6.8.2025 – Nach Feststellungen der Verbraucherzentrale Hamburg lassen sich Kostenangaben auf den Internetseiten der Anbieterinnen von Finanzdienstleistungen häufig nur schwer oder mitunter gar nicht finden. Besonders kritisch wird der Teilbereich Coaching/Mentoring angesehen. Alle untersuchten Internetseiten von Versicherungs- und Finanzanlagenvermittlerinnen verdienten ihr Geld mit Provisionen, was meistens nicht transparent kommuniziert werde. Das Finanzwissen von Frauen wird oft unterschätzt. Laut einer Studie der Allianz lag es höher als bei Männern.
Die Verbraucherzentrale Hamburg e.V. (VZHH) hat in einem Marktcheck Internetseiten von 22 Anbieterinnen von Finanzdienstleistungen für Frauen im Hinblick auf Kostentransparenz untersucht. Bei rund einem Drittel sind im Impressum Versicherungs- und Finanzanlagenvermittlerinnen als Verantwortliche genannt.
Ein seriöses Coaching-Angebot geht immer mit Kostentransparenz einher.
Sandra Klug, VZHH
Kosten sind oft nicht ausgewiesen
- Sandra Klug (Bild: Verbraucherzentrale Hamburg)
Aus Sicht der Verbraucherschützer lassen sich Kostenangaben auf den Internetseiten der Anbieterinnen häufig nur schwer oder mitunter gar nicht finden. Außerdem bemängelt die Verbraucherzentrale, dass Anbieterinnen das Geschäftsmodell hinter ihren Beratungsangeboten oft nicht frühzeitig oder transparent genug kommunizieren.
Besonders kritisch wird der Teilbereich Coaching/Mentoring eingeschätzt. Bei neun von 15 geprüften Internetseiten konnten die Verbraucherschützer keine oder keine vollständigen Angaben zu den Kosten finden. Die Verbraucherzentrale rät Frauen dazu, nur Angebote wahrzunehmen, deren Kosten eindeutig genannt und nachzuvollziehen sind.
„Haben Frauen den Eindruck, dass Kosten verschleiert oder versteckt werden, sollten sie die Finger von diesen Angeboten lassen. Ein seriöses Coaching-Angebot geht immer mit Kostentransparenz einher“, so Sandra Klug von der Verbraucherzentrale Hamburg.
Coachs mit Vermittlerstatus sollen darauf hinweisen
Kostenlose Angebote zum Beratungsgespräch oder Seminar dienten lediglich als Türöffner oder Köder für das eigentliche Produkt, nämlich kostenpflichtige Coachings oder Finanzprodukte.
„Diese sind oft nicht bedarfsgerecht, überteuert oder provisionsgetrieben“, so Klug weiter. Es wird gefordert, dass Vermittlerinnen und Vermittler von Finanzprodukten in ihrer Social-Media-Biografie auf ihren Vermittlerstatus hinweisen müssen. Nur so sei zu erkennen, welche dahinterstehenden Interessen möglicherweise verfolgt würden.
Alle untersuchten Internetseiten von Versicherungs- und Finanzanlagenvermittlerinnen verdienten ihr Geld mit Provisionen, die beim Verkauf von Finanzprodukten fließen. Begriffe wie „Mentor für Finanzen“, „Finanzcoach“ oder Ähnliches sind hier also zumindest irreführend.
Finanzwissen von Frauen wird oft unterschätzt
Das ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH Mannheim hat in einer Studie aus dem Jahr 2021 herausgefunden, dass nur 20 Prozent der Frauen Aktien besitzen. Bei Männern sind es hingegen 43 Prozent. Eine Ursache dafür: mangelndes Selbstvertrauen von Frauen in den eigenen Kenntnisstand.
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) kommt in einer Studie zur finanziellen Bildung von Erwachsenen zu dem Ergebnis, dass die Wissensunterschiede zwischen den Geschlechtern nicht besonders groß sind. Frauen beantworteten durchschnittlich 7,6 Fragen von 10 Fragen richtig. Männer im Schnitt 8,4 Fragen.
Bei einer Studie der Allianz Versicherungen zu geschlechterspezifischen Unterschieden beim Finanzwissen aus dem Jahr 2023 wurden neun Fragen gestellt. Das Ergebnis in Deutschland: Bei 22 Prozent der Frauen wurde die Finanzkompetenz als „hoch“ eingestuft – bei den Männern nur bei zehn Prozent. Eine „niedrige“ Finanzkompetenz wurde 37 Prozent der Männer und nur 20 Prozent der Frauen bescheinigt (VersicherungsJournal Medienspiegel 27.7.2023).