Nachricht

DAK: Fehltage wegen Depressionen nehmen insgesamt zu

26.7.2019 – Deutlich mehr Arbeitnehmer lassen sich wegen psychischer Leiden krankschreiben. Das zeigt der „Psychoreport 2019“ der DAK. Als Grund dafür nennt die Krankenkasse auch, dass diese Diagnosen nicht mehr tabuisiert werden.

WERBUNG

Seit 1997 hat sich die Zahl der Krankschreibungen wegen psychischer Probleme mehr als verdreifacht. Am häufigsten fehlen Mitarbeiter im Job mit der Diagnose „Depression“. Jeder 18. Arbeitnehmer konnte deswegen 2018 nicht arbeiten gehen.

Das zeigt eine Langzeit-Untersuchung der DAK-Gesundheit. In ihrem „Psychoreport 2019“ hat die Krankenkasse die Fehltage ihrer Versicherten seit 1997 ausgewertet. Für die Analyse hat das Forschungs- und Beratungsinstitut IGES Institut GmbH die anonymisierten Daten von rund 2,5 Millionen erwerbstätigen DAK-Mitgliedern ausgewertet.

Fehltage wegen psychischer Krankheiten leicht rückläufig

2017 erreichten die Krankschreibungen wegen psychischer Probleme mit 250 Fehltagen pro 100 Versicherte einen neuen Negativrekord. Im Vorjahr gingen die Ausfälle leicht um 5,6 Prozent auf 236 Tage zurück, so die Autoren des Psychoreports (VersicherungsJournal 29.1.2019).

Aktuell folgen nach dem Krankheitsbild Depression (93 Fehltage) sogenannte Anpassungsstörungen (51), die nach Schicksalsschlägen auftreten können, sowie neurotische Störungen (23) und Angststörungen (16).

„Die Zunahme der Arbeitsunfähigkeiten aufgrund psychischer Erkrankungen ist seit Jahren die bei Weitem auffälligste Entwicklung im Arbeitsunfähigkeits-Geschehen“, heißt es in der Studie.

Mit Depressionen wird offener umgegangen

Den Anstieg seelischer Leiden führt die DAK auch auf mehr Offenheit im Umgang mit diesen Diagnosen zurück. „Vor allem beim Arzt-Patienten-Gespräch sind psychische Probleme heutzutage kein Tabu mehr. Deshalb wird auch bei Krankschreibungen offener damit umgegangen“, erklärte DAK-Vorstandschef Andreas Storm zu den vorliegenden Ergebnissen in einer Mitteilung.

Die Arbeitsunfähigkeit wegen Burnout nahmen allerdings 2018 im Vergleich zum Vorjahr wieder zu (5,3 Fehltage je 100 Versichert zu 4,6 Fehltage je 100 Versicherte).

Fehltage 2018 aufgrund psychischer Erkrankungen nach Wirtschaftsgruppen (Bild: DAK)
Fehltage 2018 aufgrund psychischer Erkrankungen nach Wirtschaftsgruppen (Bild: DAK)

Öffentliche Verwaltung und Gesundheitswesen führen bei Fehltagen

Bei der Branchen-Auswertung des DAK-Reports liegen bei den Krankschreibungen die „Öffentliche Verwaltung“ (358 Fehltage) sowie das „Gesundheitswesen“ mit 321 Ausfalltagen vorne. Beide Wirtschaftszweige weisen überproportional viele Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen auf.

Es folgen Verkehr, Lagerei und Kurierdienste (246) und Bildung, Kultur, Medien (228). Bei Banken und Versicherungen sind es 221. Im Schnitt über alle Branchen haben die Autoren des Psychoreports knapp 236 Fehltagen errechnet.

Saarländer haben die meisten Krankschreibungen

Auch bei der Analyse der Bundesländer stellte die Studie bei den Fehltagen durch psychische Probleme deutliche regionale Unterschiede fest. Während im Saarland im Vorjahr 312 Fehltage je 100 Versicherte mit den entsprechenden Diagnosen begründet wurden, waren es in Bayern 193.

Die Baden-Württemberger blieben mit 214 Fehltagen ihrem Arbeitsplatz fern. Bremen und Berlin belegen mit 218 und 279 Fehltagen die Plätze zwei und drei der Auswertung.

Beim Blick auf die Geschlechter zeigt sich, dass Frauen 2018 knapp doppelt so oft im Job wegen seelischer Leiden fehlten wie ihre Kollegen (298 Fehltage je 100 Versicherte gegenüber 183 Fehltage bei Männern).

BU-Leistungsfälle durch Nervenerkrankungen

Nervenerkrankungen, wozu auch psychische Erkrankungen wie Burn-out, Angststörungen oder Depressionen zählen, sind auch die häufigste Ursache für Leistungsfälle in der Berufsunfähigkeits- (BU-) Versicherung. Im Geschäftsjahr 2017 war fast jeder dritte BU-Fall auf eine solche Erkrankung zurückzuführen.

Zu diesem Ergebnis kam das Analysehaus Morgen & Morgen GmbH (M&M) im aktuellen Jahrgang des BU-Ratings „M&M Rating Berufsunfähigkeit“ (25.4.2019, 25.4.2019).

Ähnliche Erkenntnisse wies auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) auf Basis von verschiedenen Teilerhebungen unter seinen Mitgliedsunternehmen aus (30.11.2018, 29.3.2018).

BU-Report: Psychische Erkrankungen führen mit 37 Prozent

Die Swiss Life AG, Niederlassung für Deutschland stellte in ihrem aktuellen BU-Report fest, dass Frauen von psychischen oder Nervenkrankheiten deutlich häufiger als Männer betroffen sind.

Des Weiteren ergab die Analyse der Kundendaten des Versicherers, dass psychische Erkrankungen mittlerweile mit 37 Prozent die häufigste Ursache für eine BU sind. Auf dem zweiten Platz liegen Erkrankungen des Bewegungsapparats mit 24 Prozent, gefolgt von Unfällen mit knapp 14 Prozent. Das erklärte Swiss Life auf Nachfrage.