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Altersarmut steigt immer stärker

1.10.2020 – Die Armutsgefährdungsquote der über 64-Jährigen hat laut Destatis seit 2005 um 4,7 Prozentpunkte auf 15,7 Prozent zugelegt. Dabei waren die Menschen in Ostdeutschland etwas weniger gefährdet als in Westdeutschland. Der Anteil der älteren Personen, die Grundsicherung beziehen, erhöhte sich von 1,7 Prozent in 2003 auf 3,2 Prozent in 2019. Der Alterungsprozess der Bevölkerung schreitet im Osten besonders stark voran.

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Die Generation der über 64-Jährigen ist immer stärker von Altersarmut bedroht. Das belegen die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis). Der Anteil der Menschen im Rentenalter, die gemessen am Bundesmedian armutsgefährdet sind, kletterte in den letzten 15 Jahren um 4,7 Prozentpunkte auf 15,7 Prozent. In keiner anderen Altersgruppe war der Anstieg so groß.

Insgesamt nahm die Armutsgefährdungsquote zwischen 2005 und 2019 um 1,2 Prozentpunkte zu und liegt mittlerweile bei 15,9 Prozent. Damit erreicht die Quote bei den Senioren annähernd das gleiche Niveau wie bei der Gesamtbevölkerung.

Armutgefährungsquoten Gesamt und Senioren (Bild: Destatis)

Die Armutsgefährdung steigt in Ost und West annähernd gleich

In den westlichen und östlichen Bundesländern (einschließlich Berlin) fällt der Anstieg der Quote bei den Älteren seit 2005 nahezu identisch aus. Der Westen legt um 4,6 Prozentpunkte auf 16,2 Prozent, der Osten um 4,9 Prozentpunkte auf 13,8 Prozent zu.

Unterschiede ergeben sich im Vergleich mit allen Altersgruppen. Im Westen verlaufen die Entwicklungen nahezu parallel. Im Osten dagegen steigt die Armutsgefährdungsquote der über 64-Jährigen, die Quote aller Bevölkerungsgruppen hingegen sinkt.

Hauptgrund dafür ist die Entwicklung bei den Männern. Ihre Armutsgefährdungsquote stieg im betrachteten Zeitraum mit 7,1 Prozentpunkten besonders deutlich. Die Frauen legten nur um 3,5 Prozentpunkte zu, starteten allerdings bei einem verhältnismäßig hohen Ausgangswert.

Das Risiko für ältere Menschen, finanziell abzurutschen, ist wie schon vor 15 Jahren auch 2019 im Saarland (18,4 Prozent) am größten. Es folgen erneut Rheinland-Pfalz (17,8 Prozent) und Bayern (17,5 Prozent). Am niedrigsten ist es aktuell in Brandenburg (12,5), Schleswig-Holstein (13,0 Prozent), Thüringen und Sachsen (jeweils 13,4 Prozent).

Rentner in den Stadtstaaten beziehen am häufigsten Grundsicherung

Immer mehr Menschen im Rentenalter sind zudem auf Sozialleistungen angewiesen. Seit Einführung der Grundsicherung im Jahr 2003 erhöhte sich ihr Anteil von 1,7 Prozent auf 3,2 Prozent im vergangenen Jahr.

Vor allem ältere Menschen, die in den Stadtstaaten leben, sind betroffen. Als mögliche Ursache nennt Destatis höhere Lebenshaltungskosten. In Hamburg (8,5 Prozent), Bremen (6,9 Prozent) und Berlin (6,6 Prozent) sind Rentner am häufigsten auf Grundsicherung angewiesen.

Dagegen schneiden die ostdeutschen Flächenländer verhältnismäßig gut ab. Hier fällt die Grundsicherungsquote deutlich geringer aus als im Westen. Sie bewegt sich zwischen 1,0 Prozent in Thüringen und 1,6 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern. Die westlichen Länder führt Nordrhein-Westfalen mit 4,3 Prozent an. Baden-Württemberg steht mit 2,5 Prozent noch am besten da.

Grundsicherung nach Ländern (Bild: Destatis)

Die Gesellschaft wird besonders im Osten immer älter

Der deutliche Anstieg der Armutsgefährdung im Osten fällt umso stärker ins Gewicht, als die Bevölkerung dort besonders stark altert. Die Gründe dafür sind unter anderem in der Abwanderung überwiegend junger Menschen in den Westen, einer geringen Zuwanderung aus dem Ausland, rückläufigen Geburtenzahlen sowie einer höheren Lebenserwartung zu suchen, führt Destatis an.

Im Ländervergleich war der Anteil der über 64-Jährigen im letzten Jahr in Sachsen-Anhalt (27 Prozent) besonders hoch. In Hamburg fiel er am niedrigsten aus (18,2 Prozent).

In allen ostdeutschen Ländern zusammen lag er im Jahr der Wiedervereinigung bei 13,8 Prozent und ist seither auf 26,0 Prozent in 2019 gestiegen. Bis 2030 erwartet Destatis eine weitere Steigerung auf mehr als 30 Prozent und ein anschließendes Verharren auf diesem Niveau.

Im Westen hat sich der Anteil der Menschen über 64 Jahren von 15,3 Prozent im Jahr 1990 auf 21,1 Prozent im letzten Jahr erhöht. Für 2030 geht Destatis von 25 Prozent und für 2040 von 28 Prozent aus. Sachsen-Anhalt und Hamburg würden bis dahin ihre Stellung als ältestes beziehungsweise jüngstes Bundesland behalten.

Auch eine kürzlich veröffentlichte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V. im Auftrag der Bertelsmann Stiftung belegt, dass in den kommenden 20 Jahren das Armutsrisiko im Alter deutlich steigen wird (VersicherungsJournal 13.9.2020).

Bezogen auf alle Bevölkerungsgruppen haben bislang Alleinerziehende und Geringverdiener seit vielen Jahren das größte Armutsrisiko (14.8.2020, 26.7.2019, 24.9.2018).

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