20.3.2026 – Eine Zeitschrift für Wirtschaftspolitik berichtet über Untersuchungsergebnisse, die „erstmals die konkreten Zusatzkosten der Elementardeckung“ in 36 Risikozonen beziffern. Die Ergebnisse verdeutlichen demnach das Dilemma, vor dem Immobilienbesitzer in Hochrisikozonen stehen: Hohe Kosten für den Einschluss von Elementarschäden führen ausgerechnet dort zu einer geringen Nachfrage, wo dieser Schutz dringend benötigt wird.
Das ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft hat für einen aktuellen Beitrag seiner Publikation Wirtschaftsdienst.eu die aktuellen Marktpreise der erweiterten Elementarschadenversicherung untersucht. Anlass hierfür waren demnach die politischen Pläne, die Versicherungsdichte dieser Policen hierzulande auszuweiten (VersicherungsJournal 4.12.2025).
Als Impuls für die laufende Diskussion wurden nach Angaben der Studienautoren „erstmals die konkreten Zusatzkosten der Elementardeckung ermittelt“ – und zwar für alle 36 Risikozonen. Hiermit beauftragte das ZBW die FB Research GmbH, die Angebotsbeiträge für 1.094 Adressen abfragte.
„Diese hohe Anzahl war wegen der großen Zahl an Tarifzonen notwendig und der Tatsache geschuldet, dass nicht jeder Versicherer auf jede Anfrage ein Angebot unterbreitete“, so das ZBW. Nur wenn ein Versicherer für eine Adresse ein Angebot sowohl mit als auch ohne Elementarschadendeckung offerierte, floss der Differenzbeitrag in die Analyse ein.

- Zu den Risikogebieten zählt das Ahrtal (Bild: Provinzial, 2021)
Musterimmobilie ohne besondere Ausstattungsmerkmale
Die einzelnen Beiträge mit und ohne Elementardeckung ermittelte FB Research über die Tarifrechner der Versicherer. Die Branchenanalysten untersuchten jeweils nur die verkaufsoffenen Tarife der Anbieter für den Vertragsbeginn zum 1. August 2025.
Dabei gingen sie von einer Musterimmobilie mit einem heutigen Wert von etwa 500.000 Euro aus. Um die Klauseln besser vergleichbar zu machen, verfügte das angegebene Mustergebäude über keine weiteren besonderen Ausstattungsmerkmale wie Nebengebäude oder eine Photovoltaikanlage.
Als Musterkunde wurde ein 33 Jahre alter Bankangestellter definiert, der seine Beiträge jährlich per Lastschrift zahlt. Angenommen wurde eine Laufzeit von einem Jahr sowie ein Selbstbehalt von höchstens 500 Euro, weil dieser Wert sehr häufig im Elementarteil vorkomme.
Die 39 günstigsten Policen mit und ohne Elementardeckung
Da jeweils die 39 günstigsten Policen mit und ohne Elementardeckung berücksichtigt wurden, ergeben sich rein rechnerisch zwar 85.332 Angebote. Doch insbesondere für die laut dem Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen (Zürs) höchste Gefährdungsklasse 4 bieten nicht alle Unternehmen einen Elementarschadenbaustein an.
Um dort überhaupt ein Angebot für den Zusatzbaustein zu erhalten, ist laut FB Research oft eine Direktionsanfrage erforderlich. Das verdeutliche, dass die Assekuranzen hier deutlich vorsichtiger agieren. Die höheren Kosten der Angebotserstellung durch individuelle Risikoprüfungen oder Besichtigungen machten diese Offerten weder für Versicherer noch für Vermittler attraktiv.
Nach einer entsprechenden Bereinigung wurden 80.687 Tarife verarbeitet. Um diese Datenmenge anschaulich zusammenzufassen, hat das ZBW eine Tabelle mit zehn Spalten und 28 Zeilen erstellt. Je Risikozone wird darin unter anderem ausgewiesen, wie viel Beitrag der Musterkunde zahlen müsste.
