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Corona beschleunigt den Umbau der Versicherer

30.9.2020 – Homeoffice an sich ist zwar noch keine Digitalisierung, doch hat es die Akzeptanz unter den Beschäftigten für so manch neue Arbeitsweise erhöht. Bei einer Fachveranstaltung plädierten Generali-Vorstand Christoph Schmallenbach und Debeka-Vorstand Roland Weber den Schwung bei den Veränderungen beizubehalten.

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„Back to normal ist der größte Fehler, den Unternehmen jetzt machen können,“ sagte Christoph Schmallenbach, Chief Business Officer Exklusivvertrieb der Generali Deutschland AG, am Dienstag bei der Versicherungsmonitor-Webkonferenz „Breakfast Lectures #1: Pandemie und Digitalisierungs-Strategie. Was hat sich geändert?“.

Durch den Lockdown seien viele Änderungen von Arbeitsweisen und Prozessen erzwungen wurden, über die zuvor nur lange diskutiert worden sei.

Geht nicht, gibt´s nicht

Christoph Schmallenbach (Screenshot: Versicherungsmonitor)
Christoph Schmallenbach
(Screenshot: Versicherungsmonitor)

Die Bewältigung der Krise schaffe bei den Mitarbeitern unter anderem ein Zufriedenheitsgefühl und stärke ihr Selbstvertrauen. Unternehmen, die ihre in der Krise gewonnenen Stärken in die Post-Corona-Zeit übertragen könnten, werden im Wettbewerb den Unterschied machen, ist er sich sicher. Man müsse die „Geht-nicht-gibt´s-nicht“-Mentalität konservieren.

Auch Debeka-Vorstand Roland Weber berichtete von einem „Schub“ für den Versicherungskonzern.

Dort werde nach wie vor überwiegend im Homeoffice gearbeitet. Mit Ausnahme einiger weniger Bereiche habe man in der Krise sogar die Produktivität steigern können.

Dabei sehe man sich in der Vollversicherung sogar einem erneuten Policierungsboom gegenüber. 2019 hatte die Debeka rund 80.000 neue Vollversicherungen geschlossen (VersicherungsJournal 4.3.2020).

Dieses Niveau könne man 2020 möglicherweise wieder erreichen.

Wachsende Akzeptanz für „New Work“

Roland Weber (Archivbild: Lier)
Roland Weber (Archivbild: Lier)

Weber hat den Eindruck, dass sich mancher Wettbewerber aus der Vollversicherung zurückzieht. In den Zusatzversicherungen verliert die Debeka eigenem Bekunden nach aber leicht Marktanteile.

Der Manager führte aus, dass es schon vor der Krise Projekte für „New Work“ gegeben habe, denen bei Befragungen aber nur ein Drittel der Mitarbeiter zugestimmt habe. Nun lasse sich beobachten, dass dank der „steilen Lernkurve“ die Akzeptanz auf 80 Prozent gewachsen sei.

Auch andere jahrelang diskutierte Kuratierungen und Vorhaben ließen sich durch ein pragmatischeres und fokussiertes Vorgehen mit Nachjustierungen schneller umsetzen.

Schmallenbach wie auch Weber betonten in ihren Vorträgen aber auch den Faktor „Mensch“. Gerade in der Krise suchten die Kunden Orientierung und Sicherheit, die eine Maschine nicht vermitteln könne, so Schmallenbach.

Der eigene Arbeitsplatz ist vielen Mitarbeitern wichtig

Feste Arbeitsplätze und physische Kontakte seien überall dort wichtig, wo es noch keine Netzwerke gebe. So sei es derzeit schwieriger, neue Außendienstkräfte und die Auszubildenden einzuarbeiten, so Schmallenbach.

Je nach Geschäftsmodell müssten die Versicherer nun auch um die neue, richtige Balance zwischen Einsatz von Mensch und Maschine ringen. Diese sei sicherlich bei einem Direktversicherer eine andere als bei einem Maklerversicherer.

Weber sprach davon, dass beim „hybriden Vertrieb“ ein großes Stück vorangekommen sei. Dabei müsse der angestellte Außendienst der Debeka nicht zu jedem Termin persönlich erscheinen. „Es ist aber wichtig, dass der Kunde und der Vermittler sich kennen, dann funktioniert vieles digital ausgezeichnet.“

Er verwies darauf, dass sein Außendienst im Mai 35.000 digitale Beratungen mit einem Abschluss durchführt hätten. Fast jeder Vollversicherte informiere sich inzwischen im Internet, zu 98 Prozent werde dann aber „Face to Face“ abgeschlossen.

Das dicke Ende kommt noch

Im Hinblick auf die Rezession und die auslaufende Kurzarbeit sagte Weber, dass man als Versicherer 2021 noch mehr Rat und Hilfe geben müsse, damit Versicherungsschutz auch in Notlagen aufrechterhalten werden kann.

Noch gebe es erst eine dreistellige Zahl an Stundungen in der privaten Krankenversicherung. In anderen Sparten laufe es ähnlich. Dagegen erlebten die Kapitalanleger, dass bereits 18 Prozent der Mieter ihre Miete nicht zahlen könnten. Die Debeka hat unter anderem in gewerbliche Immobilien investiert.

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