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Haftpflichtversicherung: Bis zu 50 Prozent Verlust

19.11.2020 – Mit Inter, Janitos, Mecklenburgische, R+V, VHV und dem Volkswohl Bund erzielten im vergangenen Jahr sechs der 50 größten Anbieter in der allgemeinen Haftpflichtversicherung eine kombinierte Schaden-Kosten-Quote von über 100 Prozent. Auf den schlechtesten Wert kam der Volkswohl Bund mit über 150 Prozent. Dies zeigt der jüngst erschienene „Branchenmonitor 2014-2019: Haftpflichtversicherung“ von V.E.R.S. Leipzig.

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Die Anbieter auf dem deutschen Markt in der allgemeinen Haftpflichtversicherung fuhren im Geschäftsjahr 2019 ein weiteres Mal kräftige versicherungstechnische Gewinne ein. Im Schnitt erwirtschaftete die Branche mehr als 15 Cent pro Beitragseuro. Dies ist dem „Statistischen Taschenbuch der Versicherungswirtschaft 2020“ des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) zu entnehmen.

Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote (nach Abwicklung in Relation zu den verdienten Bruttobeiträgen im inländischen Direktgeschäft) von zuletzt 84,9 Prozent bedeutet eine Verbesserung um 4,8 Prozentpunkte. Zugleich stellt dieser Wert den niedrigsten seit 2002 dar. In jenem Jahr lief es mit nicht einmal drei Cent Gewinn pro Beitragseuro am schlechtesten.

Entwicklung Combined Ration (Bild: Wichert)

Sechs Mal Verlust

Doch längst nicht alle der 50 größten Gesellschaften fuhren im vergangenen Jahr Gewinne in diesem Versicherungszweig ein. Insgesamt sechs (2018: acht; 2017: zehn) von ihnen landeten versicherungstechnisch zum Teil tief in den roten Zahlen. Dem stehen andererseits neun Anbieter gegenüber, die versicherungstechnisch mehr als 30 Cent Gewinn pro Beitragseuro schrieben (VersicherungsJournal 19.11.2020).

Dies zeigt der „Branchenmonitor 2014-2019: Haftpflichtversicherung“ von der V.E.R.S. Leipzig GmbH und der Sirius Campus GmbH. In diesem werden zahlreiche Kennzahlen der 50 größten Marktteilnehmer mit rund 91 Prozent Marktanteil dargestellt.

Volkswohl Bund mit der höchsten Combined Ratio

Die mit Abstand höchste kombinierte Schaden-Kosten-Quote wird mit über 150 Prozent für die Volkswohl Bund Sachversicherung AG ausgewiesen. Combined Ratios von jeweils um die 110 Prozent stehen für die R+V Allgemeine Versicherung AG, die Inter Allgemeine Versicherung AG und die Mecklenburgische Versicherung a.G. zu Buche.

Versicherungstechnische Verluste von jeweils rund einem Cent pro Beitragseuro schrieben im vergangenen Jahr die Janitos Versicherung AG und die VHV Allgemeine Versicherung AG.

Hohe Combinded Ratios (Bild: Wichert)

VHV mit deutlicher Verbesserung

Die Entwicklung fiel bei den sechs vorgenannten Akteuren höchst unterschiedlich aus. So haben sich die Werte bei der Inter (plus 20 Punkte), der Mecklenburgischen (plus 30 Punkte) sowie beim Volkswohl Bund (plus 50 Punkte) kräftig verschlechtert. Hingegen konnte die VHV die Quote im Vergleich zum Vorjahr (20.1.2020) um 26 Prozentpunkte verbessern.

Letztgenanntes Unternehmen steigerte das Beitragsaufkommen um über sechs Prozent auf fast 366 Millionen Euro. Als Hintergründe werden im Geschäftsbericht 2019 (PDF, 1,9 MB) „steigende Umsatz-, Lohn- und Honorarsummen sowie gezielte Bestandsmaßnahmen, insbesondere in der Berufshaftpflicht-Versicherung“ genannt.

Andererseits gingen die Bruttoaufwendungen für Schadenfälle signifikant um fast ein Viertel auf knapp 258 Millionen Euro zurück. Dadurch verminderte sich die Schadenquote um 26 Prozentpunkte auf 71,2 Prozent (Platz 47 unter den 50 im Branchenmonitor aufgeführten Marktteilnehmern).

„Nachdem im Jahr 2018 das Reserveniveau an aktualisierte unternehmensspezifische Reservierungsstandards herangeführt wurde (Abwicklungsverlust), ergibt sich für das Jahr 2019 ein positives Abwicklungsergebnis“, heißt es im Geschäftsbericht zum Hintergrund. Dort wird weiter ausgeführt, dass sich die Schadenzahl um 1,4 Prozent reduziert habe.

