise zu einem Totalschaden bei 100 Prozent der Unternehmen“, sagte Dr. Guido Bader.

Guido Bader (Archivbild: Schmidt-Kasparek)
Guido Bader (Archivbild: Schmidt-Kasparek)

Bader, der Vorstand der Stuttgarter Versicherungsgruppe ist, betonte, dass eine derartige Ausnahmesituation nicht vorhersehbar und in dieser Form auch nicht rein privatwirtschaftlich versicherbar sei: „Denn für eine derartige Absicherung müssten sich die Prämien nach unseren Berechnungen in der Betriebsschließungs-Versicherung grob gerechnet verzehnfachen.“

Da „wohl kein Unternehmen“ einen Vertrag mit einer so hohen Prämie abschließen würde, unterstützten die Aktuare Public-Private-Partnerships für den Versicherungsschutz im Pandemiefall.

Zinsen auf extrem niedrigem Niveau einzementiert

Besorgt zeigt sich der DAV-Vorstandsvorsitzende zudem über die pandemiebedingten Verwerfungen an den Kapitalmärkten: „Die coronabedingten massiven Anstiege der Staatsverschuldungen weltweit sowie die Ankaufprogramme der Zentralbanken haben die Zinsen, insbesondere in Europa und ganz speziell in Deutschland, auf Jahrzehnte auf extrem niedrigem Niveau einzementiert.“

Allein seit Beginn der Pandemie seien die sicheren Zinsen noch einmal um 20 bis 50 Basispunkte gesunken, was sich zunehmend auch in den Solvenzquoten der Lebensversicherer widerspiegle. Darauf reagierten die Lebensversicherer mit veränderten Garantiekonzepten – sprich sie garantieren weniger Faktoren wie Zinsen oder Summen.

Überdurchschnittliche Zunahme der Sterbefälle

Hingegen seien die Auswirkungen der Pandemie auf die versicherungs-technischen Risiken der Lebensversicherer bislang überschaubar. Die Übersterblichkeit sei bislang ausgeblieben. Die Todesfallzahlen bewegten sich noch immer im normalen statistischen Schwankungsbereich, berichtete Bader weiter.

Offensichtlich unterscheidet sich damit die Klientel der Lebensversicherer vom Bevölkerungsdurchschnitt. Das Statische Bundesamt (Destatis) hat gleichwohl eine Übersterblichkeit durch die Pandemie festgestellt. Verglichen wurde die Entwicklung der Sterbefälle vom 23. März bis 3. Mai mit den Durchschnittswerten der letzten vier Jahre.

In der 15. Kalenderwoche sei die Abweichung mit knapp 2.500 Fällen oder 14 Prozent über dem Durchschnitt der Vorjahre bisher am höchsten gewesen, sagte Dr. Georg Thiel, Präsident des Statischen Bundesamtes bei der Konferenz. Den Effekt führt er im Wesentlichen auf eine überdurchschnittliche Zunahme der Sterbefälle in der Altersgruppe 80 Jahre und älter zurück.

Kunden zahlen mehrheitlich weiter

In dieser Gruppe hätten die Sterbefallzahlen in der 15. Kalenderwoche um 22 Prozent beziehungsweise knapp 2.200 Fälle über dem Durchschnitt der vier Vorjahre gelegen. Unter Berücksichtigung der Veränderungen im Altersaufbau der Bevölkerung sei die Sterberate dieser Altersgruppe am Höhepunkt der ersten Welle etwa zehn Prozent höher.

Nach Angaben der Aktuare ist bei den Lebensversicherern auch der befürchtete Mittelabfluss ausgeblieben. Nur zu Beginn der Pandemie hätten sich die Stornoquoten kurzzeitig und geringfügig erhöht. Vielmehr beantragten einige Kunden Stundungen ihrer Zahlungen oder stellten ihre Verträge für einige Monate beitragsfrei. Die Mehrheit habe ihre Zahlungen schon wieder aufgenommen. Liquiditätsrisiken hätten zu keiner Zeit bestanden, betonte Bader.

PKV leistet überproportional

Dr. Ralf Kantak stellte in seiner Stellungnahme heraus, dass die privaten Krankenversicherer (PKV) „weit mehr“ für die Bewältigung der Pandemie leisteten, als es ihrem Versichertenanteil entspreche. Der Chef des Verbandes der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband) bezifferte die Corona-bedingten Zusatzausgaben der PKV auf über eine Milliarde Euro. Zusammen mit der Beihilfe seien es fast 1,4 Milliarden Euro.

Er hob den finanziellen und qualitativen Beitrag der PKV als zweite Säule im dualen deutschen System hervor. „Wir können auch sehr selbstbewusst darauf hinweisen, dass viele Voraussetzungen für die Bewältigung der Corona-Pandemie unmittelbar von Leistungen der PKV abhängen“, so Kantak, der Chef der Süddeutsche-Versicherungsgruppe ist.

Als Beispiele nannte er die moderne Ausstattung von Laboren, die Zahl von Einbettzimmern für die Isolierung von Erkrankten und das Angebot von Video-Sprechstunden, die von den Privaten überdurchschnittlich stark finanziert beziehungsweise initiiert worden seien.

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