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Erst die Kinder krank, dann Entlassung

10.10.2019 – Eine Arbeitnehmerin, die ihre erkrankten und betreuungsbedürftigen Kinder mit zur Arbeit nimmt, weil sie niemanden für deren Betreuung gefunden hat, darf abgemahnt, aber nicht fristlos entlassen werden. Das hat das Arbeitsgericht Siegburg mit Urteil vom 4. September 2019 entschieden (3 Ca 642/19).

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Der Entscheidung lag eine Kündigungsschutzklage einer Altenpflegefachkraft zugrunde. Diese befand sich noch in der Probezeit, als ihre beiden Kinder erkrankten. Der Arzt, der die Kinder betreute, stellte eine Betreuungsbedürftigkeit der Kinder fest.

Die Frau fand niemanden, der diese Aufgabe während ihrer arbeitsbedingten häuslichen Abwesenheit durchgängig hätte übernehmen können. Daher nahm sie ihre Kinder zeitweise mit zur Arbeit.

Fristlose Kündigung

Einige Tage später erkrankte die Klägerin selbst so schwer, dass sie nicht zur Arbeit kommen konnte. Der Verdacht ihres Arztes, dass sie an einer Grippe erkrankt sei, wurde kurz darauf bestätigt.

Wenig später flatterte der Altenpflegerin ein Schreiben ihres Arbeitgebers ins Haus, mit welchem sie fristlos entlassen wurde. Seine Entscheidung begründete er damit, dass die Beschäftigte gegen ihre arbeitsvertraglichen Pflichten verstoßen habe, als sie ihre kranken Kinder mit zur Arbeit nahm.

Dem wollte das Siegburger Arbeitsgericht zwar nicht widersprechen. Es hielt die fristlose Kündigung gleichwohl für ungerechtfertigt.

Abmahnung hätte ausgereicht

Das Verhalten der Klägerin stelle zwar sowohl aus versicherungs-rechtlichen Gründen als auch wegen der bestehenden Ansteckungsgefahr für die älteren Patienten der Pflegeeinrichtung eine arbeitsrechtliche Pflichtverletzung dar.

Nach Ansicht des Gerichts hätte die Klägerin wegen ihres Verhaltens jedoch nur abgemahnt, nicht aber entlassen werden dürfen. Denn ein Grund für eine fristlose Kündigung habe unter den gegebenen Umständen nicht bestanden.

Wirklich geholfen hat der Klägerin die Entscheidung des Gerichts nicht. Da sie sich noch in der Probezeit befand, musste ihr Arbeitgeber nämlich lediglich die vereinbarte zweiwöchige Kündigungsfrist einhalten, um sie loszuwerden.

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