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Reitunfall: Wenn sich ein Pferd „selbstgesteuert“ verhält

15.6.2022 – Ein Pferdehalter ist für die Folgen eines Reitunfalls immer dann verantwortlich, wenn sich das Tier „selbstgesteuert“ verhält und es dadurch zu dem Unglück kommt. Nur in Fällen, in denen das Pferd dem Willen des Reiters gefolgt ist, hat sich die Tiergefahr nicht verwirklicht. Dies wiederum hat zur Folge, dass der Pferdehalter nicht für eine Verletzung des Reiters haftet. So entschied das Landgericht Koblenz mit einem am Montag veröffentlichten Urteil vom 25. Mai 2022 (3 O 134/19).

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Der Entscheidung lag der Fall einer Frau zugrunde, die sich vorübergehend um das Pferd einer Bekannten gekümmert hatte. Diese hatte darum gebeten, die Stute gelegentlich zu reiten, weil sie sich selbst wegen einer Schwangerschaft dazu nicht in der Lage sah.

Bei einem Ausritt Anfang Dezember 2017 buckelte das Tier plötzlich und warf die Reiterin ab. Dabei brach diese sich einen Arm.

Typische Tiergefahr verwirklicht?

Dadurch entstanden Behandlungskosten in Höhe von etwas mehr als 5.000 Euro. Der Krankenversicherer der Verletzten forderte von der Pferdehalterin, die Aufwendungen zu erstatten. Denn bei dem Unfall habe sich eine typische Tiergefahr im Sinne von § 833 BGB verwirklicht, für die ein Tierhalter hafte.

Dem widersprach die so angesprochene Frau. Denn sie habe ihre Stute nicht der Geschädigten, sondern deren Tochter anvertraut. Davon, dass auch die Mutter das Pferd reiten werde, habe sie keine Kenntnis gehabt. Die Reiterin habe sich daher eigenverantwortlich gefährdet und sich die Folgen des Unfalls selbst zuzuschreiben.

Krankenversicherer werden Kosten erstattet

Doch dem wollte sich das schließlich mit dem Fall befasste Koblenzer Landgericht nicht anschließen. Es gab der Klage des Krankenversicherers auf Erstattung seiner Aufwendungen in vollem Umfang statt.

Nach einer Beweisaufnahme war das Gericht überzeugt, dass der Beklagten durchaus bewusst gewesen war, dass sich auch die Mutter der jungen Frau, die sie mit der Betreuung ihres Pferdes betraut hatte, um das Tier kümmern würde.

Als die Geschädigte das Pferd geritten sei, habe die Stute plötzlich und unerwartet den Kopf zwischen die Beine genommen und mehrfach gebuckelt. Dabei sei die Reiterin schließlich abgeworfen und verletzt worden.

Kein Mitverschulden – keine ungewöhnlichen Risiken eingegangen

Durch das Verhalten der Stute habe sich eine typische Tiergefahr verwirklicht, für die ihre Halterin hafte. Ein Pferdehalter sei für die Folgen eines Reitunfalls immer dann in der Pflicht, wenn sich das Tier „selbstgesteuert“ verhalte und dadurch ein Unfall passiert. Eine Haftung sei nur dann ausgeschlossen, wenn es zu einer Verletzung komme, obwohl das Pferd dem Willen des Reiters gefolgt sei.

Der Verletzten könne auch kein Mitverschulden angelastet werden. Sie sei seit 40 Jahren reiterfahren und habe die Stute bereits von früheren Ausritten gekannt. Bei denen sei es niemals zu derartigen Zwischenfällen gekommen. Die Frau habe folglich keine Veranlassung gehabt, den Ausritt Anfang Dezember 2017 als besonders gefährlich einzuschätzen. Sie sei daher auch keine ungewöhnlichen Risiken eingegangen.

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