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Hintergründe zur Brancheninitiative „meinMVP“

21.11.2019 – Seit einem Jahr ist das kostenfreie Makler-Verwaltungsprogramm auf dem Markt, zuletzt ergänzt um einen Dokumentenservice. Was hinter dem Projekt steckt und wohin die Reise gehen soll, erläutert der Geschäftsführer Dr. Angelo O. Rohlfs im Interview.

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VersicherungsJournal: Sie sind neben Ihrer Aufgabe als Vertriebsvorstand der VHV Allgemeine Versicherung AG auch Geschäftsführer der Digital Broking GmbH. Wann und zu welchem Zweck wurde das Unternehmen gegründet?

Angelo O. Rohlfs (Bild: VHV)
Angelo O. Rohlfs (Bild: VHV)

Dr. Angelo O. Rohlfs: Die Digital Broking GmbH ist ein junges Start-up aus Hannover und wurde 2017 gegründet. Ziel ist es, unabhängigen Versicherungsmaklern eine digitale und professionelle Maklerverwaltung zur Verfügung zu stellen.

VersicherungsJournal: Wer sind die Gesellschafter der Firma und welche Geschäftsanteile haben sie?

Rohlfs: Die Digital Broking GmbH ist eine Tochtergesellschaft der VHV. Gemeinsam mit anderen Maklerversicherern wie Die Haftpflichtkasse, Gothaer, Hansemerkur, Itzehoer, KS/Auxilia, SDK, Stuttgarter, Swiss Life und Volkswohl Bund soll „meinMVP“ zur Brancheninitiative ausgebaut werden.

VersicherungsJournal: Sie haben im Oktober 2018 das webbasierte und kostenfreie Makler-Verwaltungsprogramm (MVP) „mein MVP“ auf den Markt gebracht. Wo sehen Sie neben den zahlreichen bereits vorhandenen Angeboten noch den Bedarf für Ihr Produkt?

Rohlfs: Wir sind in engem Austausch mit den Maklern, nehmen deren Anregungen auf, bewerten sie und setzten sie dann entsprechend um. Makler haben durch „meinMVP“ Zugriff auf den Vergleichsrechner von Franke und Bornberg und seit kurzem lassen sich mit Thinksurance, ehemals Gewerbeversicherung24, auch gewerbliche Versicherungen vergleichen und tarifieren. Diese gewährleisten eine marktweite und neutrale Angebotsübersicht der Privat- und Gewerbesparten. Das ist meines Erachtens ein echter Mehrwert für unsere Kunden.

Auf den ersten Blick sieht der Markt der MVP-Hersteller sehr groß und vielfältig aus, aber es hat eine Konsolidierung stattgefunden. Der Markt bereinigt sich. Viele Systeme sind technisch in die Jahre gekommen. Ein modernes System erfordert nachhaltige Investitionen in die Technik und die prozessuale Anbindung an Versicherer, sonst ist es nicht zukunftsfähig.

Mit der Brancheninitiative „meinMVP“ behält der Makler […] seine Unabhängigkeit.

Eine weitere Anforderung der Makler ist die Gewährleistung der Unabhängigkeit. Mit der Brancheninitiative „meinMVP“ behält der Makler seine Direktanbindungen sowie seine Unabhängigkeit. Zusammenfassend gesagt ist es als effizientes, modernes Makler-Verwaltungsprogramm mit virtuellem Beratungsexperten und neutralem Tarifvergleichsrechner ein Vorteil für Makler.

VersicherungsJournal: Wie viele Unternehmen nutzen Ihr Angebot bereits und wie und zu welchen Kosten helfen Sie beim Start, der Daten-Migration aus vorherigen beim Makler eingesetzten MVPs und der Schulung der Mitarbeiter?

Rohlfs: Seit der Einführung im Oktober 2018 haben wir mit über 3.500 registrierten Nutzern bereits eine sehr gute Marktpräsenz erzielt.

