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Vertrauensschaden-Versicherung: Immer neue Betrugsmaschen

11.9.2019 – Die Vertrauensschaden-Versicherung sollte bei jeder Risikoberatung von Firmen auf den Tisch. Denn Betrug passiert – auch hinter der Firewall – immer öfter online. Doch solche Fälle erfassen Cyberversicherungen nur teilweise. Mehr zum Thema findet sich im aktuellen VersicherungsJournal Extrablatt.

Mit einem vielfach als rassistisch empfundenen Ausfall bei einer öffentlichen Rede ist Clemens Tönnies in die Schlagzeilen geraten. Der vor allem als Aufsichtsrats-Vorsitzender des Erstligisten FC Gelsenkirchen-Schalke 04 e.V. bekannte Unternehmer ist gleichzeitig Chef beim größten Schlachter Deutschlands, der Tönnies Holding ApS & Co. KG.

Die Bande in der eigenen Belegschaft

Während Tönnies seither versucht, den verbalen Schaden durch Entschuldigungen zu glätten, hat er in einem anderen Fall bereits Nägel mit Köpfen gemacht. Als Täter eines klassischen Betrugs wurden drei Mitarbeiter des Schlachtbetriebes vom Unternehmen selbst angezeigt. Sie manipulierten die automatische Waage, fälschten Lieferscheine und rechneten für Fleischlieferungen ein deutlich höheres Gewicht ab.

Das Landgericht Bielefeld, das den Fall seit Ende Juli 2019 verhandelt, wirft den Tätern nun bandenmäßigen Betrug in 1.788 Fällen vor. Der wirtschaftliche Gesamtschaden soll knapp vier Millionen Euro betragen. Die Taten sollen laut dem Unternehmen bei internen Kontrollen entdeckt worden sein. Daraufhin hat das Unternehmen den Fall von der Staatsanwaltschaft verfolgen lassen.

Die öffentliche Anzeige könnte ein Indiz für Versicherungsschutz sein. Eine Anfrage des VersicherungsJournals, ob die Tönnies KG über einen ausreichenden Versicherungsschutz verfügt, ließ das Unternehmen unbeantwortet.

Onlinebetrug dominiert

Nicht nur „unübersichtliche“ Großfirmen sind von Mitarbeiterbetrug bedroht. Auch Kleinunternehmer können zum Opfer werden. Dies zeigt ein Fall aus einer Arztpraxis in Lünen, der im März 2019 öffentlich wurde. Dort hatte eine Buchhalterin insgesamt etwa 200.000 Euro unterschlagen. Sie nutzte Sammelüberweisungen, um den Geldfluss auf ihr eigenes Konto zu verschleiern. Die Einzelbelege wurden nicht kontrolliert.

Recht klug ging auch ein Systemadministrator eines Münchner Unternehmens vor. Mit hohem Aufwand verschleierte er seine Identität und entwendete Bitcoins – ein elektronisches Zahlungsmittel – im Wert von 180.000 Euro. Erst externe IT-Forensiker konnten den Dieb entlarven.

VSV muss immer miterläutert werden

Betrug wird immer öfter online praktiziert, zeigen die Beispiele und warnen Experten. Daher steht die Nischensparte Vertrauensschaden-Versicherung (VSV) plötzlich wieder im aktuellen Focus. Denn typische Täuschungshandlungen wie „Fake President“ oder insbesondere die Unterschlagung von Geld durch einen Mitarbeiter am PC des eigenen Unternehmens sind standardmäßig nicht in Cyberrisk-Deckungskonzepten eingeschlossen.

Daher muss künftig die VSV und Cyberschutz Hand in Hand beraten werden. Die Beratung ist dabei anspruchsvoller geworden.

Die VSV schützt vor Vermögensschäden, die durch vorsätzliche, unerlaubte Handlungen eigener Mitarbeiter entstehen. Sie sichert das Unternehmen gegen Hackerschäden und betrügerische Handlungen von Dritten.

