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Welche Bedeutung Ökosysteme für Versicherer haben

13.2.2024 – Für die Geschäftsfelder „Gesundheit“, „Mobilität“ und „Cyber“ lohnt sich der Auf- und Ausbau von Ökosystemen laut Insurlab Germany und Roland Berger. Als Erfolgsfaktoren gelten die Bereitschaft der Anbieter, Kooperationen einzugehen, die Konzentration auf die Bedürfnisse des Kunden sowie das Engagement des Managements. Erkannt haben das zum Beispiel die Generali und die Huk-Coburg.

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Seit Jahren prognostizieren Experten Ökosystemen der Versicherungswirtschaft eine großartige Zukunft (VersicherungsJournal Medienspiegel 18.4.2023). Erkennbar ist dieser Trend in der Praxis für den Kunden noch nicht.

Der Insurlab Germany e.V. und die Roland Berger GmbH haben sich zu diesem Thema in einer aktuellen Studie mit dem Titel „Ecosystems of Tomorrow“ befasst. Der Fokus lag laut Autoren auf der aktuellen Relevanz von Ökosystemen, den Zielen, die Versicherer mit ihnen verfolgen, und dem messbaren Nutzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH).

Angaben zur Studie von Insurlab und Roland Berger

Um zu analysieren, wie die Vorstände der Versicherer heute auf Ökosysteme blicken, basiert die Datenerhebung auf schriftlicher Befragung und Tiefeninterviews mit mehr als 70 Teilnehmern. Sie kommen aus unterschiedlichen Bereichen wie Vertrieb, Innovation, Verkauf, Betrieb und aus diversen Hierarchiestufen bis zum Vorstand.

Zusätzlich kamen auch Geschäftspartner der Versicherer wie Technologieanbieter, Start-ups und Makler zu Wort.

Als zentrales Merkmal von Ökosystemen beschreiben die Studienautoren die Integration und Vernetzung verschiedener Akteure, wie Versicherer, Makler, Insurtechs und anderen Dienstleistern. „Diese arbeiten zusammen, um Lösungen anzubieten, bei denen Versicherungsleistungen einen signifikanten Anteil haben“, so der vorliegende Report.

Das Ziel eines Versicherungs-Ökosystems sehen die Berater, „im Netzwerk mit anderen Akteuren eine Lösung mit Versicherungsbezug anzubieten, die über den reinen Versicherungsschutz oder das Zahlungsversprechen hinausgeht“, heißt es in den Unterlagen.

Im Fokus: Gesundheit, Mobilität und Cyber

Basierend auf den Erfahrungen und Erkenntnissen aus Gesprächen mit den Vertretern der Versicherungsbranche wurden laut der Untersuchung die Geschäftsfelder „Gesundheit“, „Mobilität“ und „Cyber“ als wegweisend identifiziert.

Als Versicherer, der Ökosysteme als relevant erachtet, nennt die Studie den Generali-Konzern. Die Italiener betonen allerdings, dass der Aufbau nur gelingen kann, wenn wichtige Voraussetzungen erfüllt seien. Dazu gehörten hohe Kundeninteraktion und die Bereitstellung von attraktivem Content.

Huk-Coburg bringt mit HDI und LVM offene Plattform an den Start

Als positives Beispiel für die DACH-Region werden die Huk-Coburg Versicherungen genannt. Denn über die Onpier GmbH betreibt die Gesellschaft gemeinsam mit der HDI Versicherung AG und dem LVM Landwirtschaftlicher Versicherungsverein Münster a.G. eine technisch offene Plattform (27.1.2023).

Onpier soll künftig Mehrwertdienste rund um die Mobilität anbieten, beispielsweise den Verkauf von Kundenfahrzeugen. Die Offerten gehen nicht direkt über die Plattform, sondern werden vom jeweiligen Versicherer über seinen Vertrieb angeboten.

