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Deutsche Bank steigt ins Komposit-Geschäft ein

9.10.2020 – Der Wettbewerb um die Gunst des digital aufgestellten Verbrauchers ist eröffnet: Die Deutsche Bank startete ihren Versicherungsmanager und betätigt sich als virtueller Makler für Sachversicherungen, inklusive Kfz ab Oktober. Allerdings ist das Finanzinstitut fast schon spät dran. Auch Versicherer arbeiten seit einiger Zeit an ihrem Einstieg ins klassische Bankgeschäft.

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Die Deutsche Bank AG macht ernst. Am Donnerstag stieg das Finanzinstitut in den Vertrieb von Sachversicherungen ein und brachte dafür seinen digitalen Versicherungsmanager offiziell an den Start. Hinter der Entwicklung des Tools steht die unter der Marke Friendsurance auftretende Alecto GmbH.

Wie vor zwei Jahren angekündigt, erweitert die Bank somit ihr Geschäftsmodell. Sie agiert jetzt als digitaler Makler für Sachversicherungen (VersicherungsJournal 29.8.2018, Medienspiegel 21.6.2018). Als Wettbewerber für ihren Versicherungsmanager nennen die Frankfurter in ihrer Mitteilung die „klassischen Vergleichsportale“.

Kfz-Policen ab Oktober im digitalen Vertrieb der Bank

Das Ziel des Unternehmens lautet, „den Marktanteil der Deutschen Bank im digitalen Versicherungsgeschäft deutlich auszubauen“.

Kunden des Geldinstituts können künftig über den Versicherungsmanager im Onlinebanking sowie in der App Sachversicherungen wie Haftpflicht-, Hausrat-, Wohngebäude- oder Rechtsschutz verwalten, die Leistungen vergleichen und neue Tarife abschließen. Noch im Oktober dieses Jahres soll das auch für Kfz-Policen möglich sein.

Insgesamt stehen den Kunden im Versicherungsmanager Tarife von rund 80 Gesellschaften zur Auswahl. Nach Angaben der Bank könnten Verbraucher zusätzlich ihre Verträge für Lebens- und Krankenversicherungen hochladen und so „alle ihre Policen an einem Ort digital speichern“.

Beim Schadenmanagement bietet das Finanzinstitut telefonische Beratung über ein Servicecenter, das ebenfalls in Kooperation mit Friendsurance betrieben wird.

Versicherungsbranche schläft nicht

Mit der Einführung des Versicherungsmanagers will die Deutsche Bank die Rückkehr der Bancassurance mit Hilfe der Digitalisierung realisieren. Das heißt, eine Vereinigung von Bank- und Versicherungs-Dienstleistungen in einem Allfinanzkonzern.

Mit den Plänen stehen die Frankfurter nicht alleine am Start. Fast ein Drittel der Banken in Deutschland plant, in den kommenden drei Jahren verstärkt neue Dienstleistungen anzubieten. So wollen einige große und mittlere Institute wieder die Verwaltung und die Vermittlung von Versicherungen in ihr Portfolio aufnehmen (Medienspiegel 13.1.2020).

Allerdings ist auch die Versicherungsbranche nicht untätig. Ein prominentes Beispiel dafür ist das Projekt „Iconic Finance“ der Allianz Deutschland AG (11.7.2019). Der Münchener Konzern will noch 2020 eine neue Finanzplattform starten, die den Angeboten der großen Geldhäuser Konkurrenz machen soll.

Die R+V Versicherung AG nutzt bereits das Kunden- und Datenpotenzial der Volks- und Raiffeisenbanken für den digitalen Vertrieb. Dafür kündigte das Unternehmen 2019 einen virtuellen Versicherungsmanager an (11.4.2019). Das Tool steht seit Mai des Vorjahres den 875 Volks- und Raiffeisenbanken und ihren 30 Millionen Kunden zur Verfügung (15.4.2019).

PSD2 bietet neue Chancen für Versicherer

Versicherungskonzernen wie der Allianz und der R+V spielt zusätzlich die Richtlinie PSD2 in die Hände, die das Monopol der Banken beim Zugriff auf transaktionale Kundendaten auflöst.

Banken müssen auch Drittanbietern einen standardisierten, nichtdiskriminierenden Zugang zum Konto ihrer Kunden gewähren. Voraussetzung ist dabei die Zustimmung des Endkunden. Die Bereitschaft dazu ist bei Verbrauchern gegenüber Versicherern vergleichsweise hoch (3.12.2018).

Der digitale Bancassurance-Vertriebsweg reduziert für Versicherer die bestehende Abhängigkeit von den klassischen Vertriebskanälen. Die Branche macht sich auf unterschiedlichen Wegen bereit, dieses Potenzial zu erschließen (9.9.2019).

Für die Assekuranz eröffne sich die Chance auf Risikodiversifizierung, Kostensynergien und auf schnelles Wachstumspotenzial, zum Beispiel durch den Zugang zu neuen Kundenportfolios. Diese These vertraten Martin Müller und Aljoscha Ziller, Berater bei der Managementberatung Horváth & Partners, in einem Gastbeitrag (25.7.2019).

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