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Arbeitsausfälle wegen psychischer Erkrankungen auf Rekordhoch

16.9.2020 – Seelenleiden nehmen weiter deutlich zu. Das zeigt der neue Psychoreport der Krankenkasse DAK. Die Fehltage steigen auf 260 Tage pro 100 Versicherte und erreichen damit einen neuen Höchststand. Frauen und Erwerbstätige in der öffentlichen Verwaltung sind besonders betroffen. Immer häufiger treten Anpassungsstörungen auf. Die Ergebnisse sind auch für Berufsunfähigkeits-Versicherungen relevant.

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Seit 1997 untersucht die DAK-Gesundheit (DAK) das Krankenstandsgeschehen ihrer rund zwei Millionen erwerbstätig Versicherten. Noch nie verzeichnete sie so viele Fehltage und Krankheitsfälle im Bereich der psychischen Erkrankungen wie im letzten Jahr. Grundlage waren anonymisierte Daten, die von der IGS Institut GmbH ausgewertet wurden.

Nach den neuesten Zahlen des Psychoreports kletterten die Fehltage im Vergleich zu 2018 um 24 auf den neuen Rekordwert von 260 Tage pro 100 Versicherte. Damit hat sich der Wert seit Aufzeichnungsbeginn mehr als verdreifacht (239 Prozent). Die Anzahl der Fälle erhöhte sich im vergangenen Jahr von 7,0 auf 7,4 je 100 Versicherte.

Psychoreport 2020 (Bild: DAK-Gesundheit)

Frauen waren im vergangenen Jahr mit 328 Tagen je Versicherte erneut deutlich länger krankgeschrieben als Männer mit 203 Fehltagen. Außerdem traten bei ihnen psychische Probleme weiterhin viel häufiger auf als bei ihren männlichen Kollegen (9,3 zu 5,7 Fälle je 100 Versicherte). Bei beiden Geschlechtern nehmen die Ausfallzeiten mit dem Alter kontinuierlich zu.

Psychoreport 2020 (Bild: DAK-Gesundheit)

Die Diagnose Depression wird am häufigsten gestellt

Die erwerbstätig Versicherten der Krankenkasse blieben ihrem Job am häufigsten wegen einer Depression fern (105 Fehltage je 100 Versicherte). Anpassungsstörungen führten zu 59 Fehltagen. Hier verzeichnet die DAK in ihrer Studie mit 332 Prozent die größte Steigerungsrate unter den Einzel-Diagnosen seit 1997.

Auf Platz drei rangierte 2019 die Diagnose neurotische Störungen mit 26 Fehltagen je 100 Versicherte. Somatoforme Störungen und Angststörungen kamen im letzten Jahr auf jeweils 19 Fehltage.

Psychoreport 2020 (Bild: DAK-Gesundheit)

Versicherungen und Banken besser als der Durchschnitt

Die psychischen Erkrankungen verteilen sich sehr unterschiedlich auf einzelne Branchen. Die öffentliche Verwaltung verzeichnete mit 382 Tagen je Versicherte einen überproportional hohen Arbeitsausfall. Auch das Gesundheitswesen war mit 338 Tagen stark betroffen. Das Baugewerbe hatte mit 154 Tagen die wenigsten Fehlzeiten.

Die Banken und Versicherungen liegen mit 244 Tagen besser als der Durchschnitt von 260 Tagen.

Psychoreport 2020 (Bild: DAK-Gesundheit)

Eine Aufschlüsselung nach Bundesländern zeigt deutliche regionale Unterschiede. Mit 340 Fehltagen je Versicherte liegt das Saarland vorn, gefolgt von Berlin (303) und Brandenburg (301). Schlusslichter sind Sachsen (249), Bayern (221) und Baden-Württemberg (207).

Psychische Erkrankungen stellen unsere ganze Gesellschaft vor enorme Herausforderungen.

Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender DAK

DAK begrüßt Offensive der Bundesregierung

Der DAK-Vorstandschef Andreas Storm kommentiert besorgt die Ergebnisse: „Psychische Erkrankungen sind nicht nur eine große Belastung für die Betroffenen, sie stellen unsere ganze Gesellschaft vor enorme Herausforderungen.“ Er begrüße die Ankündigung der Bundesregierung, eine Offensive für psychische Gesundheit zu starten.

Das Krankheitsgeschehen wirkt sich neben der Krankenversicherung unter anderem auch auf die Absicherung der Arbeitskraft aus.

Das Analysehaus Franke und Bornberg GmbH hat kürzlich in seiner Analyse der Regulierungspraxis unter anderem festgestellt, dass Berufsunfähigkeit am häufigsten durch psychische Krankheiten und Verhaltensstörungen ausgelöst wird (VersicherungsJournal 7.8.2020).

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