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Vorausdarlehen und attraktive Arbeitsplätze: Branche um mehr Kundennähe bemüht

16.9.2022 – Gasrechnungen, Kompositgeschäft, Mitarbeitergewinnung und die digitale Rentenübersicht waren gestern Themen des ersten Tages einer MCC-Fachtagung. Allianz-Vorstand Rolf Wiswesser rechnet marktweit im Vertrieb mit Konsolidierung – schon allein aufgrund der Demografie. In der eigenen Gruppe soll der Vertrieb aber stabil bleiben.

Das industrielle Sachversicherungs-Geschäft wird nach Meinung von Dr. Rolf Wiswesser, Vorstand Maklervertrieb der Allianz Versicherungs-AG, für den Vertrieb immer mehr zum relevanten Wettbewerbsfaktor. Denn die Komposit-Sparte sorge für Kundenbindung und nachhaltig laufende Ertragsströme.

Rolf Wiswesser (Screenshot: Schmidt-Kasparek)
Rolf Wiswesser (Screenshot: Schmidt-Kasparek)

Wiswesser rät Vermittlern, sich unter anderem mit Sensorik vertraut zu machen, wie dies bereits große Maklerhäuser täten. Sensorik werde in der Prävention an Bedeutung gewinnen – und weniger Schäden ließen die Prämien sinken, meinte er am Donnerstag im Rahmen der MCC-Fachtagung „Versicherungsvertrieb der Zukunft“.

Sanierung in der Industrieversicherung

Im Weiteren berichtete der Allianz-Vorstand über die Sanierung in der Industrieversicherung. Danach seien in den letzten acht Jahren (bis 2021) fünf Milliarden Euro „verbrannt“ worden. Vor allem 60 Großschäden von einigen wenigen Unternehmen belasteten.

Dem Solidargedanken folgend müssen die Prämien nun für alle im Durchschnitt um 15 Prozent steigen – auch wenn 80 Prozent des Marktes eine Zehn-Jahres-Schadenquote von unter zehn Prozent hätten.

Zur Nachhaltigkeit sagte Wiswesser, dass es nicht nur um den Ausschluss von Kohle gehe, sondern um die Unterstützung des Mittelstandes und der Kleingewerbetreibenden dabei, klimaneutral zu werden.

Wunsch nach Nettosicht auf verfügbares Einkommen

Die Lebensversicherer sollten ihren Kunden bei der Bezahlung von hohen Gasrechnungen mit Vorausdarlehen mit subventionierten Zinsen entgegenkommen. „So haben wir die Chance, uns in einer ganz anderen Art und Weise im Markt zu etablieren“, sagte Martin Gattung, Gründer und Geschäftsführer der Aeiforia GmbH.

Gattung appellierte an die Politik, dass Gasrechnungen auch mit Vorschüssen auf die betriebliche Altersversorgung steuerfrei beglichen werden dürften. „Wenn die Verträge ins Storno gehen, nutzt das nichts“, so Gattung.

Er referierte über die digitale beziehungsweise säulenübergreifende Rentenübersicht, für deren Umsetzung noch „viel, viel zu tun“ ist, die aber die Chance zu einer Evidenzberatung biete. Dazu bedürfe es aber mehr als nur der Informationen aus den Standmitteilungen. Gattung wünscht sich eine Nettosicht auf verfügbares Einkommen, die eine lebensorientierte Altersvorsorgeberatung ermöglicht.

Fonds drängen vor

„Die Fondsindustrie will schon ab Beginn freiwillig teilnehmen und bereitet Datensätze und Bausteine vor. Dass diese vehement in die Beratung einsteigt, sollte uns nachdenklich machen“, so Gattung.

Die Versicherer sollten den Aufwand, aber auch die Chancen für neue Geschäftsmodelle nicht unterschätzen. Von Vorteil sei, dass die Brancheninitiative Bipro e.V. eine Schnittstelle zum Vertrieb bauen wolle. „Alle, die Verantwortung für die Umsetzung tragen, sollten am Bipro-Termin 19.10.2022 teilnehmen.“

Michael Littig, Vorstand der Teckpro AG, sagte, dass der Prozess einer ausreichenden Datenlage für die digitale Rentenübersicht „noch Jahre“ und „brutal viel Aufwand“ brauchen werde. Die Rentenübersicht sei aber eines der Top-Themen des eigenen „Versicherungsradars“. Er lud die Branche ein, an dieser öffentlichen Studie unter diesem Link mitzuwirken.

Zulauf für die Größten

„Brands matters“, resümierte Dr. Thomas Bittner, Geschäftsführer der Organomics GmbH, bei der Vorstellung einer Branchenstudie zur Attraktivität des Versicherungsvertriebs. Unter denen, die sich eine Tätigkeit in der Assekuranz vorstellen können, würden die meisten am liebsten bei der Allianz anfangen, gefolgt von den Versicherern Huk-Coburg, Ergo, R+V, Axa, den öffentlichen Versicherern, der DEVK, der Generali, der DBK und der Signal Iduna.

Doch nur beispielsweise 3,2 Prozent der Schülerkohorte (16 bis 20 Jahre) können sich vorstellen, im Versicherungs-Außendienst zu arbeiten. Die Mehrzahl der Befragten im Alter von 16 bis 45 Jahren hält die Arbeit in der Versicherungswirtschaft für langweilig sowie monoton und stört sich am Image („unehrlich“).

„Machen Sie bekannt, wie viele spannende Aufgaben es in der Versicherungswirtschaft gibt“, rät Bittner für die Gewinnung von Mitarbeitern. Bei verschiedenen Fragestellungen der Organomics zeigte sich, dass neben dem Materiellen (Gehalt, Boni et cetera) die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Homeoffice und Karriere sowie Entwicklungs-Möglichkeiten hoch eingeschätzt werden.

Letzteres sollte in Stellenangeboten zusammen mit dem fachlichen Anforderungsprofil hinaus genannt werden. Dabei gehe es nicht um Perspektiven wie den Bezirksleiter, sondern um breite Möglichkeiten – etwa die Chance, sich zu einem Experten zu entwickeln oder eine oder gar mehrere Agenturen zu führen.

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