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Halbjahresbilanz: Die Schäden durch Naturereignisse bleiben hoch

28.7.2022 – Bei der R+V schlugen in den ersten sechs Monaten bereits 95.000 Elementarschäden in Höhe von 200 Millionen Euro zu Buche, verursacht vor allem durch drei Winterstürme. Die Sturmsaison des Jahres 2022 endete vorläufig mit mehreren Tornados. Assekurata vermutet allein schon aufgrund der Elementarschäden aus dem vergangenen Jahr höhere Versicherungsprämien für Wohngebäude- und Kfz-Versicherungen.

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Ein Jahr nach der Hochwasserkatastrophe durch Tief „Bernd“, die für die Assekuranz die größte Naturkatastrophe seit Beginn der Aufzeichnungen darstellt (VersicherungsJournal 7.7.2022), setzen Unwetterschäden den Versicherern weiter zu.

Die R+V Versicherung AG veröffentlichte am Mittwoch ihre Halbjahresbilanz. Demnach wurden dem Versicherer in den ersten sechs Monaten des Jahres 2022 bereits 95.000 Elementarschäden gemeldet. Der Schadenaufwand liegt bei 200 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2021 hatten Extremwetterereignisse zu 32.000 Schäden in Höhe von 78 Millionen Euro geführt.

Hauptverantwortlich sind drei Winterstürme

Norbert Rollinger (Bild: RGN-Photographs)
Norbert Rollinger (Bild: RGN-Photographs)

Verursacht wurden die diesjährigen Kosten bislang vor allem durch die Februar-Stürme „Ylenia“, „Zeynep“ und „Antonia“. Die Wiesbadener zählen die drei Naturereignisse zu den schwersten Winterstürmen der vergangen 20 Jahre.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) stufte die Serie auf Platz drei der teuersten Sturmereignisse ein (28.2.2022).

„Der Trend vor allem regional auftretender extremer Unwetter mit Starkregen, Sturm und Hagel, den wir seit einigen Jahren beobachten, setzt sich leider auch in diesem Jahr fort“, wird R+V-Vorstandsvorsitzender Norbert Rollinger in einer Mitteilung zitiert.

Sein Unternehmen verzeichnete im vergangenen Jahr allein durch Tief „Bernd“ rund 15.000 Schäden in Höhe von 730 Millionen Euro (8.7.2022). Insgesamt führten Unwetter in 2021 zu einem bis dato in der R+V-Geschichte neuen Rekord-Schadenhoch von mehr als einer Milliarde Euro, heißt es jetzt.

Von „Nadia“ bis „Emmelinde“

Die Chronologie der diesjährigen Sturmereignisse: Den Auftakt machte Tief „Nadia“ Anfang Februar. Turbulent wurde es allerdings nur an der norddeutschen Küste. Die Aon Beteiligungsmanagement Deutschland GmbH & Co. KG berechnete versicherte Schäden in Höhe von rund 150 Millionen Euro und stufte „Nadia“ als kleines Unwetterereignis ein (2.2.2022).

Anders sah es bei der kurz darauffolgenden „Trilogie der Stürme“ aus. Aon schätzte die Schadensumme bundesweit auf insgesamt auf 1,6 Milliarden Euro, verteilt auf Sturmtief „Ylenia“ mit rund 500 Millionen Euro, „Zeynep“ mit etwa einer Milliarde Euro und „Antonia“ mit circa 100 Millionen Euro.

Dies entspreche etwa 50 Prozent der gesamten versicherten Sturmschäden eines durchschnittlichen vollständigen Jahres, hatte der Versicherungsmakler damals mitgeteilt (22.2.2022).

Zuletzt auch Tornados

Im April folgte „Nasim“. Der verspätete Wintersturm kostete Deutschlands Versicherer 150 Millionen Euro, ermittelte die Meyerthole Siems Kohlruss Gesellschaft für aktuarielle Beratung mbH (MSK) (Medienspiegel 11.4.2022).

Zuletzt hatte Orkantief „Emmelinde“ mehrere Tornados im Gepäck. Diese verursachten allein bei Kunden der LVM Versicherungen in drei Städten 872 Sachschäden, darunter 583 in der Wohngebäudeversicherung, und 540 Kfz-Schäden. Der Aufwand nur im Bereich Wohngebäude liegt in den drei Orten bei insgesamt fast 5,26 Millionen Euro.

Die Provinzial Versicherungen zählen in Zusammenhang mit „Emmelinde“ 17.978 Schäden in Höhe von rund 86 Millionen Euro (8.7.2022).

Branche erwartet höhere Versicherungsprämien

Die Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH erwartet deutlich höhere Versicherungsprämien für Wohngebäude- und Kfz-Versicherungen. Grund sind Elementarschäden und hohe Kostensteigerung durch die Inflation, wie kürzlich bei der Vorstellung des „Assekurata-Marktausblick zur Schaden-/Unfallversicherung 2022“ berichtet wurde (8.6.2022).

Im Jahr 2021 ist demnach die Schadenkostenquote der Schaden- und Unfallversicherer um 12,5 Prozent auf 102 Prozent gestiegen. Damit musste die Branche erstmals seit 2013 einen versicherungs-technischen Verlust hinnehmen. Die Leistungen stiegen um 20,3 Prozent auf 62,3 Milliarden Euro, vor allem verursacht durch Tief „Bernd“.

Auch die die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (Eiopa) kam unlängst zu dem Schluss, dass unter den europäischen Sachversicherern ein Konsens wachse, dass mit dem Klimawandel wohl die Prämien steigen werden.

In ihrem Bericht „European insurers‘ exposure to physical climate change risk – Potenzial implications for non-life business“ gab die Behörde aber auch zu bedenken, dass höhere Prämien und Verschärfungen wie höhere Selbstbehalte, niedrigere Limits oder Ausschlüsse den Versicherungsgrad und auch die Reputation der Branche beeinträchtigen könnten (25.5.2022).

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