Um die Makler bei ihrem reibungslosen Start mit der Anwendung zu unterstützen, ist auf der Website Meinmvp.de ein umfassendes Service-Angebot vorhanden. In verschieden Erklärvideos werden nützliche Informationen zu einzelnen Funktionalitäten anschaulich vorgestellt und die Makler damit Schritt für Schritt bei der Anwendung unterstützt.

Darüber hinaus finden regelmäßig kostenfreie Online-Schulungen statt, die aufgezeichnet werden und auf dem „meinMVP“-Youtube-Kanal rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Dieses vielseitige und kostenlose Service-Angebot wird durch den professionellen Support per Telefon und E-Mail abgerundet.

VersicherungsJournal: Ihr Produkt wurde vom Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute e.V. (BVK) und Kubi e.V. mit dem Eisenhut-Award in Silver ausgezeichnet (VersicherungsJournal 18.6.2019). Für welche Vermittler halten Sie Ihr Angebot für bedarfsgerecht und welchen Anforderungen erfüllen Sie nicht?

Die Zielgruppe sind insbesondere Einzelmakler, kleine und mittlere Maklerbüros.

Rohlfs: Die Zielgruppe sind insbesondere Einzelmakler, kleine und mittlere Maklerbüros. Bisher noch analog arbeitende Makler ohne MVP stehen dabei besonders im Fokus: „meinMVP“ unterstützt diese Makler auf dem Weg zu einem digitalen Maklerbüro.

Mit der Markteinführung sind wir mit den Kernfunktionen gestartet und weiten das Angebot sukzessive aus. Dabei sind wir, wie bereits erwähnt, in engem Austausch mit den Maklern und orientieren uns bei unseren Angeboten an den Bedürfnissen der Zielgruppe.

VersicherungsJournal: Welche dieser Lücken wollen Sie noch schließen und wann sollen diese Funktionen fertig sein?

Rohlfs: Wir bekommen sehr viele Rückmeldungen und wertvolle Verbesserungsvorschläge der Makler, für die wir sehr dankbar sind. Aus diesen Hinweisen erstellen wir kontinuierlich Weiterentwicklungs-Maßnahmen und setzten diese um. Dies können kleine Optimierungen der Kunden- oder Vertragsansicht sein.

Die Nutzer erhalten Zugang zu elektronischen Dokumenten und Datenlieferung von circa 80 Versicherungs-Gesellschaften.

Durch eine enge Zusammenarbeit haben wir mit unserem Dienstleister Zeitsprung beispielsweise aktuell die Anbindung an den Zeitsprung-Dokumenten-Service umgesetzt. Damit erhalten die „meinMVP“-Nutzer Zugang zu elektronischen Dokumenten und Datenlieferung von circa 80 marktrelevanten Versicherungs-Gesellschaften.

Mit dieser Anbindung per Bipro-Webservice können Nutzer ab sofort Dokumente und Bestandsdaten importieren. Wir haben auch bereits erste Anforderungen an ein Kundenportal des Maklers definiert und arbeiten auch an einem Rollen- und Berechtigungskonzept für gestufte Vermittlungsverhältnisse. An guten Ideen für weitere Ausbaustufen mangelt es also nicht.

VersicherungsJournal: MVPs werden auch von Maklerpools kostenlos angeboten. Warum sollten unabhängige Vermittler Ihre Anwendung bevorzugen?

Rohlfs: Der Makler entscheidet sich für das System, das für seine Anforderungen am besten geeignet ist. „meinMVP“ ist aus den genannten Gründen mit Sicherheit für Klein- und Kleinstmakler besonders interessant. Es unterstützt Makler bei Beratung, Tarifvergleichen sowie der Verwaltung. Besonders durch die Anbindung der Tarifvergleichsrechner für Privat- und Gewerbeprodukte können Makler sich mühelos eine marktweite und neutrale Angebotsübersicht erstellen lassen. Die Bedienung des Systems ist intuitiv, sie orientiert sich am Arbeitsalltag der Makler – und es ist kostenlos.