Wie das jeweilige Unternehmen diese Angebote gestaltet, ist ihm überlassen. So können die Mehrwertdienste über Vermittler, Makler oder die Homepage laufen. Damit bündeln erstmals Autoversicherer gemeinsam ihre Marktmacht.

Welche Faktoren Ökosysteme der Versicherer voranbringen

In der Studie werden vier strategische Treiber für den Aufbau von Ökosystemen genannt:

  • Der Kunde: Er stellt mittlerweile hohe Erwartungen an seinen Versicherer. Firmen und Verbraucher wollen nicht mehr nur Deckungen für spezifische Risiken, sondern Lösungsmodelle, die auch die Wahrscheinlichkeit des Eintritts eines Schadens und dessen Ausmaß reduzieren.
  • Der Wettbewerb: Auch branchenfremde Unternehmen wie Automobilhersteller offerieren Garantie- und Assistance-Produkten. Im Gesundheitsbereich nehmen digitale Player zum Beispiel eine koordinative Rolle ein.
  • Technologischer Fortschritt: Die Möglichkeit des Aufbaus von Ökosystemen werde auch durch den technologischen Fortschritt samt der stärker verfügbaren Daten gefördert, so die Untersuchung.
  • Open Insurance: Mit einem offenen und standardisierten Datenaustausch, der traditionelle Branchen- und Kooperationsbarrieren aufbricht, werden neue, kundenorientierte Geschäftsmodelle und Versicherungslösungen für nahezu alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche gefördert, sind die Autoren überzeugt.

Gesundheit bietet Versicherern das höchste Potenzial

Die Befragten der Studie sehen vor allem die Bereiche Gesundheit (95 Prozent), Mobilität (80 Prozent) und Cyber (45 Prozent) für den Aufbau von Ökosystemen als relevant an.

Prädestiniert sei das Geschäftsfeld Cyber aus folgendem Grund: Die Expertisen für eine Adressierung der Cyberrisiken, wie Versicherung, technisches Verständnis und Schadenprävention, -deckung oder -begrenzung und aktives Schadenmanagement, müssten gut miteinander harmonieren. Allerdings seien hier die Herausforderungen durch sich ändernde Rahmenbedingungen enorm.

Durch eine zunehmende Vernetzung im Gesundheitsbereich würden Ökosystemansätze auch international begünstigt. „Gleichzeitig spielt hier die Regulatorik eine sehr große Rolle, die je nach Kontext hemmend oder fördernd wirken kann“, schreiben die Studienautoren.

Beispiel für Ökosysteme im Geschäftsfeld Mobilität (Bild: Roland Berger)
Beispiel für Ökosysteme im Geschäftsfeld Mobilität (Bild: Roland Berger)

Mobilität braucht Kooperation

Mobilität sei aufgrund der Größe der Kraftfahrzeugsparte ein bedeutender Markt. Im ersten Schritt könnten Versicherer, wie das Beispiel Huk-Coburg, HDI und LVM zeigt, durch Kooperationen mit anderen Versicherern ein Gegengewicht zu starken Akteuren wie den Automobilherstellern oder großen Assistance-Dienstleistern schaffen.

Ein Ökosystem für dieses Geschäftsfeld mache aber nur Sinn durch die Kombination von versicherungseigenen mit versicherungsfremden Services.

Das Fazit

Der Hype der vergangenen Jahre um das Thema Ökosysteme für Versicherungsleistungen sei vorbei, schreiben die Autoren. Laut Aussagen der für die vorliegende Studie befragten Experten und Vorstände würden die Konzepte in der Praxis aber „wichtiger bis wettbewerbsentscheidend“.

Als wesentliche Erfolgsfaktoren beurteilen die Teilnehmer die Bereitschaft, Kooperationen einzugehen, die Konzentration auf die Bedürfnisse des Kunden sowie das uneingeschränkte Engagement des Managements für das Thema.

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