Anteil des Elementaraufschlags am Zahlbeitrag steigt deutlich
Demnach machten 13 Gesellschaften ein Angebot für die jeweils niedrigste Gefährdungsklasse für die Risiken Hochwasser, Starkregen und Erdbeben. Der Aufpreis für den Elementarbaustein beträgt hier im Durchschnitt 93,21 Euro und liegt je nach Anbieter zwischen 19,00 und 209,70 Euro. Den durchschnittlichen Zahlbeitrag inklusive Steuer beziffern die Studienautoren auf 608,20 Euro.
Ganz anders ist das Bild für Adressen in den jeweils höchsten Gefährdungsklassen, wo der Musterkunde durchschnittlich 2.928,45 Euro zahlt. Die einzige hier anbietende Gesellschaft berechnet einen durchschnittlichen Aufschlag für die Elementardeckung von 2.079,05 Euro.
| Risikoklasse | Anbietende Gesellschaften | Durchschnittlicher Elementaraufschlag | Zahlbeitrag mit Elementardeckung |
|---|---|---|---|
| Angaben zur Risikoklasse: Hochwasser-/Starkregen-Gefährdungsklasse, Erdbebenzone; Angaben zum Elementaraufschlag und Zahlbeitrag in Euro; Quelle: Wirtschaftsdienst.eu | |||
| 111 | 13 | 93,21 | 608,20 |
| 112 | 13 | 111,33 | 634,83 |
| 113 | 13 | 283,46 | 903,04 |
| 121 | 13 | 108,85 | 624,41 |
| 122 | 13 | 122,68 | 620,10 |
| 123 | 13 | 294,02 | 840,59 |
| 131 | 13 | 197,48 | 727,30 |
| 132 | 13 | 217,80 | 734,58 |
| 211 | 13 | 238,96 | 798,77 |
| 212 | 13 | 254,65 | 828,76 |
| 221 | 13 | 326,06 | 921,62 |
| 222 | 13 | 345,24 | 936,87 |
| 231 | 13 | 623,66 | 1.217,56 |
| 232 | 13 | 648,41 | 1.209,90 |
| 311 | 11 | 1.427,26 | 2.215,34 |
| 312 | 10 | 1.397,38 | 2.334,35 |
| 321 | 12 | 1.324,23 | 2.118,56 |
| 322 | 12 | 1.322,21 | 2.129,16 |
| 331 | 12 | 1.505,67 | 2.326,95 |
| 332 | 13 | 1.485,78 | 2.311,43 |
| 333 | 7 | 1.464,99 | 2.285,04 |
| 411 | 1 | 1.724,94 | 2.485,48 |
| 412 | 1 | 1.766,13 | 2.546,66 |
| 421 | 3 | 1.135,10 | 1.633,07 |
| 422 | 1 | 1.776,00 | 2.614,85 |
| 431 | 3 | 1.130,40 | 1.838,66 |
| 432 | 4 | 1.128,12 | 1.832,93 |
| 433 | 1 | 2.079,05 | 2.928,45 |
Der Anteil des durchschnittlichen Elementaraufschlags am Zahlbeitrag der Versicherungsprämie steigt der Auswertung zufolge mit dem Risiko deutlich an. Während der Tarifbaustein im Fall mit den drei niedrigsten Gefährdungsklassen 15 Prozent ausmacht, sind es bei den jeweils höchsten 71 Prozent.
Stark steigende Versicherungsprämien in Hochrisikozonen
„Diese Unterschiede lassen sich recht gut durch die stark ansteigende Betroffenheit der Gebäude durch Ausuferung erklären“, kommentieren die Studienautoren. „Diese erheblichen Unterschiede schlagen entsprechend auf die Beitragshöhe durch.“
Laut dem ZBW beweisen die Untersuchungsergebnisse die Warnungen vor stark steigenden Prämien in Hochrisikozonen. Dies führe „gerade dort zu einer geringen Nachfrage, wo der Schutz am dringendsten benötigt“ werde.
Hieraus leiten die Studienautoren „wirtschaftspolitische Handlungsoptionen wie gezielte Prämienentlastungen, risikoadäquate Subventionen oder eine verpflichtende Absicherung mit flankierenden Maßnahmen zur Sicherung der Bezahlbarkeit“ ab.