Volkswohl Bund mit fast verdoppelter Schadenquote

Bei Volkswohl Bund haben sich die Bruttoaufwendungen für Versicherungsfälle auf annähernd 14 Millionen Euro fast verdoppelt. Dies ist laut Geschäftsbericht 2019 (PDF, 1,1 MB) einerseits auf eine „gestiegene Großschadenbelastung und eine höhere durchschnittliche Schadenhöhe (ohne Großschäden)“ zurückzuführen.

Zudem stockte die Gesellschaft die Bruttorückstellungen insgesamt um über ein Drittel auf 27,3 Millionen Euro auf. Dadurch wuchs die Rückstellungsquote von 162,9 auf 203,5 Prozent. Zum Vergleich: Im Branchenmonitor wird ein Durchschnittswert von 258 Prozent ausgewiesen.

Alles in allem erhöhte sich die Schadenquote von 57 auf fast 106 Prozent. Dies entspricht dem mit Abstand höchsten Wert unter den aufgelisteten Markteilnehmern.

Schadenkostenquote (Bild: Wichert)

Mecklenburgische mit „außerordentlicher“ Großschadenlast

Die Mecklenburgische baute das Prämienvolumen um fast fünf Prozent auf 40,1 Millionen Euro aus. Dafür waren „neben Beitragsanpassungen auch tarifliche Änderungen in der gewerblichen und privaten Haftpflichtversicherung“ ursächlich, heißt es im Geschäftsbericht 2019 (PDF, 1,2 MB).

Die Bruttoaufwendungen für Schadenfälle nahmen mit fast 87 Prozent (auf 26,9 Millionen Euro) deutlich stärker zu – und zwar „aufgrund der außerordentlichen Belastung durch Großschadenereignisse sowohl im Privat- als auch im Gewerbebereich“. Hinzu kamen um ein Siebtel auf 80,7 Millionen Euro erhöhte Bruttorückstellungen (Quote: 201,1 Prozent).

In der Folge wuchs die Schadenquote um fast 30 Punkte auf 67,2 Prozent an. Dadurch rutschte das Unternehmen von der 22. auf die 46. Position in der Rangliste ab. Der Durchschnittswert wird in dem Monitor mit 47,6 Prozent beziffert.

Inter mit deutlich höherer Schadenquote

Bei der Inter ist die angewachsene Combined Ratio – bei einer gesunkenen Betriebskostenquote –ausschließlich auf die deutlich erhöhte Schadenquote (plus 22 Punkte auf 66,9 Prozent) zurückzuführen. Damit steht das Unternehmen kaum besser da als die Mecklenburgische und liegt knapp vor dieser an 45. Stelle.

Der Anstieg ist einerseits den um fast zwei Drittel auf 13,6 Millionen angewachsenen Bruttoaufwendungen für Versicherungsfälle geschuldet. Dieser Anstieg ist dem Geschäftsbericht 2019 (PDF, 643 KB) zufolge „auf die gesunkenen Abwicklungsergebnisse für Vorjahres-Versicherungsfälle zurückzuführen“.

Nach einem Abwicklungsgewinn von 3,35 Millionen Euro im Jahr zuvor sei 2019 – „insbesondere durch die Abwicklungsverluste im VOV-Geschäft in Höhe von 2,32 Millionen Euro“ – ein Abwicklungsverlust von insgesamt 1,57 Millionen Euro entstanden.

Der auf D&O-Policen spezialisierte Assekuradeur VOV GmbH zeichnet Geschäft für die Inter und vier weitere Anbieter (Continentale Sachversicherung AG, Generali Deutschland Versicherung AG, HDI Global Specialty SE und Nürnberger Allgemeine Versicherungs-AG).

Meist überdurchschnittlich hohe Betriebskostenquoten

Bei einem Blick auf Betriebskostenquoten (Betriebsaufwendungen (brutto direkt) in Prozent der verdienten Bruttoprämien (direkt)) der sechs Anbieter mit Combined Ratios von über 100 Prozent fällt auf, dass diese bis auf zwei Ausnahmen überdurchschnittlich hohe Werte aufweisen.

So liegen die VHV und die R+V mit jeweils knapp 30 Prozent unter dem Schnitt von 36,1 Prozent (Basis sind die 50 aufgeführten Gesellschaften). Das bedeutet die Positionen sieben und acht in der Rangliste. Die anderen vier Akteure landen mit Werten zwischen knapp 42 und über 46 Prozent ausgewiesen zwischen dem 39. und dem 47. Platz.

Betriebskostenquoten (Bild: Wichert)

Größere Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr waren nur bei der Inter zu beobachten, welche die Quote um fast drei Prozentpunkte auf unter 42,4 Prozent drückte.

Der „Branchenmonitor 2014-2019: Haftpflichtversicherung“ enthält zahlreiche weitere Kennzahlen zum Versicherungszweig sowie Daten zur Bestandskundenanalyse. Die knapp 100-seitige Studie kann als PDF-Version für brutto 783 Euro inklusive Mehrwertsteuer bei Clemens Wilde per E-Mail oder per Telefon unter 0341 24659265 bestellt werden.

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