VersicherungsJournal: Typischerweise arbeiten Makler mit mehreren Pools oder Verbünden und zudem mit einzelnen Versicherern oder Assekuradeuren zusammen. Lassen sich die aus diesen verschiedenen Quellen stammenden Daten in ein MVP problemlos integrieren und wie funktioniert dann die Kommunikation mit den verschiedenen Vertragspartnern in beide Richtungen?

Daten können von Versicherern oder Assekuradeuren über die […] Bipro-Schnittstellen oder über GDV-Daten abgerufen und verarbeitet werden.

Rohlfs: Grundsätzlich können Daten von Versicherern oder Assekuradeuren über die weitläufig bekannten Bipro-Schnittstellen oder über GDV-Daten abgerufen und verarbeitet werden, sofern sich diese an die vorgegebenen Standards halten. Dies gilt auch für Bestandsdaten von Pools und Verbünden, wenn die Daten im GDV-Format zur Verfügung gestellt werden.

Jedoch stellen nicht alle Pools und Verbünde die Daten im entsprechenden Format bereit. Die Kommunikation mit unseren Partnern und auch den übrigen Produktgebern ist für den Makler essentiell. Wir bleiben hier am Ball und werden auch die weitere Prozessautomatisierung durch Bipro-Normen im Blick behalten und umsetzen, was dem Makler durch Automatisierung Entlastungen im täglichen Betrieb verschafft.

VersicherungsJournal: Wie hoch war bisher der Entwicklungsaufwand für „mein MVP“, welche Investitionen planen Sie in den nächsten Jahren und was kostet Sie die Betrieb und Pflege des Systems?

Rohlfs: Mit den bisher getätigten Investitionen wollen wir vor allem kleinere und mittlere Maklerbüros unterstützen und bieten die Basisversion des Makler-Verwaltungsprogramms daher kostenlos an.

Wir entwickeln „meinMVP“ auch aktuell weiter. Derzeit sind knapp 40 Personen dauerhaft damit beschäftigt. Wir planen die Prozessplattform zu einer breit getragenen Brancheninitiative weiter auszubauen.

VersicherungsJournal: Trotz dieser Aufwendungen bieten Sie das Programm kostenlos an. Welchen Nutzen versprechen Sie sich davon?

Rohlfs: Der Nutzen besteht darin, dass viele Maklerbüros heutzutage noch mit Papier arbeiten und der Makler durch „meinMVP“ unterstützt wird, sein Büro zu digitalisieren. Dadurch reduziert sich der Aufwand auch für alle anderen am Vertriebsprozess und der Kundenbetreuung beteiligten Akteure.

VersicherungsJournal: Ist die Verwendung Ihres MVP durch den Vermittler von dem Fortbestehen einer ungekündigten Courtagezusage abhängig?

„MeinMVP“ setzt keine Courtagevereinbarung voraus.

Rohlfs: Nein, „meinMVP“ ist ein Sparten- und Versicherer-übergreifendes Angebot und die Nutzung setzt keine Courtagevereinbarung voraus. Es wird einzig eine gültige Vermittlerregister-Nummer benötigt.

VersicherungsJournal: Wie kann der Nutzer seine Daten aus dem System herunterladen, wenn er auf ein anderes Programm wechseln möchte?

Rohlfs: Der Nutzer hat die Möglichkeit, alle gespeicherten personenbezogenen Daten in einem strukturierten, gängigen und maschinenlesbaren Format, per Knopfdruck, erzeugen zu lassen und herunterzuladen. Des Weiteren kann der Nutzer die hinterlegten Kundendokumente aufrufen, downloaden und lokal speichern.

VersicherungsJournal: Ein Vorbehalt gegen Ihr Angebot könnte sein, dass Ihr Unternehmen als Tochter mehrerer Versicherer ein Interesse an den Daten der Makler haben könnte. Wie begegnen Sie solchen Einwänden?

Rohlfs: „meinMVP“ ist auf dem Weg zu einer breit angelegten Brancheninitiative in der Versicherungswirtschaft vergleichbar mit der Initiative Easy Login. Die Frage nach dem Datenzugriff von einzelnen Versicherungs-Unternehmen ist damit hinfällig.

Die Fragen stellte

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