Es gibt ein großes Marktpotenzial. Regelmäßige öffentliche Betrugsfälle sollten auch kleine und mittelgroße Unternehmen lehren, dass das Prinzip „auf Vertrauen setzen“ heute scheinbar ausgedient hat.

Wichtig: böse Absicht

Eine Obliegenheit, die viele VSV-Deckungen vorsehen, ist und bleibt für Unternehmen problematisch. So muss die Tat in einigen Fällen bei der Polizei angezeigt werden, damit die Versicherungssumme fließt. „Das gilt aber nur, wenn der Schadensstifter nicht identifiziert ist. Egal, ob es sich um einen Hacker von draußen oder einen Mitarbeiter handelt“, erläutert Sascha Wolff, Kundenbetreuer beim Versicherungsmakler Via Delcredere GmbH.

Doch es gibt eine weitere Klippe in der VSV. Schadenersatz erfolgt nur dann, wenn man sicher davon ausgehen kann, dass die unerlaubte Handlung des Mitarbeiters böswillig ausgeführt wurde, um sich zu bereichern oder das Unternehmen zu schädigen. Wer hochspekulative Anlagen kauft, aber eigentlich seinem Unternehmen etwas Gutes tun will, hat daher keinen VSV-Schaden verursacht, wenn die Anlagen „den Bach runtergehen“.

Faktor Zeit

Problematisch ist der Schadennachweis, wenn sich der Betrug über lange Zeit hingezogen hat. So ersetzte ein großer Kreditversicherer in einem spektakulären Fall lediglich 60 Prozent des Gesamtschadens in Höhe von rund 678.000 Euro.

Grund: Die Täterin, eine Controllerin einer deutschen Tochtergesellschaft in den USA, hatte, um ihre Scheckfälschungen und unbefugte Einkäufe zu decken, gleich mehrere Buchhaltungen nebeneinander geführt. Dem Mutterhaus, dem Niederlassungsleiter und der Steuerbehörde präsentierte sie stets andere Zahlen.

Als die Frau, die wahrscheinlich spielsüchtig war, aufflog, begang sie vor einem Spielcasino Selbstmord. Damit wurde die Beweislage deutlich erschwert und die Parteien einigten sich auf einen Vergleich.

Lesetipp: „Kreditversicherung – Ohne Spezialisierung spezielle Risiken decken“

Cover Dossier (Bild: VersicherungsJournal)

Die Vertrauensschaden-Versicherung wird oft zusammengefasst mit der Kreditversicherung. Das ergibt auch Sinn, denn in konjunkturell schwachen Zeiten wollen und sollten alle mehr Eventualitäten absichern, um vorhandene Reserven zu schonen.

Berichte zu dieser Thematik liefert das VersicherungsJournal Extrablatt 3|2019 „Kreditversicherung – Ohne Spezialisierung spezielle Risiken decken“. Es beschäftigt sich mit den Möglichkeiten für breit aufgestellte Versicherungsvermittler.

Mit einer Warenkredit-, Exportkredit- oder auch Investitionsgüter-Kreditversicherung können sich Lieferanten gegen die finanziellen Folgen schützen, dass ihre Abnehmer ihre Rechnung nicht bezahlen. Nach Marktschätzungen haben sich nur 15 bis 20 Prozent der mittelständischen Firmen entsprechend versichert. Im Handwerk soll die Quote sogar unter fünf Prozent liegen. Gewerbe- oder Firmenvermittler, die die Geschäftsführung beraten, müssen nach Einschätzung von Experten über diese Risiken und ihre Absicherungsmöglichkeiten aufklären.

Das Heft steht seit 26. August kostenlos als PDF-Datei zum Download im Internet zur Verfügung. Premium-Abonnementen wurden bevorzugt bedient und hatten bereits zuvor Zugriff auf die neue Ausgabe. Wer das Heft noch nicht abonniert hat, kann diese Ausgabe nur online lesen – sich aber für alle späteren Ausgaben unter diesem Link registrieren.

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